KANTON: Gemeinden rüsten sich für Monstertag

Fünf Abstimmungen und Gesamterneuerungswahlen: Für die Ermittlung der Resultate wird viel Personal gebraucht – aber es ist Vorsicht geboten.

Florian Arnold
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Wie hier am 11. März 2012, so wird auch am 28. Februar 2016 beim Auszählen höchste Konzentration verlangt. (Archivbild Urs Hanhart)

Wie hier am 11. März 2012, so wird auch am 28. Februar 2016 beim Auszählen höchste Konzentration verlangt. (Archivbild Urs Hanhart)

Es wird ein Abstimmungswochenende der Extraklasse: Am 28. Februar stehen nicht nur die Gesamterneuerungswahlen von Landrat und Regierungsrat an (inklusive Wahl des Landammanns und des Landesstatthalters), sondern auch eine kantonale und vier eidgenössische Abstimmungen. Gerade die Vorlage zur zweiten Gotthard-Strassenröhre und die Durchsetzungsinitiative beinhalten dabei sehr viel Zündstoff.

Erfassen wird aufwendig

Bei den Urner Gemeinden geht man deswegen von einer besonders hohen Stimmbeteiligung aus. So auch in Altdorf. «Mich würden 60 Prozent nicht erstaunen», sagt Gemeindeschreiber Markus Wittum. Bei 6500 Stimmberechtigten wären das knapp 4000 Personen – multipliziert mit 5 Abstimmungs- und Wahlzetteln, die 7 (Regierung), 2 (Landammann- und Landesstatthalterwahl) beziehungsweise 15 Zeilen (Landrat) enthalten. Das entspricht hochgerechnet 116 000 Wahl- respektive Stimmdaten.

Als besonders aufwendig dürfte sich das Auswerten der Ergebnisse der Regierungsratswahlen erweisen, da keine vorgedruckten Listen im Umlauf sind, auf denen sieben offizielle Kandidaten aufgeführt sind – wie etwa 2008, als die Regierung ohne Gegenkandidaturen bestätigt wurde. Nun ist es also möglich, dass Wähler mit dem genau gleichen Wahlwillen eine komplett andere Reihenfolge auf ihren Zettel schreiben, was das Erfassen aufwendiger macht.

Resultate werden später vorliegen

«An eine solche Konstellation mit Wahlen und einer so brisanten Vorlage wie der ‹Röhrenabstimmung› kann ich mich nicht erinnern», sagt Wittum. Für den Wahlsonntag wurde deshalb mit 50 Personen die grösstmögliche Anzahl im Urnenbüro aufgeboten. An andern Abstimmungssonntagen sind es jeweils zwischen 20 und 30 Leuten. Der Gemeindeschreiber geht davon aus, dass die Resultate erst am späteren Nachmittag vorliegen werden.

Auch in den anderen Proporzgemeinden hat man aufgestockt. In Silenen, wo es vor vier Jahren zu stillen Landratswahlen kam, wurden für 1550 Stimmberechtigte 18 Personen aufgeboten. Denn die Gemeinde stimmt am selben Tag auch noch über einen Kredit zur Erweiterung der Mehrzweckanlage Selderboden ab, wie Gemeindeschreiber Roger Metry ausführt. In Erstfeld (2500 Stimmberechtigte) werden statt der üblichen 10 bis 15 Personen 25 bis 30 Leute im Einsatz stehen, sagt Marina Zelic von der Gemeindeverwaltung. In Schattdorf (3800 Stimmberechtigte) sind laut Gemeindeschreiberin Sybille Jauch 35 Personen aufgeboten worden. «Wie lange wir brauchen werden, können wir nicht abschätzen», sagt Jauch. «Doch unsere Leute haben sich den ganzen Tag reserviert.» 23 Personen arbeiten im Bürgler Urnenbüro (2900 Stimmberechtigte), teilt Gemeindeschreiber Emil Walker mit.

Viele Listen verändert

Flüelen (1400 Stimmberechtigte) steht vor einer ganz besonderen Wahl: Auf die drei Sitze haben sich nicht weniger als 16 Kandidaten auf insgesamt acht Listen aufstellen lassen. Insgesamt werden deshalb 14 Personen im Wahlbüro benötigt. «Wir haben von früheren Wahlen gelernt und extra genügend Personen aufgeboten», sagt Gemeindeschreiber Rico Vanoli. Auch wenn beim Auszählen seit längerem elektronische Unterstützung eingesetzt werden kann, sei vieles bei den Wahlen noch Handarbeit. «Es werden wohl die wenigsten Listen unverändert eingeworfen», glaubt der Gemeindeschreiber. Deshalb muss jeder Zettel eins zu eins in ein Computerprogramm übertragen werden, das später das Wahlresultat ausgibt. Das Computerprogramm wird jeweils von Zweierteams gefüllt. Vorgängig werde dies mit den Involvierten jeweils durchgespielt, damit ein effizienter Ablauf am Wahltag gewährleistet sei.

Bereits seien überdurchschnittlich viele Wahlkuverts per Post eingegangen, heisst es bei allen angefragten Gemeinden. Dass mit der Auszählung bereits begonnen wird, ist aber nicht erlaubt. «Wir können am Abstimmungssonntag vor 9 Uhr nur gewisse administrative Vorarbeiten erledigen», sagt Markus Wittum. So wurden die eingegangenen Postkuverts bereits aufgeschlitzt. Effektiv gezählt werden dürfen sie erst am Wahltag ab 9 Uhr.

Ausstandspflicht beachten

Etwas Vorsicht geboten sei bei der Rekrutierung der Wahlbüro-Mitarbeiter, sagt Wittum. Denn wer bei den Wahlen befangen sein könnte, muss in den Ausstand. «Wir haben alle Mitglieder des Urnenbüros nochmals auf die Ausstandspflicht aufmerksam gemacht», so Wittum. Betroffene Personen, wie beispielsweise Landratskandidaten, können aber trotzdem bei der Auszählung mithelfen. Denn die meisten Gemeinden teilen ihre Büros strikt getrennt auf in Landratsauszählung und Regierungs- sowie Sachvorlagenauszählung.
 

Florian Arnold

 

Das Proporzwahlsystem einfach erklärt

Service zf. Für die Urner Gemeinden, denen drei und mehr Sitze im Landrat zur Verfügung stehen, gilt seit 1992 das Proporzwahlsystem. Es sind dies Altdorf, Attinghausen, Bürglen, Erstfeld, Flüelen, Schattdorf, Seedorf und Silenen. Primär gilt beim Proporzsystem, dass zuerst ermittelt wird, welche Liste wie viele Sitze zugesprochen erhält. Leer gelassene oder durchgestrichene Zeilen zählen dabei ebenfalls als Listenstimme, falls die Liste entsprechend bezeichnet ist. Im zweiten Schritt werden die Sitze innerhalb der Partei verteilt. Dabei sind einige Regeln zu beachten:

  • Wahlzettel für die Landratswahlen gehören ins Kuvert «Gemeindewahl».
  • Jede Person darf nur einen Wahlzettel einlegen.
  • Vorgedruckte Parteilisten sind erlaubt.
  • Jeder Wahlzettel muss mindestens einen gültigen Kandidatennamen und höchstens so viele enthalten, wie der Gemeinde Sitze zustehen.
  • Der Name eines bevorzugten Kandidaten darf höchstens zweimal auf dem gleichen Wahlzettel stehen.
  • Auf die Zettel darf ausschliesslich handschriftlich geschrieben werden.
  • Der Wahlzettel muss einen klar erkennbaren Willen aufzeigen (mindestens Name und Vorname des Kandidaten und am besten zusätzlich Nummer, Jahrgang und Adresse).

Die vorgedruckten Listen dürfen verändert werden durch Kumulieren (einen Namen maximal doppelt auf die Liste schreiben) oder Panaschieren (Nummer und Namen einer anderen Liste aufschreiben).