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KANTON: Regierung will Gotthard-Bergstrecke langfristig sichern

Für die Bedienung der Bergstrecke ab 2018 soll eine Lösung gefunden werden. Die Urner Regierung prüft auch eine Kandidatur zur Aufnahme ins Unesco-Welterbe.
Philipp Zurfluh
Auf der Bergstrecke soll es auch nach der Neat- Eröffnung gute Zugverbindungen geben. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Auf der Bergstrecke soll es auch nach der Neat- Eröffnung gute Zugverbindungen geben. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Für Betrieb und Unterhalt der Gotthard-Bergstrecke müssen die SBB pro Jahr rund 50 Millionen Franken aufwenden. Das wird in einer Antwort der Urner Regierung auf eine Kleine Anfrage des ehemaligen Landrats Paul Jans, (CVP, Erstfeld) deutlich. Die SBB seien aktuell damit beschäftigt, ein neues Unterhaltskonzept zu erarbeiten. Dieses wird dem künftigen Leistungsangebot und den stark reduzierten Zugsleistungen, zum Beispiel dem Wegfall des Güterverkehrs, angepasst: «Daraus ergibt sich laut Angaben der SBB ein Potenzial zur Reduktion der Kosten auf rund 30 Millionen Franken», hält die Regierung fest.

Bergstrecke als Ausweichstrecke

Nach Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels (GBT) verkehren sämtliche Güterzüge durch den neuen Basistunnel. Nur bei einer längeren Totalsperrung des GBT würde die Bergstrecke im Rahmen eines Notfahrplans für SBB Cargo zum Thema. Bisher seien noch keine Betriebsmittel oder Ressourcen für einen solchen Fall bereitgestellt worden, schreibt die Regierung. Als Ausweichstrecke diene wie bis anhin in erster Linie die Lötschbergachse. Zusätzliche Beiträge an die Unterhalts- und Betriebskosten würden für den Kanton Uri keine anfallen. Auf der Strecke würde im Fahrplan 2017 kein Regionalverkehr auf der Schiene verkehren, sondern weiterhin ein Fernverkehrsangebot, sodass der Kanton Uri keine Beiträge entrichten muss.

Für die Regierung ist klar: Die Bergstrecke muss unter allen Umständen erhalten bleiben. «Als Unesco-Welterbe würde sich eine einzigartige Chance bieten, die Bergstrecke touristisch attraktiv zu vermarkten», so die Regierung. Die Linienführung der Bahnlinie im Norden wie im Süden gelte als «technisches Wunderwerk der Ingenieurkunst».

Die Regierung verweist darauf, dass die Zweckmässigkeit der Bahninfrastruktur periodisch überprüft werden müsse, und deshalb kein langfristiges Erhaltungskonzept für die Gotthard-Bergstrecke formuliert werden könne. Die Regierung beruft sich auf den Bundesrat, der gestützt auf ein Postulat des Urner Ständerats Isidor Baumann 2014 einen Bericht zur künftigen Nutzung der Gotthard-Bergstrecke erstellte. Der Bundesrat sei der Ansicht, dass die Möglichkeit für eine Kandidatur als Unesco-Kulturerbe offengehalten werden soll. Die Regierung prüft mit den zuständigen Stellen Massnahmen zur Steigerung der Frequenzen auf der Gotthard-Bahnstrecke. Dazu gehöre auch das Studium der Machbarkeit einer allfälligen Welterbe-Kandidatur für die Strecke oder allenfalls der gesamten Verkehrs- und Kulturlandschaft am Gotthard.

Überkantonale Zusammenarbeit

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretungen des Bundesamtes für Verkehr, der SBB und den Kantonen Uri und Tessin beschäftigt sich mit dem Weiterbetrieb der Gotthard-Bergstrecke. Bislang konnte erreicht werden, dass sich die SBB Fernverkehr bis Ende 2017 weiterhin für den Vollbetrieb für die Strecke verantwortlich zeigen und ein Gesamtkonzept finanziert wird. Die genannte Arbeitsgruppe arbeite aktuell daran, eine gute Lösung für die Bedienung der Bergstrecke ab 2018 zu finden.

Pro Bahn: «Angebot ist unattraktiv und lieblos»

Am 11. Dezember geht der Gotthard-Basistunnel in den fahrplanmässigen Betrieb. Die Bahnfahrer sind dann schneller am Ziel. Die Reisezeiten verkürzen sich zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin sowie nach Italien um 25 bis 35 Minuten.

Diese Woche haben die SBB auch mitgeteilt, dass sechs EC/IC-Züge pro Tag – je drei pro Richtung – in Flüelen halten werden (siehe unsere Zeitung vom Donnerstag). Mit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels (GBT) erwarten sie eine deutliche Steigerung der Nachfrage auf der Nord-Süd-Achse Gotthard. Bis 2025 werden täglich rund 18 000 Reisende unterwegs sein, so die SBB. Das sind doppelt so viele wie heute.

Nachfrage sinkt markant

Hingegen wird sich nach der Prognose der SBB die Nachfrage auf der Gotthard-Bergstrecke von heute rund 9000 auf täglich 500 Passagiere markant verringern. Nach dem Fahrplanwechsel werden die Interregio-Züge aus Basel, Luzern und Zürich sowie die Regio-Express-Züge aus dem Tessin im Stundentakt bis Erstfeld und zurück fahren. In Zeiten starker Nachfrage soll es weiterhin Direktverbindungen aus Basel und Zürich bis Göschenen geben. Von April bis Oktober verkehrt an Wochenenden und Feiertagen der «Gotthard Weekender» von Zürich mit verschiedenen Halten auf der Panoramastrecke nach Bellinzona und zurück. Der Verein Pro Bahn Schweiz ist einerseits erfreut über die markante Verkürzung der Reisezeit in den Süden, andererseits übt er Kritik am Angebot auf der Gotthard-Bahnstrecke.

Obwohl es ein Angebot auf dieser Panoramastrecke gibt, zwingt es die Fahrgäste, in Erstfeld umzusteigen. Zudem ist Pro Bahn nicht erfreut darüber, dass auf der Strecke die Zugbegleitung fehlt. Zudem werde für den Preis eines Billetts in der ersten Klasse ein reduzierter Komfort geboten. «So ein Angebot kann nicht anders als unattraktiv und lieblos bezeichnet werden», teilt Pro Bahn Schweiz mit. Die Ansage, wonach einzelne Züge bis Göschenen weiterfahren oder an einzelnen Wochentagen von Zürich aus bis Bellinzona verkehren, seien nichts mehr als «kleine Trostpflästerchen».

Prognose ist nicht plausibel

Auch die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Schweiz ist von den SBB enttäuscht. Sie kritisieren das Umsteigen in Erstfeld. Die prognostizierten Frequenzen von 500 Personen auf der Bergstrecke seien viel zu tief angesetzt, ist die IG überzeugt.

Philipp Zurfluh

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