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KANTON: Markus Züst: Rücktritt eines hartnäckigen Kämpfers

WOV, SVZ, AfBN: Mit Abkürzungen wie diesen hat sich Markus Züst in der Urner Politik verewigt. Ein Rückblick auf das Schaffen des abtretenden Baudirektors.
Florian Arnold
Markus Züst machte sich einen Namen als guter Rhetoriker und Debattierer. (Bild Urs Hanhart)

Markus Züst machte sich einen Namen als guter Rhetoriker und Debattierer. (Bild Urs Hanhart)

Florian Arnold

Er gilt als hartnäckig und guter Rhetoriker, kompetent und klug. Nun tritt mit Markus Züst (64) ein markanter Politiker aus dem Urner Regierungsrat zurück, der sich vor allem auch mit heiklen und umstrittenen Themen ein Profil gegeben hat. Ein Blick auf sein Schaffen.

Herausforderung kommt sofort

2004 wird Markus Züst im ersten Wahlgang in die Urner Regierung gewählt. Als ehemaliger Staatsanwalt sehen ihn viele in der Justizdirektion – doch man traut Züst auch die grossen Herausforderungen der Baudirektion zu, die sich für die kommenden Jahre anbahnen. Dass der Kanton Uri 2005 aber von einem Hochwasser geschockt würde, konnte niemand erahnen. Das Industrieareal Schattdorf versinkt im Wasser, es entsteht ein Schaden von mehreren hundert Millionen Franken. Noch im selben Jahr wird das Hochwasserschutzprogramm lanciert. Kostenpunkt: 160 Millionen Franken. Doch die Urner stehen klar hinter dem Vorhaben, das am 16. April mit einem grossen Fest abgeschlossen werden konnte.

20 Arbeitsplätze geschaffen

Einen seiner grössten politischen Erfolge feiert Züst 2008 mit dem Aufbau des neuen Amts für Betrieb Nationalstrassen (AfBN). Der Kanton Uri ist fortan zuständig für den Unterhalt der A 2 und der A 4 zwischen Airolo und Beckenried respektive zwischen Flüelen und Küssnacht: ein Riesenauftrag. Es entstehen 20 zusätzliche Arbeitsstellen in Uri, 130 sind es insgesamt.

Nur ein Jahr später wird ein weiterer Bundesauftrag in den Kanton Uri geholt: In Erstfeld entsteht das Schwerverkehrszentrum Ripshausen, das grösste Schweizer Kontrollzentrum für Lastwagen. Auch hier werden rund 50 neue Arbeitsplätze geschaffen. Kein Wunder, wird der Baudirektor 2010 glanzvoll zum Landammann gewählt.

Danach folgen Jahre, die Züst vor allem eines abverlangen: Überzeugungskraft und Durchhaltewillen. Züst macht sich stark für den neuen Richtplan, der auch die West-Ost-Verbindung, die «Schächenspange», enthält. Der Baudirektor nimmt an 15 Kerngruppensitzungen und über 30 Infoveranstaltungen teil, ehe die Urner am 18. Oktober 2015 das OK für den Bau der neuen Strasse geben. Beim Abstimmungskampf um eine zweite Röhre am Gotthard muss sich Züst eingestehen, dass seine Überzeugungskraft Grenzen hat. Im Februar 2016 sagen die Schweizer, aber auch die Urner deutlich Ja – trotz Züsts Engagement für ein Nein.

Snee bleibt einzigartig

Ebenfalls viel Durchhaltevermögen ist nötig für die Verhandlungen rund um das Schutz- und Nutzungskonzept Erneuerbare Energien (Snee). Schliesslich sagen der Landrat sowie die Korporationen Uri und Ursern Ja zu dem schweizweit einzigartigen Konzept.

Trotzdem hinterlässt Züst mit seinem Abgang auch unvollendete Projekte. Die Vorarbeiten für den Um- und Neubau des Kantonsspitals Uri sind jedoch abgeschlossen. Und Züst legte bereits auch den Grundstein für den Kantonalbahnhof Altdorf, für dessen Bau die SBB die Führung übernehmen werden. Im Sommer wird zudem am Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri in Altdorf gebaut. Nicht abgeschlossen sind die Konzessionsvergaben für die Wasserkraftprojekte am Schächen und am Alpbach.

Die Weggefährtin

«Er hat mich zur Politik gebracht»
12 Jahre war sie für die SP im Landrat. Gleichzeitig mit dem Baudirektor legt nun auch Züsts Altdorfer Parteikollegin Kathrin Möhl ihr politisches Mandat nieder. «Markus Züst war der Hauptgrund, weshalb ich mich für den Landrat beworben habe», blickt sie zurück. «Ich wollte schon absagen, dann hat er mich überzeugt, wie wichtig das Amt sei und wie interessant die Arbeit sein könne.»
Die Überzeugungskraft von Züst schätzt sie denn auch sehr. «Er scheut keine Mühe und geht offen auf die Bevölkerung und auch auf seine Gegner zu», sagt Möhl. «Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er sich geradezu darauf freute, den Troubleshooter zu sein und den Diskurs mit Kritikern zu managen.»
Für Kathrin Möhl ist Züst alles andere als ein distanzierter Regierungsrat. Auf diese Weise sei es ihm gelungen, auch schwierige Geschäfte wie etwa die West-Ost-Verbindung durchzubringen.
Zweifelsohne verabschiedet sich eine wichtige Persönlichkeit der Urner SP von der Politik. «Auch wenn er nicht der Einzige ist, der in der SP etwas macht, hat die Bevölkerung vor allem durch ihn mitbekommen, was die SP alles leistet», so Möhl. «Markus Züst war eine herausragende Persönlichkeit auch innerhalb des Regierungsrats», hält Möhl fest. «Er hat über die Direktionen hinweg gedacht. Manchmal habe ich Bedenken, ob auch in Zukunft so sein wird.»

Der Gegenspieler

«Er war ein Taktierer»
Als Mitte-rechts-Politiker war Ruedi Cathry nicht immer einer Meinung mit Markus Züst. Trotzdem hat der Schattdorfer FDP-Landrat aber die Zusammenarbeit mit dem Baudirektor geschätzt. «Markus Züst war für mich ein absolut kompetenter, dossiersicherer, engagierter und kämpferischer Regierungsrat», sagt Cathry. «Aber es liegt auf der Hand, dass wir nicht immer alles gleich gesehen haben.» Dies allerdings auf einer sachlichen Ebene. «Es konnte sein, dass wir uns im Landratssaal bekämpft haben und dann in der Kaffeepause wieder gemütlich miteinander geplaudert haben.»
Züsts Parteizugehörigkeit habe für ihn nie eine Rolle gespielt, betont Cathry. «Uns Landräten wurde oft nachgesagt, dass wir uns je nach Regierungsrat, der die Geschäfte vertritt, anders verhalten würden. Für mich war das aber nie so», betont Cathry. «Für mich stand immer die Sache im Vordergrund.»
Cathry hat sogar Bewunderung für Züst übrig: «Es war beeindruckend, wie Züst immer bis zum Schluss gekämpft hat, auch wenn ihm ein starker Wind entgegenblies.» Dabei habe Züst auch Bauernschläue bewiesen. «Markus Züst war sicher ein Taktierer, der versucht hat, Entscheidungsträger auf seine Seite zu ziehen.» Dafür sei er auch zu Kompromissen bereit gewesen, wie etwa die WOV-Vorlage zeigte. «Wir verlieren mit Markus Züst eine starke Persönlichkeit im Regierungsrat», so Cathry. «Diese Lücke zu schliessen, wird nicht ganz einfach sein.»

Der Freund

«Er hat auch eine sensible Seite»
Hansjörg Felber ist ein langjähriger Freund von Markus Züst. Nachdem sie früher im Gemeinderat Altdorf politisierten, treffen sie sich heute zum Skifahren und Hallenfussball: «An einem gemeinsamen Skitag schwadronieren wir über Gott und die Welt.» Das müsse nichts mit Politik zu tun haben. Doch Züst sei ein «animal politique». An seinem Kollegen habe er immer den Optimismus und sein Beharrungsvermögen bewundert. «Wenn er sich ein Ziel gesetzt hat, wird es konsequent und gradlinig verfolgt.» Auch im privaten Umfeld wird gerne diskutiert. «Er argumentiert gut», sagt Felber mit einem Schmunzeln. «Da hat man keinen leichten Stand.»
Gerade Züsts Hartnäckigkeit habe auch zu Enttäuschungen geführt, was man öffentlich eher weniger wahrgenommen habe, sagt Felber. «Gegen aussen mag er immer cool wirken. Aber Markus Züst hat auch eine sensible Seite.» Diese zeige sich auch in einem starken Gerechtigkeitsempfinden. «Er ist ein sehr sozialer Mensch. Es setzt ihm zu, wenn er sieht, dass etwas einseitig zum Nachteil von gewissen Personen oder Gruppen läuft.»
Felber hätte sich Züst in Bern vorstellen können. «Aber er ist ein Exekutivmensch. In der Regierung konnte er sicher mehr bewirken, als wenn er im eidgenössischen Parlament gewesen wäre.» Nun von der Exekutive Abschied zu nehmen, sei nicht leicht. «Aber er wird sicher gut ins bürgerliche Leben zurückfinden.»

Der Sekretär

«Er ging mit gutem Beispiel voran»
Als Generalsekretär der Baudirektion hat Tino Tarelli Markus Züst als direkten Vorgesetzten erlebt. «Markus Züst war einer, der viel von seinen Mitarbeitern verlangt hat», sagt Tarelli. «Er ist selber mit gutem Beispiel vorangegangen.» Es sei grosses Vertrauen spürbar gewesen, «und er hat kritisch nachgefragt und wollte genau wissen, welche Auswirkungen das haben würde», so der Generalsekretär.
Der Baudirektor habe in seiner Amtszeit Generationenprojekte angestossen. «Wenn man Teil von diesen Projekten sein kann, macht einen das stolz.» So hätten denn die Mitarbeiter sehr gerne für Züst gearbeitet, «und zwar über alle Hierarchiestufen hinweg», betont Tarelli. Gleichzeitig habe sich Züst aber auch auf nationalem Parkett ohne Probleme bewegt. «Es war eindrücklich, wie gut vernetzt er war und wie er mit Bundesräten wie Doris Leuthard oder Moritz Leuenberger umgegangen ist.»
Als einzigen «‹Tolggä› im Reinheft» nennt Tarelli die Nutzungsvergabe des Stollens Ripshausen. «Plötzlich stand er vor Filzvorwürfen, gegen die er immer gekämpft hat», so Tarelli. «Später haben sich die Vorwürfe zum Glück als unhaltbar herausgestellt.»
Nun erhalten Tarelli und sein Team einen neuen Chef. Der Wechsel beunruhigt den Generalsekretär aber nicht. «Wir sind von der Organisation und der Kultur her, die in der Direktion gepflegt wird, sehr gut aufgestellt. Roger Nager kann ohne ‹Leichen im Keller› anfangen.»

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