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KANTON: Grosse Kehrichtkrise bricht aus

Gegen Ende der 1970er-Jahre steht Uri im Bann des Kehrichts. Die Wogen gehen hoch, auch in politischen Kreisen. Hinwil wird zur Notlösung.
Christian Mattli
Im April 1977 war die Deponie Schwändi bei Attinghausen voll. Dies war der Auslöser für ein politisches Erdbeben. (Bild: PD)

Im April 1977 war die Deponie Schwändi bei Attinghausen voll. Dies war der Auslöser für ein politisches Erdbeben. (Bild: PD)

Christian Mattli

Im Frühling 1977 sieht sich der Zweckverband für Kehrichtbeseitigung im Kanton Uri mit dem Vorwurf konfrontiert, er stecke den Kopf in den Sand. Die Gemeindebehörden werden in Leserbriefen verdächtigt, ihre Verantwortung vernachlässigt zu haben. Und in der April-Session des Landrats rügt eine Dringliche Interpellation mit über vierzig Mitunterzeichnern die «St.-Florians-Politik» beim Müll. Was war geschehen? Das Gebiet Schwändi in Attinghausen war die früheste Antwort des Zweckverbands auf die Frage, wie sich der Urner Kehricht möglichst billig, sauber und innerhalb der Kantonsgrenzen entsorgen liess. 1967 hatte der Verband die Deponie in Betrieb genommen, um den Urner Müll zu lagern. Freilich nur als Übergangslösung, bis zum Betrieb einer zentralen Urner Kehrichtverbrennungsanlage. Der Verband wollte diese bei der Dätwyler AG in Schattdorf bauen.

Schweinereien in der Schwändi

Während die Planung für die Anlage lief, füllte sich die Deponie Schwändi schneller als erwartet. Gegen erste Widerstände aus der Bevölkerung war es dem Verband in den Jahren 1973 und 1974 noch gelungen, die Deponie um eine zweite Etappe zu erweitern. Doch gegen eine dritte Etappe lief die Bevölkerung buchstäblich Sturm. Knapp hundert Bürger empörten sich in einer Einsprache über die Entwertung ihrer Liegenschaften durch Gestank und Rauch, über die unzulässige Gefährdung der Gesundheit und die Verschmutzung der Gewässer. Eine besonders schwere Last für den Deponiebetrieb waren Metzgereiabfälle und Kadaver. Gemäss Gesetz war es – und ist es noch heute – Sache jeder Gemeinde, einen Wasenplatz einzurichten, um dort Tierkörper zu vergraben. Doch die Gemeinden sahen sich ausser Stande, und eine regionale Kadaververwertungsanlage existierte nicht. Daher bewilligte der Verband – im Sinn einer Übergangslösung – die vorübergehende Annahme. Auf Zusehen hin durften die Metzger ihren Abfall, verpackt in Plastiksäcke, an zwei Tagen pro Woche zur Schwändi bringen. Doch diese Vorschriften wurden mehr schlecht als recht eingehalten. Manche Metzger lieferten ihren Abfall zu jeder Tages- und Nachtzeit. Viel schlimmer stand es bei der Kadaverbeseitigung. Tote und verweste Schweine wurden nachts auf die Deponie gebracht oder am Rand hingeworfen.

Notlösung in Hinwil

Im April 1977 war die Deponie Schwändi voll, eine Ersatzdeponie war nirgends vorhanden, und die Verbrennungsanlage in Schattdorf existierte noch nicht einmal auf dem Papier. So blieb dem Verband nichts anderes übrig, als den Kehricht nach Hinwil im Zürcher Oberland zu transportieren und dort verbrennen zu lassen. Eine teure Notlösung! In der Landratssession vom 8. Juni 1977 beantwortete der Urner Gesundheitsdirektor Franz Achermann die Dringliche Interpellation, die zwei Monate zuvor eingereicht worden war. Als Aufsichtsorgan über den Zweckverband habe die Regierung angeordnet, dass der Verband mittel- und langfristige Lösungen studieren müsse, sagte Franz Achermann. Dazu würden mittelfristig die Weiterführung der Deponie in Attinghausen, langfristig der Bau einer eigenen Verbrennungsanlage, der Transport des Kehrichts nach Zürich oder die Errichtung einer Deponie in den Steinbrüchen von Attinghausen zählen. Nichts Neues unter der Sonne! Verband und Gemeinden hatten das Problem ja schon früh erkannt und auch frühzeitig zu lösen versucht, wenn auch ohne Erfolg. Zudem war die eine Lösung – der Transport des Kehrichts nach Zürich – inzwischen bereits verwirklicht, obgleich als Notlösung. Die Vorwürfe eines behördlichen Versagens zielten also entschieden zu kurz.

Um dem Verband kurzfristig zu helfen, beschloss der Gemeinderat Attinghausen wenige Tage nach der Landratssession immerhin eine allerletzte Verlängerung für die Schwändi: bis Ende März 1978. So konnte der Zweckverband die Transporte nach Hinwil wieder einstellen. Doch eine weitere Verlängerung der Deponie Schwändi blieb ausgeschlossen: Am 28. Februar 1978 entschied die Gemeindeversammlung von Attinghausen, dass in der Gemeinde künftig kein Kehricht mehr deponiert werden dürfe. Dem Zweckverband blieb somit nichts anderes übrig, als die Deponie zu schliessen und den teuren Export nach Hinwil wieder aufzunehmen.

Komitee will Kehricht behalten

Um das Urner Kehrichtproblem langfristig möglichst günstig zu lösen, schien es nur eine Lösung zu geben: so bald wie möglich die eigene Verbrennungsanlage bauen. Doch Uri produzierte damals nur 10 000 Tonnen Kehricht pro Jahr. Für eine so kleine Menge lohnten sich Bau und Betrieb einer Anlage nicht, zumal der Bund eine Subventionierung ablehnte. So musste der Zweckverband den Traum einer eigenen Verbrennungsanlage aufgeben. Das rief nun wiederum den Urner Unternehmer Josef Imholz auf den Plan. Er wollte den langfristigen Kehrichtexport verhindern und eine Urner Lösung erwirken. Daher gründete er das «Aktionskomitee für eine vernünftige Kehrichtbeseitigung im Kanton Uri». Im Januar 1979 begann das Komitee, Unterschriften für eine Volksinitiative gegen den Kehrichtexport zu sammeln. Innert dreier Wochen waren 1500 Unterschriften beisammen; 300 hätten gereicht.

Die Unterschriftensammlung und eine gleichzeitige Preisoffensive aus Hinwil zeigten Wirkung. Ende 1979 stimmte der Verband einem Fünfjahresvertrag mit Hinwil zu, aber nur im Sinn einer Übergangslösung. Damit gewann der Verband wieder Zeit für die Suche nach einer langfristigen urnerischen Lösung für das Kehrichtentsorgungsproblem. Das Komitee zog seine Volksinitiative zurück; die Urner Kehrichtkrise war beendet. Doch die Suche nach einer dauerhaften Lösung sollte dem Verband in den nachfolgenden Jahren noch viel Arbeit bescheren.

Zaku feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum

Die Zentrale Organisation für Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri (Zaku) feiert heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum. Am 10. Juni 2016, genau fünfzig Jahre nach der Gründung, werden die Jubiläums-Generalversammlung und ein Fest für geladene Gäste stattfinden. Einen Tag später ist die Urner Bevölkerung am Tag der offenen Tür in der Eielen eingeladen, die Zaku und ihre Geschichte näher kennen zu lernen. Dazu dient auch eine Ausstellung zur Geschichte der Abfallverwertung im Kanton Uri, realisiert von Christof Hirtler. Im Vorfeld der Jubiläumsfeier werden in der «Neuen Urner Zeitung» in loser Folge einige Meilensteine der Zaku-Geschichte behandelt.

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