KANTON URI: Er erwartet einen grossen Ausfall

Die Frostnächte machten Weinbauer Robert Inauen und Winzerkollegen schwer zu schaffen. Doch der passionierte Winzer hat den Humor trotz Wetterkapriolen nicht verloren.

Philipp Zurfluh
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Der Weinbauer Robert Inauen rechnet wegen der Frostnächte mit grossen Ernteeinbussen. (Bild: Philipp Zurfluh (Altdorf, 4. Mai 2017))

Der Weinbauer Robert Inauen rechnet wegen der Frostnächte mit grossen Ernteeinbussen. (Bild: Philipp Zurfluh (Altdorf, 4. Mai 2017))

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

«Die Situation ist für viele verheerend und existenzbedrohend», sagt der Altdorfer Weinbauer Robert Inauen. Er spricht von den Frostnächten Ende April, die Winzern, Obst- und Gemüsebauern in einigen Kantonen schlaflose Nächte bereiteten.

Auch der 67-Jährige mit seinen Winzerkollegen Ruedy Schuler, Lukas Arnold, Paul Arnold, Beat Arnold und Roland Fuchs ist von den Wetterkapriolen betroffen. Die Betreiber von drei Weinbergen im Kanton Uri (Spiss in Bürglen sowie Brickermatte und Belmité in Altdorf) müssen mit grossen Ernteeinbussen rechnen. In den Rebbergen Spiss und Belmité rechnet er praktisch mit einem totalen Verlust. Beim Weinberg Brickermatte mit Einbussen von rund 30 Prozent.

Vor dem Frost war die Vegetation zwei Wochen im Vorsprung. Nun beträgt der Rückstand bereits zwei Wochen. Um die Schäden an den Rebstöcken möglichst gering zu halten, hatten Inauen und Schuler unzählige Finnenkerzen aufgestellt. Damit sollten nachts die Tempera­turen über dem Gefrierpunkt gehalten werden. Doch genützt hat es nur wenig: «Die starke Bise war dafür verantwortlich, dass die warme Luft, die etwa beim Heizen mit den Kerzen entsteht, weggeblasen wurde», sagt In­auen. Die Temperatur sei ungefähr bei minus 5 Grad gelegen, da halfen auch die Kerzen nicht mehr viel, ergänzt er. Der 67-jährige leidenschaftliche Winzer verarbeitet mit Ruedy Schuler im Jahr zwischen 6 und 8 Tonnen Trauben und stellt zwischen 6000 und 8000 Flaschen Wein pro Jahr her.

Schon seit 30 Jahren geht er seinem Hobby nach und hat schon vieles erlebt. «Mit jedem Jahr kommen wieder neue Erfahrungen dazu.» Frostjahre habe es in den vergangenen 30 Jahren fast nie gegeben – bis 2016. Und jetzt schon wieder: «Als Winzer ist man dem Wetter schonungslos ausgesetzt. Damit muss man klarkommen, sonst hat man den falschen Beruf oder das falsche Hobby gewählt», meint der Altdorfer, der auch im Kanton Tessin ein kleines Weingut besitzt. Den Kopf hängen zu lassen, kommt für ihn aber nicht in Frage: «Ich hoffe, dass die Rebstöcke zum Teil noch einmal austreiben.»

«Wir haben viel Glück gehabt»

Gerade das Klima im Kanton Uri sei für seinen Urner Tropfen ein Vorteil im Vergleich zu anderen Regionen in der Schweiz. «Der Alpenföhn lässt die Trauben reifen», weiss der Winzer. Vor allem im Herbst sei der warme Wind ein willkommenes Geschenk.

Auch Manuel Tresch ist Weinbauer. Er ist Bewirtschafter und Mitinhaber des Weinguts im Rosenberg in Altdorf, das 1,3 Hektaren umfasst. Sein Weingut ist vom Kälteeinbruch voraussichtlich verschont geblieben. «An unserem Rebberg haben wir sichtbar keinen Schaden», sagt der Winzer. «Wir haben viel Glück gehabt.» Ob es Ernteeinbrüche gibt, werde sich in den nächsten Wochen zeigen.