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KANTON URI: Palliative Care: Öffentlichkeit muss sensibilisiert werden

Palliative Care soll unheilbar kranken Menschen ermöglichen und helfen, in Würde zu sterben. Experten und Angehörige diskutierten in Altdorf.
Paul Gwerder
«Ich fürchte den Tod nicht, aber ich habe Respekt vor dem Sterben», sagt der Altdorfer Pfarrer Daniel Krieg. (Bild: PD)

«Ich fürchte den Tod nicht, aber ich habe Respekt vor dem Sterben», sagt der Altdorfer Pfarrer Daniel Krieg. (Bild: PD)

Palliative Care ist ein Angebot für unheilbar kranke Menschen und unterstützt ebenfalls die Ange­hörigen oder andere wichtige Bezugspersonen. Die kantonale Arbeitsgruppe Palliative Care Uri hat sich zum Ziel gesetzt, das Angebot mit verschiedenen Veranstaltungen in Uri besser bekannt zu machen. Am Dienstagabend diskutierten Fachleute und Angehörige über dieses Thema.

Gesundheitsdirektorin Barbara Bär war positiv überrascht, dass das Cinema Leuzinger fast bis auf den letzten Platz besetzt war. «Mir ist es ein grosses Anliegen, dass wir uns mit dem Älterwerden und dem Sterben auseinandersetzen, denn schliesslich betrifft es uns alle einmal», sagte sie bei der Begrüssung. «Palliative Care verspricht nicht Heilung einer Krankheit, sondern sie will den schwerkranken Menschen helfen, dass sie bis zuletzt möglichst schmerzfrei und ohne Qualen leben können. Dies ist eine grosse Herausforderung für die Angehörigen und Fachpersonen, welche die kranken Mitmenschen bis zum Tod begleiten.»

Die allermeisten Leute möchten zu Hause sterben

Vor der Podiumsdiskussion wurde der Film «Sterben heute» von Regisseur Stephan Rathgeb gezeigt, der anschliessend auch die Moderation des Podiumsgesprächs übernahm. Dabei zeigte sich: Die allermeisten Menschen möchten daheim und umsorgt im eigenen Umfeld sterben. Aber dieser Wunsch kann nur etwa 20 Prozent der Sterbenden erfüllt werden. Einig war man sich aufgrund des Films: Die Gesellschaft muss den Menschen ermöglichen, bis zuletzt in Würde zu leben. Das heisst: Sie muss auch dafür sorgen, dass alle Zugang zu Palliative Care haben. Die Patienten müssen wenn möglich schmerzfrei Abschied nehmen können. Es gelte, das Optimum für die Patienten herauszuholen – nicht für den Kostenträger.

Bereits ein ähnliches Angebot vorhanden

Ärztin Cristina Nock stellt fest, dass Palliative Care noch zu wenig bekannt sei. «Die Angst vor dem Sterben ist ein grosses Thema, sowohl für die Betroffenen wie auch für die Angehörigen», sagte sie. Anita Gisler von der Spitex Uri erklärte: «Wir bieten bereits ein ähnliches Angebot wie Palliative Care an, stossen aber aufgrund unserer personellen Ressourcen an Grenzen. Wir können keinen Nachtdienst anbieten, weil uns das Geld für das Personal noch fehlt.»

Pflegedienstleiterin Ursula Arn versteht, dass die meisten Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben wollen. «Die Angehörigenarbeit ist aber sehr anspruchsvoll, und sie bringt viele Helfende selber in Not», erklärte die Fachfrau am Dienstag. «Deshalb ist oft das Pflegeheim eine grosse Hilfe – sowohl für den kranken Menschen wie auch für die ihn betreuenden Personen.»

«Ich fürchte den Tod nicht, aber ich habe Respekt vor dem Sterben», sagte der Altdorfer Pfarrer Daniel Krieg. «Für mich ist es zentral, dass wir die kranken Mitmenschen auf ihrem beschwerlichen Weg begleiten.» Und Sterbebegleiterin Maria Muheim ergänzte: «Nur schon durch unsere Anwesenheit werden die kranken Leute ruhiger. Wir sind aber auch da, um zuzuhören». Für Carmen Gisler, die innerhalb eines Jahres sowohl die Mutter wie auch die Schwester verloren hat, war die Betreuung zwischenzeitlich grenzwertig. «Trotzdem war es für mich schön, dass ich meine Liebsten bis zum Tod begleiten durfte, denn ich wollte dabei sein und selber spüren und sehen, wie es ihnen geht», erinnerte sie sich. Den Begriff Palliative Care hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannt, aber die Leistungen der Spitex und die Hilfe anderer Institutionen mit ihrem grossen Angebot hätten der Familie sehr stark geholfen.

24-Stunden-Betreuung muss ein Thema sein

Für Barbara Bär muss in absehbarer Zeit eine 24-Stunden-Betreuung für die kranken Menschen ermöglicht werden. «Ein solches Angebot kostet zwar viel Geld und wird ein schwieriges Thema werden, da die Leistungen von Palliative Care heute von den Krankenkassen noch schlecht abgegolten werden. Deshalb muss die Öffentlichkeit sensibilisiert werden», so Bär. «Wenn wir dann breiter abgestützt sind, wird uns die Politik in Zukunft ebenfalls unterstützen», glaubt sie. Abschliessend sagte sie: «Wir unterstützen bereits jetzt zahlreiche Institutionen mit viel Geld. Wir sind auf dem richtigen Weg, denn heute wird rund die Hälfte abgedeckt, und nun sind wir gefordert, dass wir den Rest auch noch schaffen.»

Paul Gwerder

redaktion@urnerzeitung.ch

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