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KANTON: Der grosse Urner Networker tritt ab

Josef Dittli holte einst den ägyptischen Investor Samih Sawiris ins Urserntal. Morgen tritt der Urner Finanzdirektor mit den schwarzen Zahlen zurück.
Elias Bricker
Josef Dittli ist bei den Urner Wählern sehr beliebt. (Bild Pius Amrein)

Josef Dittli ist bei den Urner Wählern sehr beliebt. (Bild Pius Amrein)

Elias Bricker

Es stand nicht rosig um den Kanton Uri, als der Attinghauser Gemeindepräsident Josef Dittli 2004 in den Regierungsrat gewählt wurde. Im SBB-Depot Erstfeld wurden Entlassungen angekündigt, das Zeughaus Amsteg stand vor der Schliessung, und das Militär zog sich zunehmend aus dem Urserntal zurück. Zudem hatte Uri mit hohen Steuern zu kämpfen. Und der Politskandal um die Sanierung der Bristen­strasse, bei der die Kosten völlig aus dem Ruder liefen, erschütterte das Vertrauen in die Urner Regierung massiv.

Sprengkörper explodiert

Zwölf Jahre später blicken die Urner wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft. Das ist zu einem gewissen Teil auch Dittlis Verdienst – auch wenn dabei das Glück ein wenig mitgespielt hat. Denn kaum im Amt, kam Josef Dittli 2004 bei einem internationalen Treffen mit einem Schweizer Botschafter ins Gespräch. Die beiden sprachen über das touristische Potenzial des Kantons Uri und über fehlende Investoren. Bei diesem Gespräch fiel der Name Samih Sawiris zum ersten Mal. Dittli setzte alle Hebel in Bewegung und lud den ägyptischen Milliardär nach Andermatt ein. Der Rest ist Geschichte.

Nach zwölf Jahren im Regierungsrat tritt der 59-jährige Josef Dittli morgen zurück. Im vergangenen Jahr wurde er in den Ständerat gewählt – als erster Urner FDP-Politiker seit 1927. Dafür «überliess» die FDP ihren Nationalratssitz nach fast hundert Jahren der SVP. Als Regierungsrat war der ausgebildete Primarlehrer kein Hardliner. Er galt als Konsenspolitiker, der es nach Möglichkeit allen recht zu machen versuchte. Der ehemalige Berufsoffizier verblüffte seine Ratskollegen immer wieder mit seinem grossen Beziehungsnetz, das er geschickt nutzte. Dank seiner Volksnähe erzielte Dittli bei Wahlen stets Spitzenresultate. 2012 bis 2014 war er zudem Landammann.

Als Regierungsrat übernahm er 2004 die Sicherheitsdirektion. Er reorganisierte den kantonalen Führungsstab, setzte ein neues Bevölkerungsschutz- und ein neues Polizeigesetz in Kraft. Zudem fiel auch der Bau des Schwerverkehrszen­trums in Erstfeld in Dittlis Amtszeit. Als Sicherheitsdirektor war er jeweils auch am Bundesfeiertag für die Sicherheit auf dem Rütli zuständig. Kurz nach der 1.-August-Feier 2007 explodierte in Dittlis Briefkasten eine Bombe. Verletzt wurde niemand. Doch der Schock sass beim zweifachen Familienvater tief. Ein Tiefpunkt in Dittlis Politkarriere.

Vorsichtig budgetiert

2010 wechselte Dittli in die Finanzdirektion. Dabei führte er die Totalrevision der Pensionskasse durch, erstellte 2012 den ersten Wirkungsbericht zum innerkantonalen Finanz- und Lastenausgleich und führte 2015 die Teilrevision des Steuergesetzes durch. Als Finanzdirektor schrieb er zudem stets schwarze Zahlen. Doch sein Spareifer und seine vorsichtigen Budgetplanungen wurden nicht überall goutiert. Denn Dittlis Kantonsrechnungen schlossen stets viel besser ab als budgetiert.

Als Bundesrat gehandelt

2010 wurde Dittli gar als Bundesratskandidat ins Spiel gebracht. Doch er winkte ab und legte sich stattdessen in der Freizeit lieber für Anlässe ins Zeug. So engagierte er sich als OK-Präsident des Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfests 2010, des Urner Schützenfests 2011, des Jubiläumsfests des Urner Skiverbands 2008, des Volksmusiktags 2016 oder des 100-Jahr-Jubiläums des FC Altdorf 2016. Neu ist er zudem auch Präsident von Swisslos. Daneben findet der passionierte Sportler stets noch Zeit für Ski- und Biketouren.

«Spagat in eleganter Manier geschafft»

DER WEGGEFÄHRTE

Matthias Steinegger. (Bild: pd)

Matthias Steinegger. (Bild: pd)

Matthias Steinegger hat in den vergangenen Jahren als Flüeler Landrat und vor allem auch als Parteipräsident der FDP Uri sehr eng mit Josef Dittli zusammengearbeitet. Dadurch sei auch eine sehr freundschaftliche Beziehung entstanden, sagt Steinegger. Vor allem die Zeit, als sich Dittli im vergangenen Jahr entscheiden musste, ob er nun für den Nationalrat oder den Ständerat kandidieren solle, sei sehr intensiv gewesen. «Während dieser Zeit haben wir wohl mehr miteinander telefoniert als mit unseren eigenen Frauen», sagt Steinegger mit einem Schmunzeln. Denn dieser Entscheid wollte gut überlegt sein.

Dittli sei sich als Regierungsrat zudem nie zu schade gewesen, sich um die Parteiangelegenheiten zu kümmern. Gerade auch wenn es darum ging, Kandidaten für Ämter zu gewinnen, sei Dittli stets zur Stelle gewesen, und sein grosses Netzwerk sei dabei zum Tragen gekommen.
«Josef Dittli hat ohnehin als Regierungsrat einen sehr guten Job gemacht», sagt Steinegger. Als Finanzdirektor habe er in den vergangenen sechs Jahren einem enormen Spardruck standhalten müssen. «Josef Dittli hat den Spagat zwischen dem Druck des Parlaments und seiner Aufgabe als Regierungsrat immer in eleganter Manier geschafft», sagt Steinegger. Politische Niederlagen nehme er zudem sehr sportlich. «Er ist ein lebensfroher und positiver Mensch», so Steinegger. «Das zeichnet ihn aus.»

«Man kann ihn auf die Palme bringen»

DER SEKRETÄR

Rolf Müller. (Bild: pd)

Rolf Müller. (Bild: pd)

Als Generalsekretär der Finanzdirektion war Rolf Müller seit 2010 der engste Vertraute von Regierungsrat Josef Dittli in der kantonalen Verwaltung. «Josef Dittli besitzt eine gute Auffassungsgabe», lobt ihn Müller. «Er kann sich in komplexe Themen und Geschäfte extrem schnell einarbeiten.»

Dittli gilt in der Öffentlichkeit als Strahlemann. «Man kann ihn aber schon auch manchmal auf die Palme bringen», verrät Müller. Doch politische Angriffe hätte Dittli jeweils diplomatisch weggesteckt, auch wenn sie ihn persönlich wohl schon ein bisschen beschäftigt hätten. Auch mit Niederlagen sei er erstaunlicherweise immer sehr gelassen umgegangen.

Dittli habe zudem einen sehr angenehmen Umgang mit seinen Mitarbeitern gehabt, und er sei sehr kommunikationsfähig. «Josef Dittli ist ein Teamplayer», sagt Müller. Als Dittli 2010 die Finanzdirektion übernahm, sei es nicht lange gegangen, bis er alle seine Mitarbeiter mit Namen gekannt habe. Zudem sei in den vergangenen Jahren immer wieder Dittlis grosses Beziehungsnetz zum Tragen gekommen. «Als Direktionsvorsteher ist Josef Dittli aber sehr strukturiert», sagt Müller. An seinem Führungsstil sei die militärische Herkunft des FDP-Politikers spürbar gewesen. «Josef Dittli gibt jeweils den Weg vor, dann marschieren alle in die vorgegebene Richtung», so Müller. «Denn Josef Dittli redet nicht gerne lange um den Brei herum.»

«Er sitzt auf dem Geld»


DER GEGENSPIELER

Toni Brand. (Bild: pd)

Toni Brand. (Bild: pd)

«Josef Dittli ist kein Polemiker», sagt der Silener Landrat Toni Brand. Er habe andere Sichtweisen fast nie schlechtgemacht, vielmehr habe er sich andere Meinungen stets angehört und danach den Konsens gesucht. «Das ist die Art, die ihn als Politiker auszeichnet», sagt der parteilose Linkspolitiker. «Dittli eckt mit seiner Art nicht an.» Das wolle er auch nicht. Deshalb sei die Akzeptanz in der Bevölkerung wohl so gross.

Brand und Dittli kennen sich seit Jahren. Sie besuchten zusammen das Lehrerseminar. Heute treffen sie sich neben der Politik ab und zu beim Velofahren – rein zufällig. Als Landrat hat Brand beeindruckt, wie hartnäckig Dittli war, als das Schwerverkehrszentrum in Erstfeld gebaut wurde. «Dabei hat Dittli versucht, das Möglichste für den Kanton herauszuholen», erinnert sich Brand. Spätestens da sei ihm klar geworden, wie gross Dittlis Beziehungsnetz im Militär- und Sicherheitsbereich sei – bis hinauf nach Bern.

«Als Regierungsrat hat Dittli eigentlich nicht Parteipolitik betrieben», sagt Brand. Trotzdem kreuzten der FDP-Regierungsrat und die Ratslinke öfter die Klingen. «Wir kreideten ihm als Finanzdirektor an, dass er auf dem Geld sitze und zu sehr schwarzmale, damit er keine Ausgaben tätigen muss», sagt Brand. «Natürlich hat er nur seinen Job gemacht. Ob Finanzdirektor oder Vereinskassier: Der Chef der Kasse muss halt schauen, dass die Finanzen im Lot sind. Überschüsse sind immer besser als Defizite.»

«Zügig Entscheide gefällt»


DER FREUND

Adi Arnold. (Bild: pd)

Adi Arnold. (Bild: pd)

Während seiner Regierungszeit wirkte Josef Dittli auch in diversen OKs mit. So war er unter anderem OK-Präsident des Kantonalen Schützenfests 2011. Bei der Sponsorensuche habe sein Beziehungsnetz extrem viel geholfen, erinnert sich Adi Arnold, damaliger Präsident des Kantonalschützenverbands. Zudem habe er das OK äusserst kollegial und speditiv geführt. «Oft hätten wir bestimmte Punkte noch ewig diskutieren können», sagt Arnold. «Doch Josef Dittli hat die Diskussionen jeweils angehört und zügig die Entscheide gefällt.»

Und wie gut hat Dittli denn selber geschossen? «Anständig und gut», sagt Arnold. «Er hat am Kantonalen das Kranzresultat mit dem Gewehr und der Pistole erreicht. Dabei ist er eigentlich gar kein Schütze.»

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