KANTON: Preiskampf unter den Urner Käsern

Die neue Alpkäserei Urnerboden AG verkauft ihren Alpkäse günstiger als erwartet. Die lokale Konkurrenz spricht nun sogar von gebrochenen Vereinbarungen.

Anian Heierli
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Der Käse der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten kostet 25 Franken pro Kilogramm (links), jener der Alpkäserei Urnerboden AG 23 Franken. (Bild: Florian Arnold)

Der Käse der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten kostet 25 Franken pro Kilogramm (links), jener der Alpkäserei Urnerboden AG 23 Franken. (Bild: Florian Arnold)

Wer in der Migros-Filiale Urnertor einkauft, läuft im Eingangsbereich an einer Vitrine mit Käsespezialitäten vorbei. Hier stechen einem sofort Produkte der neuen Alpkäserei auf dem Urnerboden ins Auge – allen voran der mittelreife Alpkäse mit schwarzem Stierlogo. Hingegen sucht man vergebens nach dem Konkurrenzprodukt der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten. Deren Käse befindet sich versteckt weiter hinten in der Migros ganz oben in einem Regal.

Franz Furrer fühlt sich übergangen

Doch die beiden Alpkäse werden in der Migros nicht nur anders angepriesen, sondern auch zu unterschiedlichen Preisen vermarktet. So kostet der Käse der Alpkäserei Urnerboden 23 Franken pro Kilogramm, jener der Genossenschaft 25 Franken. «Wegen dieses deutlichen Preisunterschieds von 2 Franken werden wir unseren Alpkäse schwerer los», sagt Franz Furrer, Geschäftsführer der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten. Er fühlt sich etwas übergangen. «Im Vorfeld hat man mehrmals vereinbart, sich gegenseitig nicht mit dem Preis zu konkurrenzieren», sagt er. Das habe man sogar schriftlich festgehalten. Darüber hinaus vermarkte nun auch Coop den Käse der Alpkäserei Urnerboden günstiger.

Bedenken wegen Subventionen

Tatsächlich äusserten Mitglieder der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten bereits vor und während des Baus der neuen Alpkäserei ihre Angst vor einem drohenden Preiskampf. Auch weil das Projekt ordentliche Subventionen erhielt. So unterstützte der Landrat die Alpkäserei mit 571 000 Franken. Und für das Investitionsdarlehen des Bundes übernahm der Kanton Uri eine Bürgschaft von 400 000 Franken.

Damals gab jedoch Toni Gisler, Verwaltungsratspräsident der Alpkäserei Urnerboden AG, Entwarnung: «Wir wollen unseren Alpkäse künftig nicht zu Dumpingpreisen verschleudern, sondern die Wertschöpfung steigern. Das haben wir auch in den Verhandlungen mit den Grossverteilern betont», sagte Gisler im September 2012 gegenüber unserer Zeitung. Er war zuversichtlich, dass es auf dem Markt Platz für sämtliche Urner Produzenten geben würde.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Der Markt scheint ausgeschöpft. Bisher wurden in Uri jährlich rund 200 000 Tonnen Alpkäse produziert. «Mit der neuen Alpkäserei sind es künftig 20 bis 30 Prozent mehr», versichert Othmar Zgraggen, Präsident der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten. «Der Verkauf harzt bei uns schon jetzt. Wir hoffen, dass wir unser Lager trotzdem bis zum Frühling leer bekommen.»

Dafür müsse man aber eine neue Strategie ins Auge fassen. Ihm schwebt vor, bei den Grossverteilern weitere Regionen in der Schweiz abzudecken, bei denen das Urner Konkurrenzprodukt der neuen Alpkäserei nicht verkauft wird. Zudem will Zgraggen neue Abnehmer finden. Er spricht von kleineren Verkaufsstellen. «Das ist wegen des Ladensterbens aber keine leichte Aufgabe», sagt er. Es gebe heute schon immer weniger kleine Abnehmer.

Trotz des umkämpften Markts hat sich die Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten seit der Gründung 1996 gemausert. Der Gedanke hinter dem Projekt: die Produkte vieler kleiner Käseproduzenten zu bündeln und zu stärken. Davon sollen vor allem auch Bauern profitieren, deren Betriebe und Alpen in touristisch weniger genutzten Regionen liegen. Gerade die Anfangsjahre waren für die Genossenschaft schwierig. Man kämpfte unter anderem mit dem stetig fallenden Milchpreis. «Dennoch haben wir unseren Käse bis heute erfolgreich etabliert und sind ihn immer losgeworden», sagt Zgraggen. «Jetzt kommt aber sicher vermehrt Arbeit auf uns zu.»

«Nie einen fixen Preis vereinbart»

Toni Gisler, selber Älpler und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der neuen Alpkäserei Urnerboden AG, betont, dass ein Preiskampf niemals beabsichtigt gewesen sei. «Unser Ziel ist es sicher nicht, andere Urner Bauern zu unterbieten. Anderseits hat man aber auch nie einen fixen Verkaufspreis für die Grossverteiler vereinbart», so Gisler. Er wisse auch nicht, ob die Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten ihren Käse teurer an die Grossverteiler verkaufe. «Letztlich entstehen die Preise fürs Regal bei der Migros und bei Coop.» Beispielsweise habe man unterschiedliche Verpackungsunternehmen. Möglicherweise entstünde ein Teil des Unterschieds auch dort.

Migros schweigt

In Sachen Preispolitik hält sich die Migros Luzern bedeckt. «Die Preise zwischen dem Produzenten, dem Käsehändler und uns sind Verhandlungssache und unterliegen dem Geschäftsgeheimnis», sagt Sprecherin Antonia Reinhard. Der Verkaufspreis in den Filialen hänge aber tatsächlich nicht nur vom Produzenten ab, sondern auch vom jeweiligen Käsehändler, der die Produkte portioniert verpacke und etikettiere.