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Kanton soll mit lizenzfreien Computerprogrammen Geld sparen

Landrat Kurt Gisler möchte, dass die Regierung die Chancen von sogenannten Open-Source-Programmen erkennt und diese fördert. Er sieht darin eine Möglichkeit, in Uri Arbeitsplätze zu schaffen und das Image des Kantons aufzubessern.
Florian Arnold
In Uri sollen Open-Source-Programme auch an Schulen genutzt werden. (Bild: Schüler beim Programmieren eines Legoroboters, Keystone/Peter Klaunzer, November 2018)

In Uri sollen Open-Source-Programme auch an Schulen genutzt werden. (Bild: Schüler beim Programmieren eines Legoroboters, Keystone/Peter Klaunzer, November 2018)

Wer kennt die Geschichte nicht, vom Buben, der einen Radio geschenkt erhält: Statt damit Musik zu hören, schraubt er den Apparat auf und tüftelt so lange an den Kabeln und Kondensatoren herum, bis er die ganze Technik versteht. Später baut er seine eigenen Geräte.

Billiger als Windows und Apple

In der Welt der Computer­programme heisst der geschenkte Radio «Open Source», was mit «offene Quelle» übersetzt werden kann. Der sogenannte Quell-Code, also der Programmierungstext, steht der ganzen Welt offen. Die Programme dürfen selber abgeändert werden. Weltweit arbeitet auf diese Weise eine riesige Gemeinschaft von Software-Tüftlern – auf dem Markt gefragte Leute – an neuen Programmen und verbessert bestehende laufend. Und: Im Gegensatz zu Produkten von Windows oder Apple ist Open-Source-Software in aller Regel kostenlos.

Landrat Kurt Gisler sieht in Open Source eine grosse Chance für den Kanton Uri. Mit einem Postulat verlangt er nun, dass die Regierung aufzeigt, wie dies gefördert werden kann. «Bei Open Source kann man Programme nach eigenen Wünschen verändern und ist dadurch unabhängig von Entwicklern», erklärt Gisler. Solche Dinge seien wichtig, wenn ein Anwender das Heft selber in die Hand nehmen wolle. Dies soll beim Kanton passieren. Gisler möchte die Förderung von Open Source in der IT-Strategie des Kantons verankern. Potenzial macht er in Schulen und bei der kantonalen Verwaltung aus.

Es geht auch ohne Strichcode-Scanner

«Ich will den Kantonsangestellten nicht Word und Excel wegnehmen», betont Gisler. Er denkt aber daran, grössere Systeme zu ersetzen, die im Hintergrund laufen. Dazu zählen etwa Datenbanken, deren Lizenzen oft grosse Summen verschlingen.

Gisler macht ein Beispiel, wie Open Source in der Praxis aussehen kann: «In einem Warenlager schafft man sich einen teuren Strichcode-Scanner an und zahlt jährlich für die Lizenz des Computerprogramms. Oder man kann den Strichcode mit einem Handy fotografieren, der von einem gratis Open-Source-Programm verarbeitet wird.»

Interessante Arbeitsplätze schaffen

Der Altdorfer Landrat verheimlicht nicht: «Die Umstellung kostet natürlich Geld.» Externe Firmen damit zu beauftragen, die kostengünstigere Variante einzuführen, wäre allerdings falsch. «Man muss Fachwissen strategisch aufbauen, um längerfristig Geld zu sparen», so Gisler. «Auf diese Weise könnten im Kanton Uri interessante Arbeitsplätze und das Image eines modernen Kantons geschaffen werden.»

Die Sensibilisierung dafür soll schon in der Schule beginnen. «Heute wird man von früh auf durch die Windows- und Apple-Produkte geprägt.» Dadurch würden sich viele nicht trauen, später etwas anderes auszuprobieren. «Es braucht etwas mehr Wissbegierde, um diesen Schritt zu gehen.»

Schule Sisikon arbeitet mit günstigem Lernstick

Bereit, den Schritt zu wagen, war die Schule Sisikon, wie Gisler als Beispiel heranzieht. Dort wird seit längerem ein Lernstick benutzt. Das Bahnbrechende daran: Dieser Stick läuft auf ausrangierten Computern von Firmen, die alle vier Jahre neue Geräte anschaffen. Um zu arbeiten, braucht es auf dem Computer nicht einmal eine Festplatte – das ganze Betriebssystem ist auf dem Stick vorhanden. So müssen die Computer nicht gewartet werden – schlimmstenfalls wird der Stick ausgetauscht.

Stellt sich noch die Frage nach der Sicherheit – schliesslich sind die Systeme ja «offen für alle». Gelangt man so nicht viel einfacher an heikle Daten? «Das Gegenteil ist der Fall», betont Gisler. «Das Open-Source-Betriebssystem Linux wird viel weniger angegriffen. Viele benutzen nicht einmal ein Anti-Virus-Programm.» Durch die Offenlegung der Quell-Codes könne man heikle Komponenten erkennen, was bei den bezahlten Systemen nicht der Fall sei.

Ob Gislers Ideen Gehör finden, wird sich zeigen. «Der Einsatz von Open-Source-Software fördert die Wirtschaft, steigert die Qualität in der Bildung, vermindert die Abhängigkeit von konventionellen Software-Häusern und senkt langfristig die Kosten», schreibt er. «Die Politik muss da etwas anstossen.»

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