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KANTON URI: Andermatt erlebte dank Skiclub Gotthard einen Aufschwung

Nach der Gründung des Skiclubs Gotthard wurden auch in Andermatt regelmässig Skirennen abgehalten, bei denen eine Spezialisierung der Disziplinen einsetzte. Die Finanzierung einer Sprungschanze in Andermatt gestaltete sich als echte Herausforderung.
Rolf Gisler-Jauch
Auf der Gotthardschanze waren auch norwegische Spitzenspringer dabei. Sie brachten neue Sprungtechniken ins Urserntal – eine angewinkelte Körperhaltung mit anliegenden Armen. (Bilder: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

Auf der Gotthardschanze waren auch norwegische Spitzenspringer dabei. Sie brachten neue Sprungtechniken ins Urserntal – eine angewinkelte Körperhaltung mit anliegenden Armen. (Bilder: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

Rolf Gisler-Jauch

redaktion@urnerzeitung.ch

Ein gutes Jahr nach seiner Gründung organisiert der SC Gotthard Andermatt Anfang Februar 1905 das erste offizielle Skirennen. Es ist ausschliesslich der Jugend vorbehalten. Sieben Jugendliche beteiligen sich am Dauerlauf (3 Kilometer) auf den Hügel der Mariahilf-Kapelle. Bei der jüngeren Kategorie sind 27 Knaben von 5 bis 15 Jahren auf Fassdauben und Skiern am Start. Es starten auch zwei Mädchen. Zudem findet noch ein Abfahrts- und Sprunglauf statt. Der weiteste Sprung beträgt 6.70 Meter.

Am Ende des Jahres organisierte der SC Gotthard dann zweitägige Skirennen für Junioren und Senioren. Am Samstag stand ein grosser Dauerlauf von 18 Kilometern auf dem Programm. In dieser Konkurrenz massen sich vor allem Festungswächter und Bergführer. Der Start erfolgte auf dem Nätschen, führte dann zum Oberalpsee und von dort auf den Calmot (2311 Meter über Meer). Das Ziel befand sich in Andermatt beim Grand Hotel Danioth. Das Rennen gewann in 2 Stunden 45 Minuten Bergführer Rudolf Bernet von Grindelwald, mit einem Vorsprung von sechs Minuten auf den einheimischen Wachtmeister Jakob Furrer.

Am Samstagnachmittag folgte das Schülerrennen über zwei und vier Kilometer sowie das Stilfahren für Damen und Herren. Hier traten auch die Hotelgäste in Aktion. Der erste Tag schloss mit einem feinen Bankett und einem Ball. Am Sonntagmorgen, an Silvester, wurde bei glatt gefrorener Bahn das Militärrennen mit Hindernissen über fünf Kilometer ausgetragen. Sieger wurde Wachtmeister Jakob Furrer. Nach dem Sprunglauf der Junioren am Vormittag folgte am Nachmittag der grosse Sprunglauf der Senioren. Der Skitag wurde mit dem Gotthard-Lauf abgeschlossen. Am Neujahrstag zog der Skiklub mit den Gästen über den Gotthard nach Airolo, um die Tage der Skirennen ausklingen zu lassen.

Sprung geht 34 Meter weit

Beim Grand-Hotel Danioth befanden sich drei Sprungschanzen. Bei der grössten betrug der Anlauf rund 20 Meter. Der aus Schnee erstellte Sprunghügel ragte rund einen Meter aus dem Terrain. Gesprungen wurde in aufrechter Haltung, mit den Händen wurde balanciert. Die Landung erfolgte rund zehn Meter tiefer. Die erste Sprungtechnik fand durch den norwegischen Skiinstruktor Leif Berg Verbreitung. Mit nicht allzu schnellem, geducktem Anlauf stiess man kraftvoll vom Schanzentisch ab. Im Flug war der Körper gestreckt und musste zu den Skiern einen rechten Winkel bilden. Die Hände wurden zum Balancieren benutzt. Diese Sprungtechnik verursachte einen starken Luftwiderstand. Beim ersten Springen an Silvester 1905 erreichte Leif Berg auf der Andermatter Sprungschanze eine Länge von 34 Metern. Die Norweger Jacob Tullin Thams (1898-1954) und Sigmund Ruud (1907-1994) entwickelten in den 1920er-Jahren einen neuen Stil, indem sie mit dem in den Hüften geknickten Oberkörper und weiter Vorlage eine Art Gleitflug erzielten. Diese aerodynamische Technik setzte sich bei der Sprungelite durch und erlaubte auf grossen Sprungschanzen bald Sprünge über die 70 Meter.

Schwierige Finanzierung der Sprungschanze

Im Sommer 1925, ein Jahr nach den ersten Olympischen Winterspielen in Chamonix (F), fand eine erste Begehung des Vorstands des Skiclubs Gotthard zwecks Rekognoszierung eines günstigen Platzes für die neue Sprungschanze statt. In den folgenden Jahren wurde die Finanzierung angegangen und ein Sprunghügelfonds gegründet, der durch freiwillige Beiträge sowie Verlosungen bereichert wurde. Die Finanzierung der 22'000 Franken teuren Anlage erwies sich als schwierig. An die Verwirklichung des Projekts konnte erst Anfang der 1930er-Jahre gedacht werden, als der Fond durch grosszügige auswärtige Schenkungen geäufnet wurde. Der Verkehrsverein Andermatt übernahm schliesslich das noch bestehende Defizit, und so kam der Klub endlich zu seiner lang ersehnten, schönen und schuldenfreien Sprungschanze. Das Eröffnungsspringen fand am 27. Dezember 1931 statt. Bald musste man jedoch feststellen, dass die Anlage in einem Lawinenhang gebaut worden war. Mehrmals wurde der Anlauf – sogar kurz vor einem Rennen – verschüttet.

Im Winter 1945 wurde der Sprungrichterturm durch eine Lawine zerstört und mit grossen Kosten ein demontierbarer Turm erstellt. Der Lawinenwinter 1951 riss den Sprungrichterturm erneut vollständig weg. Den Schanzenrekord stellte der Norweger Jean Amnes mit 69 Metern im Jahre 1952 auf. Nur einen halben Meter kürzer war die beste Schweizer Leistung auf der Sprungschanze von Andreas Däscher. Der letzte offizielle Sprunglauf fand 1966 anlässlich der Schweizer-Meisterschaften statt. 1970 wurde an der Gotthardschanze der Schanzentisch abgetragen. Heute erinnert nur noch der erkennbare Aufsprunghang an die einstige grosse Sprung-schanze in Andermatt.

Gotthardstrasse wird im Winter als Skipiste benutzt

Die Gotthardstrasse war dem Automobil erst seit 1906 geöffnet. Jährlich fuhren rund zwei- bis dreihundert Automobile über den Pass. Die einheimischen Motorfahrzeuge waren bis zum Ersten Weltkrieg noch an einer Hand aufzuzählen. Im Winter konnte die Gotthardstrasse deshalb mit der Vorsicht vor Pferdeschlitten als Skipiste benutzt werden.

1910 wurde im mittleren Reusstal auf der Kantonsstrasse von Wassen nach Amsteg ein Ski-Dauerlauf über elf Kilometer ausgetragen. Gestartet wurde morgens auf dem Dorfplatz in Wassen. Das Damen- und Jugendrennen ging vom Restaurant Schäfli in Intschi nach Amsteg über drei Kilometer. Das Wettschlitteln wurde in Intschi gestartet. Es waren Bob, Hornschlitten, Zweier- und Einerschlitten zugelassen. Es gab zahlreiche Preise im Gesamtbetrag von 250 bis 300 Franken zu gewinnen.

An den fünften Grossen Skirennen der Schweiz, die 1909 erstmals in Andermatt ausgetragen wurden, stand auch ein «Slalom» auf dem Programm. Dies war ein Novum in der Schweiz. Das Wort stammt aus dem norwegischen slalåm und ist ein zusammengesetzter Begriff aus den Wörtern sla (kleiner Abhang) und låm (Schleppspur, schmaler Weg). Zwar hatte diese Disziplin mit dem späteren Slalom der Engländer nichts zu tun, doch zeichnete sich im frühen Skisport eine Tendenz ab, die Ski vor allem auch in der Abwärtsbewegung einzusetzen. Bei dieser Zickzack-Fahrt nach norwegischem Muster galt es, unter Miteinbezug von natürlichen Geländeformen drei Traversen mit schwierigen Geländeteilen, eine Spitzkehre und einen Bogen in einer Zeitfahrt hinter sich zu bringen.

Bei der Entwicklung des Rennsports kam nun nebst Norwegern und Österreichern mit den Briten eine dritte Nation ins Spiel. Der Engländer Arnold Lunn (1888-1974) gilt als Skipionier und initiierte 1911 das erste Rennen mit einer grossen Abfahrt von der Wildstrubelhütte nach Crans-Montana. In der 1921 am Lauberhorn durchgeführten englischen Meisterschaft wurde dann nur noch die Abfahrt ausgetragen. Der Alpin-Sport sagte sich von den nordischen Disziplinen los.

Im Gegensatz zu den nordischen Disziplinen Langlauf und Skispringen fehlten die alpinen Skidisziplinen an den ersten Olympischen Winterspielen. Auch bei der Gründung des Internationalen Skiverbands 1924 war vorerst nur die norwegische Tradition des Skilaufens vertreten. Die neuen alpinen Disziplinen Slalom und Abfahrt wurden erst 1930 am Skikongress in Oslo anerkannt und 1936 an den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen eingeführt.

Frauen dürfen sich anfänglich nicht Schweizer-Meisterin nennen

Ab den 1930er-Jahren wurde in Andermatt als wahrscheinlich erste alpine Disziplin die Gütsch-Abfahrt ausgetragen. Anfang Februar 1934 war Andermatt Gastgeber der 28. Schweizerischen Skirennen für Damen und Herren. Nebst den traditionellen nordischen Disziplinen, Langlauf und Sprunglauf sowie der Abfahrt war auch der von Arnold Lunn normierte, allerdings noch weit gesteckte Slalom Bestandteil des Programms. Gab es bis anhin den Schweizer-Meistertitel nur in der Viererkombination, so wurde diese erstmals auch in den einzelnen vier Disziplinen vergeben. Nicht so jedoch bei den Damen. Diese waren zwar in der Abfahrt, im Slalom und in der Kombination startberechtigt. Die Siegerin aller Disziplinen, Niny von Arx-Zogg aus Arosa, durfte sich jedoch noch nicht Schweizer-Meisterin nennen. Für Damen wurde die Vergabe des Schweizer-Meistertitels erst durch die Delegiertenversammlung 1935 beschlossen.

Der erfolgreichste Urner Skisportler der Zwischenkriegszeit war der Andermatter Ady Gamma. 1939 wurde er in Unterwasser Schweizer-Meister in der Viererkombination. Auch bei internationalen Rennen wartete er mit guten Resultaten auf und war oftmals bester Schweizer. Die Hospenthalerin Antoinette Meyer (1920-2010) war mehrfache Schweizer-Meisterin und holte sich an den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz die Silbermedaille im Slalom.

Filmaufnahmen
Der Flüeler Bäckermeister Jonas Büeler (1891-1944) hat von den Schweizer-Meisterschaften in Andermatt 1934 und von den Skirennen in Unterschächen 1935 Filmaufnahmen gedreht. Die Filme wurden im Auftrag des Staatsarchivs Uri restauriert. Kurze Ausschnitte können auf der Webseite des Staatsarchivs Uriwww.staur.cheingesehen werden.

Ab den 1930er-Jahren wurden am Nätschen auch alpine Disziplinen ausgetragen. (Bild: Staatsarchiv Uri)

Ab den 1930er-Jahren wurden am Nätschen auch alpine Disziplinen ausgetragen. (Bild: Staatsarchiv Uri)

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