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KANTON: «Uri ist sehr gut unterwegs»

Am Wochenende wird die Zaku 50-jährig. Der Präsident des Verwaltungsrats, Beat Walker, dankt im Interview den Pionieren, blickt aber auch in die Zukunft.
Interview Christian Mattli
Die Zaku hat von Gesetzes wegen das Monopol für die Entsorgung der Siedlungs- abfälle. (Bild Christian Mattli)

Die Zaku hat von Gesetzes wegen das Monopol für die Entsorgung der Siedlungs- abfälle. (Bild Christian Mattli)

Interview Christian Mattli

Im Jubiläumsjahr der Zentralen Organisation für die Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri (Zaku) amtiert Beat Walker aus Flüelen als Präsident des Verwaltungsrats. Unsere Zeitung sprach mit ihm über das eigene Abfallverhalten, die strategischen und operativen Herausforderungen der Zaku, die Konkurrenz durch private Mitbewerber, Visionen zur Abfallbewirtschaftung und vieles mehr.

Beat Walker, wer ist bei Ihnen zu Hause für die Abfallbewirtschaftung zuständig?

Beat Walker: Wir haben eine saubere Rollenteilung. Meine Frau und die Kinder füllen mehrheitlich den Sack, ich stelle ihn am Sonntagabend nach draussen und bin stolz darauf, wie tadellos die Abfallentsorgung im Kanton Uri funktioniert.

Ein Sack pro Woche reicht?

Walker: Jetzt ja. Früher, als wir noch Windeln entsorgen mussten, war ein 35-Liter-Sack meist zu knapp.

Als Zaku-Präsident sind Sie bestimmt ein vorbildlicher Abfalltrenner, oder?

Walker: (lacht) Ich denke schon. So verarbeite ich zum Beispiel das Grüngut mit gutem Erfolg zu Komposterde. Glas kommt zum Altglas, Metall zum Altmetall. Altpapier und Karton schnüre ich selber. Und neben den Batterien sammeln wir neuerdings auch Korkzapfen. Das Standardprogramm halt.

War das schon so, bevor Sie das Präsidium der Zaku übernahmen?

Walker: Ja. Irgendwie habe ich ein Faible für Abfallbewirtschaftung. Ich habe unter anderem ein Studium als Maschinen- ingenieur absolviert und mich sehr für Energie- und Umwelttechnik interessiert.

Führte Sie dieses Interesse an die Spitze der Zaku?

Walker: An der Zaku hatte ich in der Tat ein technisches Interesse. Mehr noch faszinierten mich aber die Fragen der Führung und die politischen Aspekte. Die Zaku gehört ja allen zwanzig Urner Gemeinden gemeinsam, und selber war ich eine Zeit lang Gemeindepräsident von Flüelen. Darum habe ich mich beworben, als die Zaku vor vier Jahren einen Verwaltungsratspräsidenten suchte.

Haben Sie der Zaku seither schon Ihren Stempel aufdrücken können?

Walker: Als ich das Präsidium übernahm, war schon sehr vieles gut vorgespurt. Von der Organisation her konnte ich mich darum auf kleinere Anpassungen beschränken, so zum Beispiel auf die Schaffung der Stelle eines Technischen Leiters. In der Qualitätssicherung führten wir ISO 9001, ISO 14001 und ISO 18001 ein. Wirklich grosse Projekte waren die neue Anlage zur Aufbereitung von Schlacke und der Umbau der Kehrichtumladestation. In nur zwei Jahren haben wir über vier Millionen Franken investiert. Ganz generell aber haben wir am bewährten Konzept der Zaku festgehalten.»

Das bedeutet?

Walker: Mit nur acht Mitarbeitern ist die Zaku sehr schlank aufgestellt. Viele Leistungen – wie zum Beispiel die Sammlung des Siedlungsabfalls, der Transport zur Renergia – kaufen wir bei externen Unternehmen ein. Sichere, korrekte und wirtschaftliche Abläufe stehen im Vordergrund. Das schönste Kompliment, das ich als Präsident in den vergangenen Jahren erhalten habe, war: «Sie führen die Zaku wie ein privates Unternehmen.»

Dieses Unternehmen feiert den 50. Geburtstag. Erfüllt Sie das mit Stolz?

Walker: Eher mit Dankbarkeit. Das 50-Jahr-Jubiläum ist für mich eine gute Gelegenheit, um auf die Geschichte der Zaku und der Abfallbewirtschaftung in Uri zurückzublicken und vor allem die Leistungen der früheren Führungspersönlichkeiten und der Mitarbeiter zu würdigen. Sie haben in teils hektischen Zeiten mit enorm viel Herzblut echte Pionierarbeit geleistet. Sie haben sich eingesetzt, um die Entsorgung des Abfalls in Uri in geordnete Bahnen zu lenken, und zwar mit guten und weitsichtigen Lösungen. Meine Vorgänger haben sehr viel geleistet.

Wie viel leisten Sie heute für die Zaku, gemessen in Arbeitszeit?

Walker: Rund zehn bis fünfzehn Stellenprozente, also gut einen halben Tag pro Woche. Der Verwaltungsrat ist bei der Zaku halt nicht nur strategisch tätig, sondern er kniet sich auch operativ in die Materie hinein.

Wo sehen Sie die grössten strategischen oder operativen Herausforderungen für die Zaku?

Walker: Die eine grosse Aufgabe der Zaku ist die Zusammenarbeit mit der Verbrennungsanlage Renergia in Perlen. Der Urner Kehricht – rund 6000 Tonnen pro Jahr – kommt mit den Sammelfahrzeugen in die Eielen bei Attinghausen und wird für den Transport nach Perlen in Lastwagencontainer umgeladen. Im Gegenzug übernehmen wir aus Perlen die gesamte Schlacke, rund 30 000 Tonnen pro Jahr, um in der Eielen das Metall auszuscheiden und den Rest in der Deponie einzubauen. Das alles funktioniert bereits ganz gut. Wir haben aber noch freie Kapazitäten, und darum schauen wir, ob wir noch anderswo Schlacke akquirieren könnten. Eine andere wichtige Aufgabe ist die Frage, was künftig mit Abfall aus Kunststoff geschieht: Sollen wir Kunststoff separat sammeln, oder gehört Kunststoff in den Kehrichtsack?

Was meinen Sie?

Walker: Eine Studie der Renergia besagt, dass es sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch durchaus sinnvoll sei, Kunststoffabfälle in einer modernen Verbrennungsanlage zusammen mit dem übrigen Kehricht energetisch zu verwerten. Genauso sinnvoll kann aber auch eine Kunststoff-Bringsammlung sein – mit stofflicher Wiederverwertung. Zusammen mit unseren Partnern in Uri prüfen wir darum, welche Lösung für unseren Kanton am besten ist. Das Bedürfnis in der Bevölkerung nach einer separaten Abgabemöglichkeit für Kunststoff ist jedenfalls hoch.

Wirtschaftlich hat sich die Verwertung von Abfall mittlerweile zu einem lohnenden Geschäft entwickelt. Läuft die Zaku Gefahr, von privaten Mitbewerbern ausgehebelt zu werden?

Walker: Das glaube ich nicht. Die Zaku hat in Uri von Gesetzes wegen das Monopol betreffend Entsorgung der Siedlungsabfälle. Ein Ende dieses Monopols ist meiner Meinung nach nicht in Sicht. Denn um die Sammlung in den entlegenen Gebieten dürften sich auch private Mitbewerber nicht reissen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Zaku beim Siedlungsabfall alles selber machen muss; aber sie muss es regeln, und zwar so, dass alle gleich lange Spiesse haben und Randregionen nicht unter die Räder kommen.

Wird es Siedlungsabfall auch in fünfzig Jahren noch geben? Oder werden bis dahin alle stofflichen Kreisläufe geschlossen sein, sodass unser heutiger Abfallsack verschwinden wird?

Walker: Schwierig. Studien aus Deutschland sagen das Gegenteil. Es könnte durchaus sein, dass wir in ein paar Jahren wieder den gesamten Abfall in einem Sack an die Strasse stellen – inklusive Batterien, Glas, Papier und Karton. Die Abfallsortierung besorgen dann Maschinen im industriellen Massstab. Für die Bevölkerung wäre das eine fundamentale Umstellung. Im Abfalltrennen sind wir ja Weltmeister.

Haben Sie eine eigene Vision zur künftigen Abfallbewirtschaftung?

Walker: In der Schweiz bewegen wir uns mit der sortenreinen Trennung an der Quelle heute schon auf einem sehr hohen Niveau. Verbessern können wir uns aber immer noch, etwa indem wir versuchen, Abfall gar nicht erst entstehen zu lassen. In Uri sind wir abfallmässig ebenfalls sehr gut unterwegs. Wir schätzen eine saubere Entsorgung, und wir streben seit jeher nach weitsichtigen Lösungen. Darum hat unsere Stimme bei der Renergia eine grosse Bedeutung. Diese Bedeutung übertrifft den Anteil der Zaku am Aktienkapital der Renergia, der bloss 3,8 Prozent beträgt, bei weitem.

Zaku betreibt zwei Sparten

Organisation cmm. Die Zentrale Organisation für Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri (Zaku) ist eine spezialgesetzliche AG im Eigentum der Urner Gemeinden. Sie sorgt dafür, dass im ganzen Kanton die Siedlungs- und Gartenabfälle sowie die organischen Abfälle aus Gewerbebetrieben fachgerecht entsorgt werden. Dafür hat sie per Gesetz das Monopol.

Kehrichtsammlung in Uri

Die Zaku betreibt zwei Sparten nach wirtschaftlichen Grundsätzen. Die eine Sparte ist die Abfallbewirtschaftung. Die Organisation sammelt den Kehricht aus Urner Haushalten und Gewerbebetrieben, transportiert ihn zur Verbrennungsanlage und lässt ihn dort gesetzeskonform verwerten. Für Wertstoffe wie Glas, Aluminium, Weissblech und Altöl stellt die Zaku den Gemeinden Sammelcontainer zur Verfügung und ist auch für deren Leerung verantwortlich. Zudem betreibt die Zaku eine Direktannahmestelle in der Eielen in Attinghausen. Für Papier und Karton führt die Zaku zusammen mit den Gemeinden und Organisationen jährlich mehrere Strassensammlungen durch. Grünabfälle holt die Zaku via Separatsammlung ab und bringt diese zur Kompostierung und Vergärung. Die Zaku deckt die Kosten für Sammlung, Transport und Verbrennung des Kehrichts mit verursachergerechten Gebühren nach Gewicht oder mit dem Gebührensack.

Die zweite Sparte ist die Deponie: Die Zaku rekultiviert den Steinbruch Eielen, indem sie dort Schlacke aus Kehrichtverbrennungsanlagen einbaut.

Hinweis

Die Zentrale Organisation für Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri (Zaku) feiert am 10. und 11. Juni ihr 50-Jahr-Jubiläum. Im Vorfeld hat die Neue UZ in loser Serie die Meilensteine aus der Geschichte der Zaku behandelt. Das Interview mit dem amtierenden Zaku-Verwaltungsratspräsidenten Beat Walker bildet den Abschluss dieser Serie.

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