KANTON URI: Jungschützenkurse: Der Zuwachs ist rekordverdächtig

2016 nahmen 9716 Jugendliche an Jungschützenkursen teil, rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Schiessoffizier Hans Wyrsch forderte die Schützenvereine auf, ihre «Hausaufgaben» möglichst bald zu erledigen.

Paul Gwerder
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Oberst i Gst Hans Wyrsch (stehend) leitete den Instruktionsrapport. (Bild: Paul Gwerder (Lungern, 21. Februar 2017))

Oberst i Gst Hans Wyrsch (stehend) leitete den Instruktionsrapport. (Bild: Paul Gwerder (Lungern, 21. Februar 2017))

Paul Gwerder

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Die Zahl der Schützen, die am obligatorischen Schiessanlass über die 300-Meter-Distanz teilnehmen, ist nach wie vor rückläufig. «Umso mehr freut es mich, dass an den Jungschützenkursen im vergangenen Jahr 50 Prozent mehr Teilnehmer registriert wurden», sagte der Eidgenössische Schiessoffizier (ESO), Oberst i Gst Hans Wyrsch, am Instruktionsrapport des Schiesskreises 16 vom 21. Februar in der unterirdischen Schiessanlage Brünig Indoor in Lungern. Zum Kreis 16 gehören alle Innerschweizer Kantone mit Ausnahme von Luzern.

«Mit ein Grund, dass rekordverdächtige 9716 Mädchen und Burschen einen der 848 Kurse besucht haben, ist sicherlich, dass neu statt erst mit 17 bereits ab 15 Jahren daran teilgenommen werden kann», analysierte Wyrsch. «Und ganz besonders freut es mich, dass viele junge Frauen den Schiesssport entdeckt haben.»

Negativtrend kann gestoppt werden

Die rückläufigen Zahlen am Feldschiessen konnten im Jahr 2016 gestoppt werden, denn es kamen 4414 Schützen mehr in den Schiessstand als noch im Vorjahr. Insgesamt haben 90834 an diesem grössten Schützenfest der Schweiz teilgenommen. Dieses gute Ergebnis sei den Schützengesellschaften zu verdanken, die jedes Jahr aktive Werbung machen und zahlreiche Vereine und Klubs für diesen Schiessanlass begeistern könnten. Positiv war auch die Teilnehmerzahl bei den Pistolenschützen. So nahmen am Feldschiessen rund 1000 und am «Obligatorischen» 448 Schützen mehr über die 25-Meter-Distanz teil als noch im Jahr 2015.

Einen grossen Wert legt der Schiessoffizier auf die Handhabung der Waffe: «Für mich ist es absolut zentral, dass jeder Schütze seine Waffe fast im Schlaf bedienen kann», meinte Wyrsch. «Mit dem sicheren Umgang mit dem Gewehr können Unfälle vermieden werden. Deshalb müssen immer gut ausgebildete Schützenmeister im Schiessstand sein und strikte darauf achten, dass sich die Schiessenden an die Regeln halten.» Wyrsch orientierte noch über eine wichtige Neuerung: «Wer eine Leihwaffe beziehen oder bei der Entlassung aus der Armee seine Waffe behalten will, muss in Zukunft einen Waffenerwerbschein vorweisen, eine Zuweisung zur Armee ist ab 2018 nicht mehr möglich.»

Zustand der Kugelfänge hat sich stark verbessert

In seinem Jahresrückblick konnte Hans Wyrsch erfreut festhalten, dass sich der Zustand der Kugelfänge stark verbessert hat. Ab 2021 müssen überall neue Kugelfänge montiert sein, und es darf nicht mehr in den Boden geschossen werden, sofern Bundesmittel in Anspruch genommen werden sollen.

Für die Sanierung der bestehenden Anlagen werden Abgeltungen geleistet, wenn die getroffenen Massnahmen umweltverträglich und wirtschaftlich sind und dem Stand der Technik entsprechen. «Jetzt ist es höchste Zeit zu handeln, denn die vier Jahre sind schnell vorbei», betonte Hans Wyrsch. «Zudem sollten sich die Schützenvereine überlegen, welche 300-Meter-Schiessstände sie behalten wollen, um dann gezielt vorgehen zu können», hielt der zuständige ESO weiter fest.

Wyrsch gibt Rücktritt bekannt

Wyrsch orientierte die Präsidenten der Schiesskommissionen, die Kreiskommandanten und die zahlreichen militärischen Gäste zudem, dass auf den 1. Januar 2019 ein neuer ESO gesucht wird. Interessenten können sich beim kantonalen Kreiskommando melden. Nach dem offiziellen Teil zeigte Betriebsleiter Urban Hüppi die weltweit einzige Unter-Tag-Schiessanlage mit einem 300-Meter-Schiesskanal. Die Schiessanlage Brünig Indoor wird jährlich von rund 32000 Schützen besucht. Im Gastroteil können rund 300 Personen bewirtet werden. Anschliessend hatten die Offiziere Gelegenheit, die unterirdische 300-Meter-Schiessanlage persönlich zu testen. Danach waren sich alle einig: «Die Bedingungen auf dieser Anlage sind für alle Schützen immer gleich, da gibt es keine Ausreden mehr über störenden Wind oder blendende Sonne, die das Resultat verfälscht hätten.»