KANTON: Jugendförderung wird bestärkt

In Uri gibt es bereits heute ein breites Angebot zur Kinder- und Jugendförderung. Bisher fehlte dafür aber die rechtliche Verankerung. Das soll sich jetzt ändern.

Markus Zwyssig
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Die Gemeinden beteiligen sich aktiv an der Kinder- und Jugendförderung wie hier im Jugendlokal Schattdorf. (Archivbild Florian Arnold)

Die Gemeinden beteiligen sich aktiv an der Kinder- und Jugendförderung wie hier im Jugendlokal Schattdorf. (Archivbild Florian Arnold)

Die Regierung hat ein klares Ziel vor Augen: «Uri soll als ausgesprochen kinder- und jugendfreundlicher Kanton wahrgenommen werden», sagt Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg. Bereits heute habe die Kinder- und Jugendförderung in den Gemeinden und beim Kanton einen wichtigen Stellenwert. «Was bisher gefehlt hat, ist eine rechtliche Abstützung der verschiedenen Aktivitäten», so Jörg. Ohne eine solche Grundlage würde die Kinder- und Jugendpolitik auf längere Frist auf wackligen Beinen stehen. Daher soll der Kanton Uri nun ein Kinder- und Jugendförderungsgesetz erhalten. Der Landrat berät am 27. Januar darüber.

SVP möchte schlankeres Gesetz

In der Vernehmlassung ist das neue Kinder- und Jugendförderungsgesetz auf ein weitgehend positives Echo gestossen. Angefragt wurden Gemeinden, Parteien, Fachstellen für Jugendfragen, Jugendorganisationen und Verbände. Mit wenigen Ausnahmen wird die Vorlage von den Vernehmlassenden begrüsst und als angemessen beurteilt. Die Parteien sind mehrheitlich damit einverstanden. Einzig die SVP wünscht sich ein schlankeres Gesetz und möchte daher einzelne Artikel streichen.

Das neue Gesetz soll Zweck, Zuständigkeiten, Organisation, Aufgaben und Finanzierung der ausserschulischen Kinder- und Jugendförderung regeln. Der Erlass ist bewusst offengehalten. Er lehnt sich stark an das entsprechende Gesetz des Kantons Obwalden an. Beat Jörg ist es dabei wichtig festzuhalten, dass das Gesetz keine direkten finanziellen Auswirkungen hat. «Sowohl dem Kanton als auch den Gemeinden werden keine Aufgaben übertragen, welche diese nicht schon bisher ausgeführt haben», sagt er. Das Gesetz sichere aber das, was man bisher im Bereich Kinder- und Jugendförderung erreicht habe.

Uri profitiert vom Bund

Unterstützung gibt es auch vom Bund. 2013 trat das Bundesgesetz über die Förderung der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Kraft. Demnach kann der Bund den Kantonen befristet Finanzhilfen für kantonale Programme im Bereich Aufbau und Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpolitik gewähren. Auch Uri hat beim Erarbeiten der rechtlichen Grundlagen von finanzieller Unterstützung profitiert.

Mit Fragen der Kinder- und Jugendförderung befassen sich im Kanton Uri insbesondere die Bildungs- und Kulturdirektion sowie die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion. So hilft seit zwanzig Jahren die Abteilung Kulturförderung und Jugendarbeit (im Amt für Kultur und Sport) bei der Koordination und Weiterentwicklung der ausserschulischen Kinder- und Jugendförderung massgebend mit. Die Fachstelle Kindesschutz Uri, die der Abteilung Schulpsychologischer Dienst angegliedert ist, bietet Unterstützung, wenn Eltern, Jugendleiter, Lehrer, Ärzte oder andere Privatpersonen vermuten, dass ein Kind oder ein Jugendlicher vernachlässigt, misshandelt oder sexuell ausgebeutet wird. Die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion (Gsud) bearbeitet im Bereich der Kinder- und Jugendförderung Familien- und soziale Fragen im Kindes- und Jugendalter. Sie ist weiter zuständig für die Gesundheitsförderung und Prävention. Die Gsud hat mit externen Fachstellen Programmvereinbarungen abgeschlossen, die den ausserschulischen Bereich direkt betreffen. Darunter fallen der Verein Gesundheitsförderung Uri für die Führung der Fachstelle Gesundheitsförderung und Prävention und die Beratungsstelle Kontakt Uri (Jugend-/Elternberatung, Suchtberatung). Eine Vereinbarung wurde auch mit der Stiftung Papilio (bis 2015 Gemeinnützige Gesellschaft Uri) für die familienergänzende Kinderbetreuung, sozialpädagogische Angebote, Notunterbringung Kinder und Jugendliche und Fachstelle Familienfragen abgeschlossen. Schliesslich besteht seit 2009 die Fachkommission Gesundheitsförderung und Prävention. Sie befasst sich ebenfalls mit Kindern und Jugendlichen.

Kanton mit Vorreiterrolle

«Wenn der Kanton Projekte unterstützt, ist das wie ein Gütesiegel. Es ist dann einfacher, weitere Gelder von Gemeinde, Stiftungen oder Dritten zu erhalten», ist Beat Jörg überzeugt.

In den Jahren 2009 bis 2013 unterstützte der Kanton 64 Projektgesuche mit insgesamt 228 208 Franken. Im Durchschnitt wurden jedes Jahr 46 000 Franken an private und öffentliche Akteure und Institutionen ausgeschüttet. Das meiste Geld stammt aus dem Lotteriefonds. Nicht eingerechnet sind die Beiträge des Bundes sowie Kinderschutz- und Jugendmedienschutzkampagnen.

Markus Zwyssig

Das wird den Jugendlichen heute alles geboten

Kanton MZ. Die meisten Urner Gemeinden unterstützen die ausserschulische Kinder- und Jugendförderung. So leisten 17 Gemeinden finanzielle Beiträge oder stellen Lokalitäten und Freizeitinfrastrukturen zur Verfügung. Generell am meisten unterstützt werden Infrastrukturen (Räume, Spielplätze, Einrichtungen), gefolgt von Vereinsbeiträgen und Anlässen. Vereinzelt werden auch Angebote und Projekte wie Ferien(s)pass und Jugendtheater unterstützt. Das geht aus einer Umfrage hervor, welche die Bildungs- und Kulturdirektion durchgeführt hat.

Spezifische Kommissionen
Ein Ressort Kind/Jugend gibt es in elf Gemeinden, meist zusammen mit dem Ressort Soziales. In Altdorf gibt es auf Verwaltungsebene zudem ein Stellenpensum (20 Prozent) für Fragen zur Kinder- und Jugendförderung. Kinder- und Jugendkommissionen oder Präventivkommissionen gibt es in Altdorf, Andermatt, Bürglen, Erstfeld, Flüelen, Schattdorf, Seedorf, Silenen und Unterschächen. Erstfeld, Unterschächen und Silenen haben neue Kinder- und Jugendkommissionen eingesetzt. In einzelnen Gemeinden wird die Gemeindekanzlei als Jugendanlaufstelle bezeichnet. Ferner treffen sich Gemeindevertreter des Ressorts Jugend immer wieder am runden Tisch, um über Jugendfragen zu diskutieren.

Kinder-, Erlebnis- und Freizeitspielplätze sind in allen Gemeinden vorhanden. Sie ergänzen das Angebot der Sport- und Pausenplätze in den Schulanlagen. Viele Gemeinden haben in Kinderspielplätze investiert. Sie haben zudem Pausenplätze neu gestaltet und Erlebnisanlagen geschaffen.

Elf Gemeinden führen Jugendtreffs
Jugendvereine gibt es in zehn Urner Gemeinden. Auch Sport- und Kulturvereine übernehmen eine wichtige Lead-Funktion. Offene Jugendarbeit und Jugendtreffs gibt es in organisierter Form in elf Gemeinden: in Altdorf, Andermatt, Bürglen, Erstfeld, Flüelen, Schattdorf, Seedorf, Silenen, Unterschächen und Wassen. Seelisberg und Emmetten betreiben den Jugendtreff zusammen.

«Midnight Point» ist ein Erfolg
13 Gemeinden führten zwischen 2008 und 2014 das Projekt TIP-Uri (mobile Jugendarbeit für Toleranz, Intervention, Prävention) durch. Ende 2014 lösten die Gemeinden die einfache Gesellschaft aufgrund finanzieller Probleme und fachtechnischer Differenzen auf. 2015 initiierten die Gemeinden Altdorf und Flüelen ein neues gemeinsames Projekt «Mobile Jugendarbeit». Die Hauptaufgabe ist eine offene Jugendarbeit. Zwischen den Gemeinden Altdorf und Flüelen und dem Kanton Uri bestehen Leistungsvereinbarungen. Auch andere Gemeinden können später auf Gesuch hin Leistungen einkaufen und sich beteiligen.

Die Jugendseelsorge Uri ist zuständig für die Beratung von Pfarreien, Institutionen, Vereinen und Gruppen bei religiösen Jugendaktivitäten. Sie ist Hauptträgerin des Projekts «Momänt – Suchtprävention in Urner Jugendverbänden». Der Verein Urner Ferien(s)pass führt jeweils alle zwei Jahre im Oktober in den Herbstferien ein breites Angebot für Kinder und Jugendliche durch. Midnight Point Uri ist das grösste ausserschulische Angebot in der offenen Jugendarbeit Uri. Es läuft seit vier Jahren erfolgreich in der Kollegi-Turnhalle in Altdorf. Zudem startete im März 2015 auch das Projekt Midnight Sports Urserntal. Der Verein Politcast Uri sensibilisiert Jugendliche für Politik, berichtet regelmässig über das politische Geschehen in Uri.