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KANTON URI: Eine rebellische Kosovarin in der SVP

Donika Wyrsch fühlt sich nicht als typische Albanerin. Seit bald 20 Jahren lebt sie in Uri und hat einen Flüeler SVPler geheiratet. Ihre Meinung: «Man muss die Schweizer Kultur annehmen.»
Franziska Herger
Donika Wyrsch-Dani mit ihrem gültigen Schweizer und dem ungültigen serbischen Pass. (Bild: Franziska Herger (Flüelen, 19. Juli 2017))

Donika Wyrsch-Dani mit ihrem gültigen Schweizer und dem ungültigen serbischen Pass. (Bild: Franziska Herger (Flüelen, 19. Juli 2017))

Franziska Herger

redaktion@urnerzeitung.ch

Auf dem Küchentisch von Donika Wyrsch-Dani in Flüelen liegen zwei Identitäten: der rote Schweizer Pass und der blaue serbische mit gestanzten Löchern, der schon lange ungültig ist. Die Albanerin ist sich das Leben zwischen zwei Welten gewohnt. Sie wuchs als Teil der katholischen Minderheit im muslimischen Kosovo auf, in einem Dorf, wo Serben und Albaner Tür an Tür wohnten.

Heute ist sie mit einem Schweizer verheiratet – und SVP-Mitglied. «Am Anfang hatte ich schon Bedenken, dass mein Freund in der SVP ist», sagt Wyrsch. «Ich dachte auch nie, dass ich einen Schweizer heiraten würde. Mein Vater hat es mir zuerst gar nicht geglaubt.»

«Es kam gar nichts Negatives»

In Flüelen habe es ein Gerede gegeben. Donika Wyrschs Mann Ralph, der vor der Hochzeit im Jahr 2016 für den Landrat kandidierte, schüttelt nur den Kopf. «Manche neckten mich, ob das denn gehe für mich, eine Albanerin zu heiraten.» Er war aber selber nicht ganz sicher, wie seine Parteikollegen reagieren würden. «Ich war überrascht, es kam gar nichts Negatives.» Donika nahm an immer mehr SVP-Veranstaltungen teil und trat schliesslich selber bei. Ein Widerspruch zu ihrer Herkunft? Nein. «Die SVP ist gegen Ausländer, die sich nicht integrieren», so die 24-Jährige. «Damit bin ich einverstanden. Man muss bereit sein, die Schweizer Kultur anzunehmen.»

Doch bei allem Integrationswillen waren es albanische Werte, die Donika Wyrschs Jugend prägten. «Eine typische Albanerin soll zu Hause bleiben, kochen und putzen», erklärt sie und lacht: «Aber ich war nie eine typische Albanerin.» Dass sie als jüngstes von sechs Geschwistern als Erste in der Familie einen Schweizer heiratete, sei kein Zufall gewesen. «Ich war schon immer ein Rebell. Klar, ich wollte den Familienstolz nicht verletzen. Aber ich wollte auch nichts verpassen.»

Angst, von der Familie verstossen zu werden

Als sie mit 19 Jahren mit einem Muslim zusammenkam, verschwieg Wyrsch die Beziehung vor ihrer Familie. «Ich wusste, ich spiele hier mit einer grossen Regel. Ich hatte Angst, dass sie mich verstossen könnten.» Die Beziehung scheiterte, ihre Familie erfuhr alles. «Sie gaben mir noch eine Chance», erinnert sich Wyrsch, «ich musste nicht gehen, durfte zu Hause bleiben.»

Der katholische Ralph Wyrsch war für ihre Familie eine denkbar kleinere Hürde. Und doch: «Dass ich ihn heiraten durfte, dass meine Schwestern und ich unsere Männer überhaupt selber wählen durften, zeigt die gute Integration unserer Familie», sagt Donika Wyrsch. Aber auch «dunnä», im Kosovo, sei der Schweizer gut angekommen, sagt sie. «Beim ersten Besuch sagte mir meine halbe Familie, ich solle den ja nicht gehen lassen.»

1998 in der Schweiz angekommen

In ihrem kleinen Dorf Smaq im Kosovo heissen alle Dani – und sind irgendwie verwandt. Donika Wyrsch wuchs in einem grossen Haus mit 15 Cousins und Cousinen auf – ohne Eltern. «Mein Vater kam schon 1971 in die Schweiz. Er war der älteste Sohn und brauchte Arbeit, um die Grossfamilie zu ernähren.» Bei der Dätwyler AG in Altdorf fand er eine Stelle. Die Mutter folgte ihm 1994. «Ab dann wurde ich von meiner älteren Schwester grossgezogen», sagt Wyrsch. Doch die Lage im Kosovo verschlechterte sich. Im Februar 1998 brach Krieg aus, Vater Hil Dani holte seine Kinder in die Schweiz. Am 10. Oktober 1998 kam die fünfjährige Donika in der Ochsengasse in Flüelen an. «In der Schweiz war alles neu», erinnert sie sich. «Ich weiss noch, als mein Vater mir das erste Mal einen TamTam-Pudding gab. Ich hatte Angst davor, weil er so wackelte.»

Frauen dürfen eigene Meinung haben

Doch die kleine Donika gewöhnte sich bald an die Schweiz. «Ich war nicht schüchtern und habe im Kindergarten schnell Deutsch gelernt.» Nach der Oberstufe machte sie eine Lehre als Möbelverkäuferin und arbeitete im Service. Bald fängt sie eine Ausbildung als Spielgruppenleiterin an. Dass sie in der Schweiz arbeiten könne, sei super, freut sich Wyrsch. «Im Kosovo kommt das erst langsam auf. Mir gefällt, dass sich die Frauen hier selber wehren und ihre eigene Meinung haben können.»

Im Jahr 2003 wurde Donika Dani eingebürgert. Heute sagt sie ungern, dass sie Albanerin ist. «Die Leute denken immer gleich: ‹Oh, kriminell.› Dann muss ich zeigen, dass ich nicht diesem Vorurteil entspreche.» Um als Ein­gewanderte Erfolg zu haben, brauche es Respekt, sagt Wyrsch. «Wir Albaner haben Temperament. Am Anfang meiner Lehre hatte ich manchmal damit zu kämpfen.» Doch austicken bringe nichts. Sie habe gelernt zu reden, wenn sie sich ungerecht behandelt fühle. «Das geht mit Schweizern sehr gut.»

An ihrer alten Heimat vermisst sie vor allem die Gastfreundschaft. «In der Schweiz kann man nicht einfach zum Nachbarn gehen und etwas aus dem Kühlschrank nehmen. Das darf man im Kosovo locker.» Auch Ralph Wyrsch war von der Herzlichkeit seiner neuen Verwandten beeindruckt: «Wenn man in der Familie ist, würden sie einem ihr letztes Hemd geben.»

Im Kosovo fühlt sie sich als Touristin

Trotzdem kann sich Donika Wyrsch nicht vorstellen zurückzukehren: «Nein, danke. Niemals. Im Kosovo bin ich die Schweizerin, ich fühle mich als Touristin.» Traurig werde sie, wenn sie in ihrer heutigen Heimat als Ausländerin betrachtet werde. «Wenn mich einer fragt, woher ich komme, antworte ich: aus Flüelen», sagt Wyrsch bestimmt. «Manchmal wollen die Leute das nicht akzeptieren, nur weil ich geschminkt bin wie eine Albanerin. Eine Eidgenossin bin ich vielleicht nicht gerade, aber ich bin Schweizerin.»

Zur Serie

Einwanderung – ein politischer und gesellschaftlicher Brennpunkt, der auch im Kanton Uri immer wieder hohe Wellen schlägt. Die «Urner Zeitung» stellt in loser Folge Menschen vor, die im Kanton Uri sesshaft geworden sind. Ihre Geschichten sind ganz unterschiedlich, und trotzdem zeigen sich Gemeinsamkeiten. Die einen sind erst vor kurzem in den Kanton Uri gekommen, als Flüchtlinge und Asylbewerber. Andere leben schon lange, zum Teil seit Jahrzehnten im Kanton Uri. bereits erschienen sind Porträts von Tino Valsecchi, dessen Eltern aus Italien in die Schweiz eingewandert sind, und Yonas Kahsay aus Eritrea, der seit einem Jahr als Asylbewerber in Altdorf lebt. (red)

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