Kanton Uri öffnet lizenzfreien Computerprogrammen ein Türchen

Im Informatik-Leitbild bezeichnet sich der Kanton Uri neu als IT-Mischbetrieb. An der gängigen Praxis dürfte sich aber wenig ändern.

Hören
Drucken
Teilen
Bei Datenbanken kommt «Open Source» teilweise schon zum Einsatz.

Bei Datenbanken kommt «Open Source» teilweise schon zum Einsatz.

Christian Beutler, KEYSTONE

Lizenzgebühren für Computerprogramme kosten den Kanton Jahr für Jahr einen schönen Batzen Geld. Eine Alternative dazu bietet sogenannte Open-Source-Software. Dabei handelt es sich um Programme, bei denen der Quellcode öffentlich ist. Somit hat der Anwender die Möglichkeit, sich von den Entwicklern unabhängig zu machen und die Programme selber zu verändern oder zu reparieren. Kurt Gisler (CVP, Altdorf) war es ein Anliegen, dass der Kanton diese Alternative für seine IT-Betriebe prüft. Sein Postulat hatte der Landrat am 10. April 2019 gegen den Willen der Regierung überwiesen.

Aus dem nun vorliegenden Bericht des Regierungsrats geht hervor, dass der Kanton die IT-Strategie neu ausrichten will, jedenfalls ein bisschen: Das überarbeitete Leitbild sieht vor, dass man beim Kanton künftig auf einen sogenannten Mischbetrieb von Open-Source-Software und Standard-Programmen setzen will. Der völlige Systemwechsel bleibt aber aus.

In seinem Bericht stützt sich der Regierungsrat auf die «Potenzialanalyse Open-Source-Software» der Stadt Bern. «Die Ähnlichkeit der Verwaltungsaufgaben lässt vergleichbare Schlüsse zu, ohne dass eine eigene, kostenaufwendige Analyse erarbeitet werden müsste», schreibt der Regierungsrat.

Open Source nicht zwingend günstiger

Die Potenzialanalyse zeigt auf, dass ein kompletter Umstieg auf Open Source nicht zweckmässig wäre, wenn man die Grundsätze Funktionalität, Stabilität und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Bei der bernischen Stadtverwaltung machen die Lizenzkosten gemäss Bericht 14 Prozent der IT-Kosten aus. «Diese Einsparungen werden relativiert durch die notwendigen Supportverträge mit Open-Source-Fachleuten.»

Kurt Gisler war mit folgenden fünf Fragen an die Regierung gelangt.

  • Welches Potenzial sieht der Regierungsrat in der Nutzung von Open-Source-Software im Einflussbereich des Kantons?
  • Ist der Regierungsrat bereit, die Förderung des Einsatzes von Open-Source-Software in die IT-Strategie aufzunehmen?
  • Ist der Regierungsrat bereit, für die Förderung des Einsatzes von Open-Source-Software Massnahmen umzusetzen?
  • Ist der Regierungsrat bereit eigene Software-Entwicklungen, bei denen der Kanton das Urheberrecht besitzt, grundsätzlich als Open-Source-Software freizugeben?
  • Welche Möglichkeiten sieht der Regierungsrat dafür zu sorgen, dass an der Volksschule prioritär Open-Source-Software zum Einsatz kommt?

Aus der Antwort der Regierung geht hervor, dass der Kanton weiterhin das grösste Potenzial bei der Beschaffung von Standard-Programmen sieht. «Die Lizenzkosten von Standard-Software sind in den meisten Fällen tiefer als für Software, die speziell auf die Urner Bedürfnisse zugeschnitten werden, auch wenn diese auf Open Source basiert.» Der Regierungsrat streicht auch das gegenüber Standard-Programmen erhöhte Risiko für einen zuverlässigen und sicheren IT-Betrieb hervor. Im Bereich der Office-Anwendungen habe sich die Microsoft-Welt durchgesetzt und weiter:

«Der Kanton Solothurn und die Stadt München wagten in der Vergangenheit, ihre Betriebssysteme auf Linux umzustellen und sind mit grossen finanziellen Aufwendungen gescheitert.»

Der Regierungsrat hält aber auch fest, dass jeder Fall einzeln beurteilt werden müsse. So kommen bereits heute teilweise Open-Source-Software beim Kanton zum Einsatz, etwa bei Datenbanken. Deshalb habe man das Leitbild entsprechend überarbeitet.

Aufbau von Know-how birgt Risiken

Zur Frage der gezielten Förderung von Open Source verweist die Regierung auf das Systemwissen der Endanwender aber auch der Informatiker, das bei Standard-Programmen wesentlich tiefer ausfalle als bei Open Source. «So reizvoll der Aufbau von Know-how im Open Source auch wäre, ist die Gefahr der Verzettelung von Ressourcen enorm gross», schreibt diese.

Die Frage nach der Freigabe von kantonalem IT-Urheberrecht stellt sich laut der Regierung nicht, da der Kanton keine alleinigen Urheberrechte an Programmen besitze.

Weder der Erziehungsrat noch der Regierungsrat erachten es als zielführend, wenn der Kanton den Volksschulen, deren Träger die Gemeinden sind, vorschreibt, welches Betriebssystem diese zu verwenden haben.

Gestützt auf den Bericht beantragt der Regierungsrat dem Landrat, an der Session vom 28. Januar 2020 den Bericht zur Kenntnis zu nehmen und als materiell erledigt abzuschreiben.

Landrat Kurt Gisler freut sich, dass mit dem Bericht das Thema «Open Source» diskutiert wurde. «Einige der im Bericht beschriebenen Massnahmen gehen in die richtige Richtung. Trotzdem vermisse ich den ernsthaften Willen», sagt er gegenüber unserer Zeitung. Man werde im Landrat weiterhin auf das nicht ausgeschöpfte Potenzial hinweisen. Aus dem Bericht werde nämlich klar, dass das Amt für Informatik als Trittbrettfahrer beim Einsatz von erfolgreichen Open-Source-Technologien agiere. Gisler sagt:

«Das Thema ist daher noch nicht vom Tisch. Es wurde im Gegenteil gerade erst angestossen.»
Mehr zum Thema

Kanton soll mit lizenzfreien Computerprogrammen Geld sparen

Landrat Kurt Gisler möchte, dass die Regierung die Chancen von sogenannten Open-Source-Programmen erkennt und diese fördert. Er sieht darin eine Möglichkeit, in Uri Arbeitsplätze zu schaffen und das Image des Kantons aufzubessern.
Florian Arnold