KANTON URI: Automaten nehmen bald die Post an

In Uri zeichnen sich weitere Schliessungen von Poststellen ab. Beschlossen ist aber noch nichts. Die Post sucht das Gespräch mit dem Kanton und den Gemeinden.

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Die Poststelle in Spiringen schloss im April 2016. (Bild: Elias Bricker (Spiringen, 18. Dezember 2015))

Die Poststelle in Spiringen schloss im April 2016. (Bild: Elias Bricker (Spiringen, 18. Dezember 2015))

Dass es in jeder Gemeinde eine Poststelle gibt, gehört längst der Vergangenheit an – und der Druck auf die noch bestehenden wächst. Das E-Mail verdrängt den Brief – an den Schaltern ging die Briefpost in den vergangenen 15 Jahren um 63 Prozent zurück. Erst vergangene Woche fanden Gespräche zwischen der Post, den Gemeinden und dem Kanton statt, wie unserer Zeitung zugetragen wurde. «Wir sind in den Dialog getreten, um die Bedürfnisse des Kantons und der Gemeinden aufzunehmen», erklärt Stefan Kriz, Leiter Verkaufsgebiet Zentralschweiz bei der Post.

Er streitet nicht ab, dass es auch in Uri bald weitere Schliessungen – oder wie er es bezeichnet «Umwandlungen» – von Poststellen geben wird. «Zurzeit befinden wir uns aber in einem Vernehmlassungsverfahren. Wir warten zunächst die Rückmeldungen aus den Gemeinden ab, bis ein Entscheid fällt», so Kriz.

Bis im Jahr 2020 soll es in der ganzen Schweiz total nur noch 800 bis 900 traditionelle Poststellen geben. Heute sind es rund 1400. Die Summe der sogenannten Zugangsmöglichkeiten soll sich aber nicht ändern, sondern tendenziell eher vergrössern. «Die Post wird in Zukunft ersatzlose Schliessungen von traditionellen Poststellen vermeiden. Sie stellt in jedem Fall alternative Lösungen zur Verfügung», so Kriz. Neben den Agenturen, die heute im Kanton Uri schon in diversen Dorfläden untergebracht sind, könnte es bald schon unbediente Zugangsmöglichkeiten geben, wie Kriz verrät. An so genannten My-Post-24-Automaten könnten Pakete rund um die Uhr aufgegeben und abgeholt werden. «Es sind Lösungen gefragt, die für den Kunden viel flexibler sind, weil er nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden ist.»

Mit Sozialplänen vorbereitet

Doch verdrängen die Automaten nicht Arbeitsplätze? «Es braucht an der Front sicher weniger Personal, doch wir brauchen die Leute an anderen Orten – beispielsweise in der Administration», sagt Kriz. Sollte es dennoch zu Personalabbau kommen, werde man dies «so sozialverträglich wie möglich gestalten», versichert er. «Wir versuchen, das mit natürlicher Fluktuation und Pensionierungen aufzufangen. Bei möglichen Entlassungen können wir auf sehr gute Sozialpläne zurückgreifen», so Kriz.
Und wie wird die weniger technikaffine Generation auf die Automaten reagieren? «Ich stelle fest, dass die älteren Leute technikaffiner sind, als wir sie manchmal sehen wollen», sagt Kriz. Die Post sei aber auch bemüht darum, mit gut geschultem Personal der Kundschaft bei der Bedienung solcher Gerätschaften in der Anlaufzeit behilflich zu sein.

«Es ist nachvollziehbar, dass die Post nach zeitgemässeren Angeboten sucht», sagt Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind. «Oberste Priorität muss dabei ein gut funktionierendes Netz sein, damit der Service public gewährleistet ist.» Wichtig ist für ihn, dass sich die Gemeinden bei der Umgestaltung des Postsystems einbringen können. Der Kanton übernehme eine Koordinationsrolle. «Es ist wichtig, dass man beginnt, über die Gemeindegrenze hinaus zu denken und nach Lösungen für ganze Regionen zu suchen», so Camenzind. Bei den Gesprächen diese Woche seien aus den Gemeinden viele innovative Ideen entwickelt worden, erzählt Camenzind. «Uns ist aber bewusst, dass wir kein rechtliches Mitspracherecht haben», weiss er. Deshalb seien solche Verhandlungen umso wertvoller.

«Die Ideen aus den Gemeinden nehmen wir sehr ernst», sagt Stefan Kriz. Die Entscheidungskompetenz liegt jedoch bei der Post. Entscheide können aber bei der Postcom, der unabhängigen Regulierungsbehörde im Postmarkt, angefochten werden.