Kanton Uri
«In den nächsten Jahren wird nur das absolut Notwendigste gemacht» – Flüeler Kreisel bleibt noch länger in jetziger Form bestehen

Verkehrsdienst oder Lichtsignalanlage sollen vorerst die Behinderungen minimieren. Bauliche Massnahmen plant die Regierung erst in rund zehn Jahren. Das werde im Landrat noch zu reden geben, versichert FDP-Parlamentarier Matthias Steinegger.

Markus Zwyssig
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Nicht für alle zufriedenstellend: Der Kreisel in Flüelen.

Nicht für alle zufriedenstellend: Der Kreisel in Flüelen.

Bild Urs Hanhart (Flüelen, 14. Februar 2021)

«Die Kreisellösung war und ist ein Provisorium», schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation von Landrat Matthias Steinegger (FDP, Flüelen). Die endgültigen Lösungen für die Verkehrssituation im Bereich des heutigen Kreisels Flüelen seien alle mit sehr hohen Kosten verbunden. «Bei den immer noch bestehenden terminlichen Unsicherheiten für den Bau der Neat-Zufahrtsstrecke und den dadurch notwendigen Eingriffen an National- und Kantonsstrasse bietet der Kreisel zurzeit den besten Kompromiss», gibt sich die Regierung überzeugt. Sie sieht für das Gebiet rund um den Kreisel Lösungen in vier Phasen vor:

Phase 1 – sofort: Organisatorische Massnahmen zur Verkehrslenkung. Mit lenkenden Massnahmen wie beispielsweise einem Verkehrsdienst oder einer Bedarfs-Lichtsignalanlage soll der Verkehr in Spitzenzeiten so geregelt werden, dass keine übermässigen Behinderungen entstehen. «Die Erfahrungen mit dem Kreisel Göschenen sollen dabei einfliessen», schreibt die Regierung.

Phase 2 – kurzfristig/ab zirka 2030: Realisierung eines sogenannten Längsbügels. Der Kreisel bleibt zwar noch bestehen, die Kantonsstrasse wird aber mit einem neu zu bauenden Längsbügel, der neben dem SBB-Trassee zu liegen kommt, über die Unterführung der Nationalstrasse geführt. «Damit wird der Kreisel vom Verkehr zwischen Flüelen und Altdorf entlastet», so die Regierung.

Phase 3 – mittelfristig/ab zirka 2040: Es soll ein Querbügel gebaut werden. Dieser soll die beiden Dorfteile Flüelen Ost und West unabhängig von der Nationalstrasse miteinander verbinden.

Phase 4 – langfristig/ab zirka 2060: Der Endzustand soll schliesslich mit der Realisierung der Neat-Zufahrtsstrecke und dem Axentunnel erreicht werden. Dazu gehört neben den Arbeiten am neuen und bestehenden Trassee auch die Absenkung der Nationalstrasse. Gemäss Regierung ist der Zeitpunkt für diese Phase nur noch von den SBB abhängig.

Und so sieht der Stand der Planungsarbeiten für die Sanierung der Verbindung A2/A4 beim Kreisel Flüelen aus: Der Kanton Uri hat zusammen mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) eine Vorstudie erarbeitet. Darin werden gemäss der Regierung die Abhängigkeit aller Massnahmen im Gebiet des Kreisels Flüelen aufgezeigt, die Machbarkeit der Varianten abgeschätzt und die Varianten für die weiteren Bearbeitungsschritte festgelegt. Das etappenweise Vorgehen und die Zeitverhältnisse werden ebenfalls gezeigt. Das Astra hat Mitte Dezember des vergangenen Jahres die Gemeinden Altdorf und Flüelen sowie die Korporation Uri über die Vorstudie und das weitere Vorgehen informiert.

Regierung habe das grösste Interesse an einer raschen Verbesserung der Situation

In der aktuellen Bearbeitung des Projekts Kreisel Flüelerstrasse liegt die Führung beim Kanton Uri. Er habe das grösste Interesse an einer raschen Verbesserung der Situation. Die Regierung hält dabei fest, dass kein Zusammenhang mit dem Projekt Axenstrasse bestehe. «Eigentlicher Verursacher des Projekts Kreisel ist jedoch die Neat-Zufahrtsstrecke mit dem neuen Axentunnel, auch wenn deren Realisierung noch Jahrzehnte in der Zukunft liegt», so die Regierung. Sie verspricht, sich für eine rasche Bereinigung der Verkehrssituation einzusetzen. «Neben dem Astra sind auch die SBB ein wichtiger Partner, ist doch die Neat-Zufahrtsstrecke der eigentliche Auslöser.»

Stand heute gibt es keine gesonderte Finanzierung für den Kreisel Flüelen. Die Gelder müssen also aus dem Unterhaltsprogramm kommen. Die Regierung dazu:

«Je nach Kostenteiler macht für die Realisierung aber eine separate Finanzierung Sinn.»

Viele Urner KMU sind auf eine funktionierende Strassenverbindung in den Raum Zug/Zürich angewiesen. Der Regierungsrat ist sich der Bedeutung der Pendler für den Kanton Uri bewusst: «Gute Rahmenbedingungen für die Pendler sind wichtig, egal mit welchem Verkehrsmittel sie unterwegs sind.» Darum investiere der Kanton kräftig in die Infrastrukturen, nicht nur für den öffentlichen Verkehr, sondern für alle Verkehrsteilnehmer. «Mit dem Radwegkonzept, der West-Ost-Verbindungsstrasse (WOV), dem Halbanschluss und der neuen Axenstrasse verbessert sich die Situation für die Pendler deutlich», so die Regierung. Mit der Inbetriebnahme von WOV und Halbanschluss werde sich das Verkehrsregime im unteren Reusstal deutlich verändern. Die veränderten Verkehrsströme wirkten sich auch auf den Kreisel Flüelen aus. «Die Massnahmen aus Phase 1 und 2 am Kreisel Flüelen würden die Situation auf jeden Fall verbessern», ist die Regierung überzeugt.

Steinegger: «In den nächsten Jahren wird nur das absolut gesetzlich Notwendigste gemacht.»

Matthias Steinegger nimmt die Antwort der Regierung zur Kenntnis. «Im Bereich des Kreisels Flüelen wird in den nächsten Jahren nur das absolut gesetzlich Notwendigste gemacht», sagt der Flüeler FDP-Politiker. Die Interpellation werde im Landrat sicherlich zu Diskussionen führen. Dafür würden die drei Flüeler Landräte besorgt sein. Beraten wird der Vorstoss an der Session vom 24. März.