KANTON URI: Amerikaner wird Rütli-Pächter

Der neue Hausherr auf dem Rütli heisst Mike McCardell. Der schweizerisch-amerikanische Doppelbürger wird ab 2015 die Touristen bekochen und im Bauernhof Hand anlegen.

Josias Clavadetscher
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Das legendäre Rütli-Gasthaus ist das Herz der historischen Wiese. (Bild: Keystone/Thedi Suter)

Das legendäre Rütli-Gasthaus ist das Herz der historischen Wiese. (Bild: Keystone/Thedi Suter)

In gut zehn Monaten wird Rütli-Pächter Edi Truttmann zurücktreten. Mehr als 20 Jahre lang war der Seelisberger auf dem Rütli tätig. In dieser Zeit erlebte er nicht nur diverse Umbauten an den historischen Gebäuden, sondern auch politische Turbulenzen rund um die Rechtsextremen am 1. August sowie grosse kulturelle Ereignisse wie die «Tell»-Aufführungen von 2004.

Auf den Urner Edi Truttmann folgt nun Mike McCardell (Bild). Der 34-Jährige ist in Kerns aufgewachsen, schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger und hat mütterlicherseits Wurzeln im urnerischen Bristen. McCardell will nach seinem Umzug aufs Rütli auch sein Korporationsbürgerrecht wieder ausüben.

Seine Kunden sind ETH und «Südpol»

McCardell ist diplomierter Koch und Hotelier-Restaurateur. Er ist momentan als Geschäftsführer der eigenen McCardell Events & Solutions GmbH mit Sitz in Kerns tätig. Diese ist 1999 gegründet worden und auf Catering, Eventmanagement und Vermietung von Gastro-Infrastruktur spezialisiert. Zu den Kunden gehörten zum Beispiel auch grössere Auftraggeber wie die Militärakademie der ETH Zürich oder der Musik-, Tanz- und Theaterbetrieb Südpol in Luzern. Auf dem Rütli allerdings möchte Mike McCardell, abgestimmt auf den Charakter des geschichtsträchtigen Orts, weiterhin eine «gute und ehrliche Küche» pflegen. Gerade auch mit Zutaten und Spezialitäten aus der Zentralschweiz.

McCardell wird auf dem Rütli nicht nur die Gäste bekochen, sondern auch den Bauernbetrieb führen. Denn das Bewirtschaften des Bio-Bauernhofes mit Kühen, Kälbern und Ziegen gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Rütli-Pächters. Zudem muss er auf der historischen Wiese ganz allgemein für Ordnung sorgen.

Der Neue soll nicht alles ändern

Nachdem der langjährige Pächter Ende 2013 die Kündigung eingereicht hatte, schrieb die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) als Rütli-Verwalterin die Stelle sofort aus. Das sei nötig gewesen, erklärt SGG-Geschäftsführer Lukas Niederberger, weil Bewerber aus der Gastronomie meist eine Kündigungsfrist von einem Jahr einhalten müssten. Auch Truttmann selber hatte eine einjährige Kündigungsfrist für das Rütli. Der Wir­tewechsel wird vorderhand keine baulichen Auswirkungen haben. Der neue Pächter solle sich zuerst einmal einarbeiten, sagte SGG-Geschäftsführer Niederberger. Danach könne man sich aber vorstellen, dass einige Maschinen ersetzt und die Betriebsabläufe optimiert werden müssen. Trotzdem sind schon jetzt die Handwerker im Rütli-Haus aktiv: Das Schindeldach muss repariert werden, es hat hineingeregnet.