KANTON: Grosseinsatz für Neat-Sicherheit

Im Juni erlebt Uri mit der Eröffnung der Neat die grösste Feier aller Zeiten. Das erfordert besondere Massnahmen – sogar der Luftraum wird eingeschränkt.

Markus Zwyssig und Anian Heierli
Drucken
Teilen
Mit über 200 Stundenkilometern rauscht ein Testzug durch den neuen Gotthard-Basistunnel. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Mit über 200 Stundenkilometern rauscht ein Testzug durch den neuen Gotthard-Basistunnel. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Markus Zwyssig und Anian Heierli

Die aktuelle Nachrichtenlage und die jüngsten Ereignisse in Belgien zeigen, dass die Bedrohung durch terroristische Anschläge allgegenwärtig ist. Hellhörig geworden sind Sicherheitsleute diesbezüglich auch für die Eröffnungsfeierlichkeiten der Neat. «Der terroristischen Bedrohungslage müssen wir auch in der Schweiz Beachtung schenken», sagt Gusti Planzer, Mediensprecher der Urner Polizei. In der Lagebeurteilung werde dieses Risiko mit einbezogen. Nach Einschätzung des Nachrichtendiensts des Bundes sei die Schweiz weiterhin kein prioritäres Ziel dschihadistischer Terroristen. «Es liegen dem Nachrichtendienst derzeit keine konkreten Hinweise auf Drohungen vor, die gegen die Eröffnungsfeierlichkeiten des Gotthard-Basistunnels beziehungsweise einzelne Teilnehmer oder Delegationen gerichtet sind.» Für die Feierlichkeiten im Tessin und in Uri werde die sichtbare Polizeipräsenz aber erhöht, die Aufklärung intensiviert und die polizeiliche Kontrolltätigkeit verstärkt.

Merkel und Hollande erwartet

Eines ist gewiss: Uri hat noch nie derart grosse Festivitäten mit so viel Prominenz erlebt. Nach dem offiziellen Eröffnungsakt am 1. Juni wird an den Publikumsanlässen vom 4. und 5. Juni den erwarteten 50 000 bis 100 000 Besuchern an beiden Enden des Tunnels ein vielfältiges Programm geboten. Der Kanton Uri ist bezüglich Sicherheit insbesondere am 1. Juni gefordert. Am offiziellen Staatsakt werden rund 1200 geladene Gäste erwartet, darunter die Regierungschefs von Deutschland (Merkel), Italien (Renzi), Österreich (Faymann), Frankreich (Hollande) und Liechtenstein (Hasler) sowie sämtliche Verkehrsminister Europas und Repräsentanten der Europäischen Union. Derzeit laufen die Vorbereitungen in punkto Sicherheit auf Hochtouren.

Da die Feierlichkeiten beidseits des Gotthards stattfinden, ist eine enge Zusammenarbeit der Kantone Tessin und Uri notwendig. Aus diesem Grund haben die beiden Kantone den gemeinsamen Führungsstab Sicherheit eingesetzt. Er hat engen Kontakt mit den Organisatoren der Feierlichkeiten. «Die Sicherheit der Gäste und der Besucher wie auch der Mitwirkenden hat oberste Priorität», sagt Gusti Planzer. Konkrete Angaben zu Sicherheitskonzepten und Massnahmen kann er aber nicht machen, da sie deren Wirkung beeinträchtigen könnten. Aus sicherheitstaktischen Gründen kann die Polizei auch keine Auskunft darüber erteilen, wie viele Beamte im Einsatz stehen. Klar ist aber: Die Einsatzkräfte der Kantonspolizeien Uri und Tessin reichen nicht aus – obwohl man sich der Bedeutung der Neat-Eröffnung durchaus bewusst ist. Während der personalintensiven Zeit haben nämlich die Polizeikorps von Uri wie auch Tessin eine Feriensperre angeordnet.

Auch Armee angefragt

Bei den Feierlichkeiten arbeiten unter der Leitung des Führungsstabs Sicherheit Angehörige von kantonalen Polizeikorps, die SBB-Transportpolizei sowie verschiedene Dienste des Bunds, zum Beispiel das Bundesamt für Polizei (Fedpol), zusammen. Zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und für Personen- und Objektschutz stellen im Rahmen eines interkantonalen Polizeieinsatzes mehrere Kantone personelle und materielle Mittel zur Verfügung. Zudem ist Unterstützung der Armee beantragt.

Der Bundesrat hat Einschränkungen für den Luftraum über den Örtlichkeiten der Festivitäten im Tessin und in Uri erlassen. Der zivile Luftverkehr darf den Luftraum, sofern im Voraus angemeldet und identifiziert, weiterhin durchfliegen. «Nötigenfalls werden luftpolizeiliche Massnahmen gemäss internationalen Regeln und Vorgehensweisen angeordnet und durchgeführt», sagt Planzer. Von Einschränkungen betroffen sind auch Helikopter, Gleitschirme, Drohnen oder Modellflugzeuge.

Vieles erst kurzfristig bekannt

Die Besuche der prominenten Gäste werden über das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten geregelt. Dabei geht es um die Organisation, Betreuung und Anreise. Für die Sicherheit der Personen während ihres Aufenthalts sind die Kantone zusammen mit dem Sicherheitsdienst des Bundes verantwortlich. «Erfahrungsgemäss ist bei ausländischen Würdenträgern erst kurz vorher bekannt, wie die Gäste anreisen», sagt Polizeisprecher Planzer. «Die Planung der Sicherheit muss deshalb alle Möglichkeiten berücksichtigen.» Die Vorbereitungen für den entsprechenden Einsatz laufen schon seit geraumer Zeit und gehen nun in die Detail- und Endphase. Vor der Feier müssen an den Feststandorten bauliche Massnahmen inklusive Abschrankungen realisiert werden.

Das Uvek steuert 2 Millionen bei

Die Feierlichkeiten zur Eröffnung der Neat kosten rund 12,5 Millionen Franken. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat sich bereit erklärt, Kosten von bis zu 2 Millionen Franken zu übernehmen. Dabei geht es um Sicherheitskosten, die den polizeilichen Grundauftrag übersteigen, namentlich den Einsatz von Sicherheitskräften aus anderen Kantonen. Der Beitrag des Uvek versteht sich als Total für beide Kantone. Die Kosten für Eigenleistungen der Kantone wie Planungsarbeiten des Führungsstabs Sicherheit und der Einsatz der kantonalen Polizeimittel verbleiben bei den Kantonen. 

Rynächtstrasse wird gesperrt

Auch die Urner Bevölkerung wird bei der Neat-Eröffnung verschiedene Einschränkungen zu spüren bekommen. So muss am 1. Juni, dem Tag der grossen Neat-Eröffnungsfeier, aus Sicherheitsgründen die Rynächtstrasse kurzzeitig zwischen Schattdorf und Erstfeld gesperrt werden. Der Verkehr wird zwischen Flüelen und Erstfeld über die Autobahn A 2 umgeleitet. 
Während der Publikumsanlässe am 4./5. Juni dient das Schwerverkehrszentrum (SVZ) in Erstfeld als PW-Parkplatz für Besucher. Zwischen dem SVZ und den Festplätzen im Rynächt sowie beim Depotareal/EIZ in Erstfeld wird ein Shuttlebusbetrieb eingerichtet.

Der Rekordtunnel steht im Fokus

Mit dem Bau des Gotthard-Basistunnels der Neat zwischen Erstfeld und Bodio schreibt die Schweiz Geschichte. Am 1. Juni wird der mit 57 Kilometern längste Eisenbahntunnel der Welt im Beisein des Gesamtbundesrats sowie von Staats- und Regierungschefs aus den Nachbarländern und aus weiteren europäischen Staaten eröffnet. Im Vorfeld dieses Grossanlasses publiziert die «Neue Urner Zeitung» in loser Folge Beiträge, die den Bau des Jahrhundertwerks aus Urner Sicht beleuchten. Den Anfang machte Mineralienaufseher Peter Amacher (siehe unsere Zeitung vom Samstag). Diesmal geht es ums Thema Sicherheit.