KANTON: Rektor hinterfragt alte Muster

Am Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri stehen grosse Veränderungen an. Der neue Rektor David Schuler sagt, wie er die Herausforderungen angeht.

Interview Florian Arnold
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Der neue Rektor David Schuler, hier im Gespräch mit Elektroinstallateur-Lehrlingen, will die Kommunikation des BWZ verbessern. (Bild Florian Arnold)

Der neue Rektor David Schuler, hier im Gespräch mit Elektroinstallateur-Lehrlingen, will die Kommunikation des BWZ verbessern. (Bild Florian Arnold)

Das Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Uri ist seit vergangenem Sommer das Reich von David Schuler. Am 1. August trat er die Stelle als Rektor an. Beruf und Schule – die ideale Kombination für den 41-jährigen Bürgler: Nach einer kaufmännischen Lehre absolvierte er das Lehrerseminar. Von 2008 bis 2011 liess er sich in Schulmanagement weiterbilden. Jetzt spricht er über erste Erfahrungen am BWZ und über das, was die Zukunft bringen wird.

David Schuler, sind Sie in Ihrem Traumjob angekommen?

David Schuler: Mir gefällt die Arbeit sehr, aber ich würde nicht von einem Traumjob sprechen. Denn dies würde bedeuten, dass ich machen kann, was ich will. Das geht hier nicht, ich habe einen Leistungsauftrag zu erfüllen. Das soll nicht heissen, dass es mir nicht gefällt – im Gegenteil. Wenn ich auf einem weissen Blatt Papier anfangen könnte, eine Schule zu zeichnen, würde sie wohl anders aussehen.

Sie haben das Erbe des langjährigen Rektors Walter Bachmann angetreten. Wie hat man Sie aufgenommen?

Schuler: Sehr gut. Es besteht eine grosse Hilfsbereitschaft, einem «Greenhorn» wie mir zu zeigen, wie es im BWZ läuft. Aber ich nehme mir auch die Freiheiten heraus, gewisse Dinge zu hinterfragen – selbst wenn es gut funktioniert. Denn dass etwas läuft, sagt noch wenig über die Qualität aus. Ich merke auch, dass man um gewisse Veränderungen froh ist. Jede Vergangenheit hat seine guten und seine verhärteten Teile. Es wird sich im BWZ wohl einiges verändern in den kommenden Jahren, sowohl von innen als auch von aussen getrieben.

Mit welchem Führungsstil packen Sie die Veränderungen an?

Schuler: Ich will mich nicht in einen Führungsstil hineindrängen lassen. Für eine Schule ist es unpassend zu sagen: «So handle ich und nicht anders». Alles, was ich als Führungsperson unternehme, soll dem Ausbildungserfolg dienen. Zwischendurch ist es nötig, viele Meinungen einzuholen. In anderen Momenten bestimme ich, ohne darüber zu diskutieren. Damit begibt man sich natürlich in ein Spannungsfeld. Denn eine Lehrperson will vor allem kreativ arbeiten und nicht straff geführt werden. Im Verwaltungsteil hingegen sind die Vorgaben klarer definiert.

Welche Ziele haben Sie?

Schuler: Der schulische Teil der Berufsbildung soll so aufbereitet werden, damit er kein Hindernis für die Lernenden wird. Es darf nicht sein, dass ein handwerklich begabter Lernender, der etwa Schreiner werden will, an der Schule scheitert, weil wir ihn zu wenig gefördert haben. Wir müssen pädagogisch fit genug sein, damit wir jemanden mit intellektuellen Defiziten an den Punkt bringen, dass er seine Ausbildung erfolgreich abschliessen kann. Daneben wird es ein Ziel sein, den personellen Wandel gut zu gestalten, der sich aus Pensionierungen ergibt.

Die grösste Herausforderung wird wohl die Phase, wenn die Schule saniert und ausgebaut wird.

Schuler: Ich sehe das nur als grosse Herausforderung an. Der Lead liegt beim Amt für Hochbau, mit dem wir sehr gut zusammenarbeiten.

Dann beeinträchtigen die Bauarbeiten die Schule keineswegs?

Schuler: Es wird sicher Lärm geben, und der Verkehr kann nicht mehr so flüssig zirkulieren wie bis anhin. Dieses Problem habe ich anfangs unterschätzt. Man muss wissen, dass pro Woche gut 800 Lernende zu Fuss, mit Velos, Rollern oder Autos hierher kommen. Der Unterricht selber sollte jedoch ohne grosse Probleme funktionieren, denn der Neubau wird bekanntlich ein eigenständiges Gebäude. Sobald dieser fertig ist, werden wir einen Teil der Schule in das neue Gebäude verschieben. Die Sanierungen werden dann hauptsächlich während der Ferien bewerkstelligt.

Wenn nicht der Umbau eine Herausforderung darstellt, wo liegt diese sonst?

Schuler: Schulen tun sich schwer mit der Kommunikation. Deshalb ist mir eine angemessene, transparente Kommunikation gegen innen und aussen wichtig. Wir sind eine öffentliche Schule, grösstenteils finanziert durch die Urner Bevölkerung. Die Öffentlichkeit will informiert sein. Nur so werden unsere Leistungen und unsere Bedürfnisse verstanden und auch in Zukunft unterstützt.

Wie gehen Sie das an?

Schuler: Wir müssen sicher die jetzigen Kommunikationskanäle überdenken und den Umgang mit den Medien klären. Ich kann mir zudem vorstellen, die Öffentlichkeit vermehr ins Haus zu holen.

Die Berufsbildung ändert sich ständig. Welche Trends erwarten Sie?

Schuler: Nach der aktuellen Durststrecke gehen wir von einem leichten Anstieg der Schülerzahlen aus. Sehr beliebt ist zurzeit die Lehre Fachangestellte Gesundheit. Dort können wir nächstes Schuljahr eine zusätzliche Klasse führen. Im Negativtrend liegt der Polymechaniker. Einerseits sind Ausbildungsplätze weggefallen und andererseits können Betriebe ihre Lehrstellen nicht besetzen. Im Allgemeinen ist ein aus meiner Sicht manchmal unangebrachtes Leistungsstreben festzustellen. Das KV, das nach wie vor sehr beliebt ist, wird öfters mit der Berufsmatura absolviert. Im Detailhandel wollen alle die EFZ-Ausbildung machen. Das Berufsattest EBA hat einen schlechten Ruf, obwohl es für einige Lernende der bessere Start wäre. Vielleicht gelingt es uns mit den Verbänden und der Bildungs- und Kulturdirektion, diesen Ruf aufzuwerten.