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KANTON: Landratspräsident Schillig: «Einige verstehen ihr Amt nicht»

Der neue Landratspräsident Christoph Schillig will den Finger auf einen effizienten Landrat legen, trotzdem aber für eine offene Diskussion sorgen. Er denkt über eine spezielle Integrationsidee nach.
Florian Arnold
Christoph Schillig will möglichst viele Einladungen wahrnehmen. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 20. Juni 2017))

Christoph Schillig will möglichst viele Einladungen wahrnehmen. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 20. Juni 2017))

Interview: Florian Arnold

redaktion@urnerzeitung.ch

Nach Annalise Russi (2008) ist mit Christoph Schillig am Mittwoch wieder ein Mitglied der Grünen Uri zum Landratspräsidenten gewählt worden. Im Interview mit unserer Zeitung verrät Schillig, wie es um seine Partei, das Image des Landrats und den Kanton Uri steht.

Christoph Schillig, muss man einfach den Grünen beitreten, wenn man Landratspräsident werden will?

Vielleicht. Es war aber vor vier Jahren eine Fraktionsfrage und keine Parteifrage, wer ins Landratsbüro gehen soll.

Sie sind im Parlament der einzige Grüne. Nun verzichten Sie auf die Debatte.

Für die Debatten bin ich zwar ausgeschaltet, aber ich werde öffentlich wahrgenommen. Das ist für uns sicher auch gut. Und vielleicht habe ich das Glück, einen Stichentscheid zu fällen.

Wer vertritt denn nun die grünen Ansichten?

Die SP und die Grünen sind sich sehr nahe. Es gibt sogar SP-Vertreter, die sich in gewissen Punkten vehementer für grüne Anliegen einsetzen.

Grüne Themen boomen. Wieso geht es Ihrer Partei nicht besser?

Einige Themen, die man vor 20 Jahren ausschliesslich den Grünen zugeschoben hat, werden heute von fast allen Parteien bearbeitet. Das macht es schwierig für die Grünen, Leute abzuholen. Junge könnte man am ehesten für den Natur- und den Umweltschutz begeistern.

Warum tun das die Grünen Uri nicht?

Die Partei ist im Stand-by-Modus. Es fehlen Leute. Ich habe mich aber ohnehin nie als Parteimensch gesehen und war persönlich noch nie an einer Sitzung der Grünen. Aber durch mein Amt kann ich vielleicht als Nebeneffekt der Öffentlichkeit aufzeigen, dass man auch als Grüner vernünftige Politik machen kann. Das Amt ist für mich aber definitiv kein Propaganda-Instrument für die Grünen.

Ihre Wiederwahl in den Landrat war ungewiss. Was hätte das für Sie bedeutet?

Ich musste damit rechnen. Aber es hätte mich natürlich gewurmt, denn dadurch wäre es mir verwehrt worden, Landratspräsident zu werden.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich darauf, die Vielfalt des Kantons Uri kennen zu lernen. Ich stelle mir das Jahr wie eine farbige Landschaft vor, die ich entdecken kann.

Und was macht Ihnen Sorgen?

Es kann Momente geben, in denen es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Und ich hoffe, dass ich neben den vielen Terminen weiterhin die Eishockeymatches in Ambri besuchen kann.

Sie haben ein Repräsentationsamt inne. Wie werden Sie mit den Hunderten Ein­ladungen umgehen?

Ich werde alle wahrnehmen, die ich kann. Für mich ist das Repräsentieren eine Pflicht, aber auch ein Dürfen.

Entspricht Ihnen denn das Händeschütteln und Cüpli-Trinken?

Ich gehöre definitiv nicht zur Cüpli-Trinker-Fraktion. Da ziehe ich ein Bierchen oder ein Wasser vor. Und auch das Händeschütteln ist nicht unbedingt mein Ding. Ich bin nicht derjenige, der im Mittelpunkt stehen und grosse Reden schwingen will.

Aber Reden werden Sie oft halten müssen.

Ich handhabe es gleich wie im Landrat: Meine Reden sollen kurz, prägnant und pointiert sein.

Was werden Sie anders machen als Ihre Vorgänger?

Ich möchte eine sehr offene Diskussion hinbekommen, aber gleichzeitig versuchen, effizient zu sein.

Können Sie durchgreifen, wenn jemand zu sehr ausschweift?

Ich habe mir vorgenommen, jemanden auch mal zu ermahnen, auf den Punkt zu kommen. Ich möchte verhindern, dass zweimal dasselbe gesagt wird, nur weil jemand ein Votum schon vorbereitet hat.

Was werden Sie als Präsident speziell machen?

Ich habe mir überlegt, für die Integration etwas zu tun. Vielleicht könnten einmal Einbürgerungswillige den Landrat besuchen.

In Ihrer Antrittsrede legten Sie den Fokus aufs Vertrauen. Glauben Sie, dieses stimmt momentan nicht?

Wir haben eine gute Kultur, wenn ich unser Parlament mit anderen vergleiche. Aber zwischen Landrat und Regierung dürfte das Vertrauen grösser sein, was nicht heisst, dass man nicht kritisch bleiben soll. Fragen nach dem Warum und dem Wieso sind wichtig. Wenn man Vertrauen hat, ist das auch ein Zeichen von Stärke. Der Landrat muss selbstbewusster werden.

Und wie steht es ums Vertrauen der Bürger in den Landrat?

Da haben wir ein Imageproblem, was man an der Abstimmung zur Nebenamtsverordnung gemerkt hat. Daran müssen wir arbeiten. Die Landräte müssen fürs Volk ansprechbar sein.

Eine Aufgabe für den Landratspräsidenten. Wie gehen Sie diese an?

Indem ich die Einladungen wahrnehme. Ich werde nicht meine Reden halten und wieder verschwinden, sondern mit den Leuten ins Gespräch kommen.

Wie schätzen Sie die Qualität des Landrats ein?

Wir hatten einige sehr gewichtige Abgänge, die nicht sofort ersetzt werden konnten. Die frischen Landräte mussten zuerst aufblühen und die altgedienten ihre Verantwortung noch mehr wahrnehmen. Wir haben gute Leute dabei aus verschiedenen Berufsgattungen. Aber dadurch, dass wir die Nebenamtsverordnung nicht angepasst haben, kommt für potenziell sehr gute Landräte ein Amt oft nicht in Frage.

Die Qualität könnte also besser sein?

In gewissen Punkten. Einige Landräte verstehen die Aufgabe ihres Amtes nicht recht. Dabei ist unsere Aufgabe klar: Wir sind primär keine Gemeindevertreter, sondern haben zum Wohl für den Kanton Uri zu schauen und haben die Oberaufsicht über die Regierung. Zudem ärgern mich Situationen, in denen wir über Dinge diskutieren müssen, die mit einem Telefonat an die Kantonsverwaltung geklärt werden könnten. Da werde ich versuchen, den Finger darauf zu haben.

Und wie steht es um die Qualität der Regierung?

Mein Gefühl ist positiv. Ich glaube, das Gremium ist sehr dynamisch unterwegs. Und das neue Regierungsprogramm kommt gut daher.

Besteht dieses denn nicht vor allem aus Worthülsen?

Natürlich ist vieles vage formuliert. Aber es zeigt, dass um Positionen gerungen werden musste. Und für uns ist es natürlich gut, wenn wir den Regierungsrat auf ein Papier behaften können.

Was wird den Rat während Ihres Präsidialjahres am meisten beschäftigen?

Auf uns kommen Energiethemen zu. Fürs Kantonsspital haben wir eine Spezialkommission eingesetzt, der es hoffentlich gelingt, das Projekt zu lenken. Wir müssen schauen, dass die Finanzen im Lot bleiben. Die Aufgabenüberprüfung der Kantonsverwaltung wird uns noch länger beschäftigen als nur ein Jahr.

Sie beraten Menschen in Krisensituationen. Was raten Sie dem Kanton Uri zurzeit?

Optimistisch zu sein und an sich zu glauben und Ruhe zu bewahren. Hauruckaktionen brauchen wir nicht, sondern Konzepte für die Entwicklung in Uri. Finanziell steht Uri unter Druck wegen der Wasserzinse und des NFA. Und wir müssen dem Föderalismus Sorge tragen, auch zur Erhaltung der Demokratie.

Von Elektriker zu Sozialpädagoge

Zur Person Der 49-jährige Christoph Schillig ist in Bürglen aufgewachsen und absolvierte eine Elektrikerlehre, ehe er sich berufsbegleitend in Sozialpädagogik weiterbildete. Er arbeitete lange Zeit im Behindertenbereich und ist seit elf Jahren bei der Beratungsstelle Kontakt Uri beschäftigt. Schillig wohnt in Flüelen, ist verheiratet und ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Er war Mitglied des Kritischen Forums Uri. Für die Grünen Uri wurde er 2012 in den Landrat gewählt. (zf)

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