KANTON URI: Riesenkristalle kehren in Berg zurück

Der zweite Jahrhundert-Kristallfund ist verkauft. Der neue Besitzer sorgt aber dafür, dass die Steine der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Bruno Arnold
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Franz von Arx (links) und Elio Müller mit einem Teil ihres Jahrhundertfunds, der bald auf dem Gotthardpass besichtigt werden kann. (Archivbild Urs Hanhart)

Franz von Arx (links) und Elio Müller mit einem Teil ihres Jahrhundertfunds, der bald auf dem Gotthardpass besichtigt werden kann. (Archivbild Urs Hanhart)

2008 haben die Urner Strahler Franz von Arx und Elio Müller am Planggen-stock in der Göscheneralp einen Jahrhundertfund gemacht (siehe Box). Jetzt kehren diese Steine wieder ins Gotthardmassiv zurück – nur einige hundert Meter Luftlinie vom Fundort entfernt. Sie werden, wie bereits vom Sommer 2012 bis im Herbst 2013, in das Projekt «Sasso San Gottardo – Themenwelt im Innern des Gotthards» integriert.

Käufer will anonym bleiben

«Wir haben unseren Fund verkauft», bestätigte Franz von Arx gestern entsprechende Informationen, die unserer Zeitung zugetragen wurden. Wer die Riesenkristalle erworben hat, sagen die beiden Finder nicht. «Der Käufer will anonym bleiben, und auch über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart», so von Arx. «Es freut Elio und mich aber sehr, dass dieser einzigartige Schatz der Alpen in jener Region bleibt, in der er gefunden wurde», so der zurzeit in Neuseeland weilende von Arx. «Zum Glück gibt es Leute, die den wahren Wert der Steine erkannt haben und mit ihrem Patriotismus dafür sorgen, dass sie nicht ins Ausland wandern.»

Gratis und franko zur Verfügung

«Der Käufer stellt uns den Jahrhundertfund gratis und franko zum Ausstellen in der ehemaligen Gotthardfestung zur Verfügung», freut sich Alfred Markwalder, der Präsident der Stiftung Sasso San Gottardo. «Für uns ist diese noble Geste wie ein Sechser im Lotto.» Der ehemalige Rüstungschef im VBS ist überzeugt: «Der Jahrhundertfund wird die ‹Themenwelt› massiv aufwerten und bestimmt zu einem Publikumsmagnet werden.» Dazu beitragen soll die möglichst attraktive Präsentation, die wir ins Auge gefasst haben. Details des Ausstellungskonzepts wollte Markwalder aber nicht verraten. Nur so viel: «Die Steine sollen nicht mehr – wie 2012/13 – im 130 m2 grossen Kristallsaal platziert werden. Unsere Planung sieht eine grössere und auch etwas prominentere Präsentation vor.»

Noch nicht selbsttragend

Die Stiftung kann den Jahrhundertfund gut gebrauchen. Sasso San Gottardo konnte zwar 2013 die Besucherzahlen um 8 Prozent auf rund 13 500 Personen erhöhen. Dies hatte um 45 Prozent höhere Einnahmen zur Folge. Gleichzeitig konnten die Betriebskosten um 30 Prozent gesenkt werden. Trotz dieser ermutigenden Ergebnisse kann Sasso San Gottardo aber noch immer nicht kostendeckend betrieben werden.

Botschafter bleiben erfolglos

2013 hatten von Arx und Müller die Steine aus der Gotthardfestung zurückgeholt. «Das Suchen, Finden und Bergen dieser Kristalle war nicht nur mit jahrelangen grossen körperlichen Anstrengungen verbunden, sondern auch mit sehr hohen finanziellen Aufwendungen», sagte von Arx damals. «Wir suchen deshalb einen Abnehmer, der bereit ist, auch unseren Aufwendungen gerecht zu werden», begründete er den Rückzug damals – wohl auch etwas enttäuscht darüber, dass sich eine Gruppe von Urner Botschaftern während längerer Zeit erfolglos bemüht hatte, finanzielle Mittel für einen Kauf oder eine Miete der Kristalle zu generieren. Dass die Steine nun in den Gotthard zurückkehren, dürfte für von Arx nicht zuletzt deshalb die grösste Genugtuung sein.

Der erste Fund landet in Bern

Franz von Arx und Elio Müller haben den Jahrhundertfund, der ab Juni 2015 in der Gotthardfestung ausgestellt wird, am 19. September 2008 am Planggenstock in der Göscheneralp gemacht. In einer rund 6 Meter langen, 2,5 bis 4 Meter breiten und 60 bis 140 Zentimeter hohen Kluft rund 45 Meter im Innern des Berges kamen neben diversen andern Stufen als absolutes Prunkstück eine rund 380 Kilogramm schwere Quarzgruppe mit einem 1,25 Meter langen Kristall (Durchmesser: 40 Zentimeter) zum Vorschein. Bei Letzterem handelt es sich um den längsten je in den Alpen gefundenen Kristall. Die fünf grössten Stücke des sensationellen Funds vom September 2008 wurden ab August 2012 bis im Herbst 2013 im «Kristallsaal» der Festung Sasso San Gottardo ausgestellt.

Für 4,5 Millionen verkauft

Von Arx war bereits 2005, damals mit seinem Partner Paul von Känel, am Planggenstock auf Riesenkristalle gestossen. Diese Wunderwerke der Natur wurden 2007/08 in der Alten Kirche in Flüelen ausgestellt. 2010 kaufte die Burgergemeinde Bern sämtliche Objekte des ersten Jahrhundertfunds von 2005 für 4,5 Millionen Franken. Seit Frühjahr 2011 sind diese Kristalle im Naturhistorischen Museum in Bern ausgestellt. Der Fund von 2008 wird von Insidern als noch wertvoller eingeschätzt als derjenige von 2005.