KANTON: Bei Krisen und Problemen ist er zur Stelle

Als Ausbildungs­berater sieht Karl Marbet in 127 Berufe. Neben dem Finden von Lösungen erlebt er auch Glücksmomente.

Florian Arnold
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Karl Marbet verhandelt beim Kanton mit Urner Betrieben über Ausbildungsverträge. (Bild Florian Arnold)

Karl Marbet verhandelt beim Kanton mit Urner Betrieben über Ausbildungsverträge. (Bild Florian Arnold)

Wenn er die Maurer besucht, trägt er Bergschuhe. Wenn es ins Altersheim zu den Fachangestellten Gesundheit geht, wählt er Halbschuhe. Und für die KV-Lernenden müssen glänzende Lederschuhe her. «Jede Berufsgruppe hat ihren eigenen Groove», sagt Karl Marbet, Ausbildungsberater des Amts für Berufsbildung. Andernorts ist dieser Job mit Berufsinspektor angeschrieben. Doch diese Bezeichnung gefällt dem Altdorfer nicht. «Ich verstehe mich als Partner und nicht als einer, der einfach nur kontrolliert.»

Kanton erteilt Bewilligung

Es ist Freitagnachmittag. Karl Marbet macht sich auf den Weg zum «Chinderträff Löwäpfootä» in Bürglen. Aus der Kinderkrippe hört man keinen Ton. Am Freitag sei jeweils Ruhetag, erklärt Leiterin Chantal Gamma. Das soll sich aber schon bald ändern. Die Kleinkinderzieherin möchte ihr Angebot ausbauen – und künftig auch Lernende ausbilden. Dazu muss ihr der Kanton eine Ausbildungsbewilligung erteilen. Marbet schaut sich die Krippe ganz genau an. Während er das Administrative regelt, beurteilt eine unabhängige Expertin das Fachliche.

Im Gespräch mit der Urner Krippenleiterin nimmt Expertin Silvia Urech kein Blatt vor den Mund: «Jemanden auszubilden, braucht viel Arbeit und Zeit.» Das ist der Urner Krippenleiterin auch bewusst. «Es wird viel auf mich zukommen», weiss Chantal Gamma.

Einstieg in Berufswelt

Bisher haben im «Chinderträff Löwä­pfootä» neben Chantal Gamma Praktikantinnen mitgearbeitet. Den «guten Frauen», wie Gamma sagt, möchte sie nun die Möglichkeit bieten, über ihre Kinderkrippe in die Berufswelt zu gelangen.

Dieses Vorhaben begrüsst auch Ausbildungsberater Marbet. «Die Praktika sind ein Relikt aus früheren Zeiten», erklärt er. Denn bevor die Ausbildung für soziale Berufe unter das Dach des Berufsbildungsgesetz fiel, konnte eine Ausbildung erst mit 18 Jahren begonnen werden. Heute erlaubt das System einen Ausbildungsstart direkt nach dem 9. Schuljahr. «In gewissen Fällen kann aber ein Praktikum sinnvoll sein», so Marbet. Gerade dann etwa, wenn der Berufswunsch noch nicht ausgereift sei.

Nicht jede Krise bedeutet Abbruch

Marbet weiss zu gut, was es heisst, wenn die Berufswahl ungenügend ist. Denn das kann zu Lehrabbrüchen führen. In so einem Fall wird der Ausbildungsberater auf den Plan gerufen. «Wir müssen dann jeweils eine passende Lösung finden.» Doch nicht jede Krise endet in einem Lehrabbruch. Zuweilen muss Marbet auch für zwischenmenschliche Probleme ausrücken. So kommt es vor, dass ein Betrieb darüber klagt, dass ein Lernender regelmässig zu spät zur Arbeit erscheint. «Wenn man dann das Gespräch sucht, tönt es auf der anderen Seite oft anders», weiss Marbet. «Der Lernende erzählt dann vielleicht, dass er sich im Betrieb schlecht betreut fühlt.»

Bei den Krisengesprächen kommt Marbet eine vermittelnde Rolle zu: «Ich kann aus der Vogelperspektive auf das Problem schauen, weil ich kein Vertragspartner bin.» An einem runden Tisch könnten dann meistens gegenseitige Abmachungen getroffen werden: Der Lehrbetrieb räumt der Ausbildung mehr Zeit ein, solange der Lernende pünktlich erscheint.

Hürden abgebaut

Seit 2007 ist Karl Marbet beim Kanton beschäftigt. Zuvor hat er eine Spenglerlehre abgeschlossen, war später als medizinischer Masseur tätig, wurde Berufsschullehrer. «Heute kommt es mir zu gute, dass ich in viele verschiedene Arbeitsbereiche hineingesehen habe», sagt Marbet. So habe er es geschafft, Hürden abzubauen. «Früher hatte man eher Unbehagen, wenn das Amt vorbei kam. Heute sprechen wir auf Augenhöhe.» Sind es doch nicht weniger als 127 Berufe, mit denen Marbet in Kontakt kommt.

Karl Marbet erlebt in seinem Job aber auch absolute Glücksmomente. «Die Lehrabschlussfeiern sind für mich das Highlight», sagt der Ausbildungsberater. «Wenn all die Leute, die vielleicht einmal fast geschlittert wären, ihr Zeugnis bekommen, ist das für mich ein Moment der extrem tiefen Befriedigung.» Er könne dabei jeweils nicht im Publikum sitzen. Stattdessen versucht er so nahe an die Absolventen heranzukommen, dass er in ihre Gesichter blicken könne. «Ich will die Emotionen sehen.»

Das Ausbildungswesen befindet sich im ständigen Wandel. «So schnell wird keine Langeweile aufkommen», scherzt Marbet. Als grösste Hürde bezeichnet er die Auswirkungen der demografischen Entwicklung. «Es wird in Zukunft garantiert nicht leichter, Berufsnachwuchs zu generieren», sagt der Fachmann. «Hier sind wir gefordert, aber auch die Betriebe.» Doch Karl Marbet gibt sich zuversichtlich: «Wenn es uns gelingt, die hohe Qualität unseres Ausbildungswesens zu halten, wird es uns weiterhin gut gehen.»