KANTON: Tanja Bissig will an der WM glänzen

Diese Woche nimmt Tanja Bissig an der Junioren-Weltmeisterschaft im Biathlon teil. Die Nachwuchshoffnung spricht über ihre Familie und den harten Trainingsalltag.

Anian Heierli
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Biathletin Tanja Bissig übt in der Realper Trainingsanlage für die WM. (Bild Anian Heierli)

Biathletin Tanja Bissig übt in der Realper Trainingsanlage für die WM. (Bild Anian Heierli)

Die Andermatterin Tanja Bissig gehört zu den grössten Schweizer Nachwuchstalenten im Biathlon. Die 19-Jährige startet diese Woche an der Junioren-Weltmeisterschaft in Presque Isle im US-Bundesstaat Maine. «Wenn die Tagesform stimmt, liegt sogar ein Podestplatz drin», so Bissig. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, in die Top 20 zu laufen.

Bereits WM-Bronze gewonnen

Bissig startet in drei Disziplinen. Im Sprint muss sie 7,5 Kilometer langlaufen und zweimal schiessen. Bei der Verfolgung und im Einzel sind es 10 respektive 12,5 Kilometer und jeweils viermal schiessen. «Falls meine Leistung gut genug ist, darf ich auch in der Dreierstaffel teilnehmen», erklärt das Nachwuchstalent. Im vergangenen Jahr hat sie an der Jugend-Weltmeisterschaft in der Staffel Bronze geholt.

Für ihre Leidenschaft Biathlon investiert Bissig immer 100 Prozent. Im Winter trainiert sie täglich. Jede Woche stehen rund 70 Kilometer Langlaufen auf dem Plan. Hinzu kommen Schiessen, Joggen und Krafttraining. «Jetzt – kurz vor der WM – habe ich nicht länger trainiert», sagt Bissig. «Nur härter.» So intensivierte die Athletin ihr Intervalltraining. Gemeint sind ständig wechselnde Belastungs- und Erholungsphasen. Dagegen achtet Bissig wenig auf ihre Ernährung. «Ich esse zwar gesund, zähle aber keine Kalorien.» Denn letztlich kann Gewicht im Biathlon auch ein Vorteil sein – und zwar, wenn es bergab geht.

Mit Selina Gasparin trainiert

Momentan freut sich Bissig über die Silbermedaille ihrer Kollegin Selina Gasparin an Olympia in Sotschi. «Ich kenne Selina gut. Wir trainieren manchmal zusammen. Für mich ist sie ein grosses Vorbild.» Kein Wunder also, verfolgt Bissig das gleiche Ziel. Auch sie will später für die Schweiz und Uri an Olympia starten. «Selina hat bewiesen, dass die kleine Schweiz mit grossen Konkurrenten wie Norwegen und Deutschland mithalten kann», so die Nachwuchsathletin. «Ihre Silbermedaille fördert das Image des Schweizer Biathlons.»

Doch Bissig gibt auch abseits der Loipe Gas. Sie besucht zurzeit die letzte Klasse am Sportgymnasium in Brig und will in diesem Sommer die Berufsmatura abschliessen. Anschliessend absolviert sie ein Praktikum bei der Gemeinde Andermatt. Falls es mit dem Spitzensport nicht hinhaut, ist Plan B die Ausbildung zur Physiotherapeutin. Doch im Moment spricht nichts gegen eine Biathlonkarriere. Bissig steht erst am Anfang ihrer Laufbahn. Denn im Gegensatz zu einigen anderen Sportarten, haben Biathleten nicht mit Mitte zwanzig ihren Zenit erreicht. Bestes Beispiel ist der 40-jährige Norweger Ole Einar Bjørndalen. Er hat bislang im Biathlon insgesamt acht olympische Goldmedaillen gewonnen – davon zwei aktuell in Sotschi.

Mutter und Vater helfen mit

Immer wieder betont Bissig, wie wichtig für sie das familiäre Umfeld ist. «Vermutlich wäre ich ohne die Unterstützung meiner Eltern und Schwestern nicht so weit gekommen.» Schon als Kind ist sie mit ihrer Mutter regelmässig auf die Langlaufski gestanden. Und heute trainiert sie ihr Vater im Schiessen. Hinzu kommt, dass alle Familienmitglieder an viele der Wettkämpfe als Fans mitreisen. «Das hilft, gerade wenn es mal nicht wie gewünscht klappt», erzählt Bissig.

«Nach Presque Isle fliege ich allein. Ich werde aber mit den Eltern telefonieren. Zudem sehen sie meine Leistung aktuell im Internet», sagt Bissig. Auch finanziell würde sie von den Eltern Unterstützung erhalten. Denn noch lebt die Andermatterin zu Hause. Hingegen kommt Swiss-Ski fürs Material und die Reisekosten auf. Allein das Gewehr kostet rund 6000 Franken, das sie dank Sponsoren finanzieren konnte. Doch jede Medaille hat auch ihre Kehrseite. «Manchmal beneide ich meine Gspändli, die am Wochenende in den Ausgang können», so Bissig. Da müsse sie sich halt etwas zurückhalten. «Hingegen erlebe ich durch den Sport einmalige Glücksmomente.»