KANTON URI: Ruedy Zgraggen: «Das ist ein herber Schlag für uns»

Nachdem zwei Urner Unternehmen ihre Aufträge zur Abfallsammlung nicht mehr weiterführen können, geben sie sich enttäuscht. Es wird auch Kritik geäussert.

Matthias Stadler
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Die Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri hat das Sammeln und Entsorgen von Abfall neu vergeben. (Symbolbild) (Bild: Florian Arnold)

Die Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri hat das Sammeln und Entsorgen von Abfall neu vergeben. (Symbolbild) (Bild: Florian Arnold)

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Der Entscheid steht schon seit Mitte März. Die beiden Urner Firmen Mattli AG und Zgraggen Transporte AG haben ihre Aufträge zum Sammeln von Kehricht, Alu, Glas und Grüngut verloren. Neu wird die Recycling Center Wyrsch AG aus Altdorf, zu der die Obwaldner Trarec AG gehört, die Aufträge ab 2018 durchführen. Diese beiden Firmen gehören der Zimgroup Holding AG in Buochs. Öffentlich bekannt wurde der Entscheid diese Woche (Ausgabe vom Mittwoch).

Es geht um ein Auftragsvolumen von 1,08 Millionen Franken. Hinter dem Auftrag steht die zentrale Organisation für Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri (Zaku). Sie hat das Sammeln und die Entsorgung von Abfall per Ende 2017 neu vergeben.

Auftrag seit 17 Jahren durchgeführt

Die beiden Unternehmen, welche die Arbeiten bis anhin durchführten, geben sich enttäuscht vom Entscheid. «Wir hatten ein sehr grosses Interesse daran, den Auftrag weiterzuführen», erklärt Pascal Mattli, Geschäftsführer der Mattli AG, auf Anfrage. Sein Unternehmen führt die Kehrichtsammlung im Kanton Uri seit Anfang 2000 durch. Glas und Blech sammelt die in Wassen ansässige Firma seit 2012 im Auftrag der Zaku. «Ich trauere dem Auftrag schon nach. Aber es ist wie beim Skirennen: Wenn man die zweitschnellste Zeit fährt, kann man nichts mehr machen, um Erster zu werden.» Wirtschaftlich sei es für sein Unternehmen schlimm, aber verkraftbar. In der Abfallsammlung seien mehrere Personen und damit auch «mehrere Vollzeitstellen» beschäftigt. Wie es mit diesen Angestellten genau weitergehe, sei noch offen. Einzig ein Chauffeur wechsle definitiv zum Unternehmen, das den Auftrag erhalten hat.

Pascal Mattli fühlt sich vom Kanton im Stich gelassen: «Im Tessin gibt es Sonderbestrebungen, dass das eigene Gewerbe Aufträge erhält.» Die Regierung setze sich dafür ein. Dies sei im Kanton Uri nicht der Fall. «Man wollte wohl einfach den günstigsten Anbieter.» Zudem merke man, dass viele Firmen den Urner Markt von aussen bearbeiten würden. So sei etwa die wirtschaftliche Lage im Raum Luzern nicht gut, weswegen viele Firmen ihren Radius vergrösserten – auch Richtung Uri. Zudem bemängelt Mattli die Kommunikation der Zaku: Nach 17 Jahren Zusammenarbeit habe er nicht mal einen Anruf bezüglich der Vergabe erhalten, sondern nach dem Entscheid nur einen eingeschriebenen Brief.

Der Geschäftsführer des mehr als 50 Personen beschäftigenden Unternehmens betont aber gleichzeitig, dass er kein Drama aus der Sache machen wolle. «Es ist Geschäftsalltag. So läuft es nun einmal im Wettbewerb.» Zudem sei das Verfahren rechtskonform gewesen. Deswegen habe es auch keinen Grund gegeben, Einsprache zu erheben.

Drei bis vier Personen beschäftigt

Eine Einsprache wollte auch Ruedy Zgraggen, dessen Firma Zgraggen Transporte AG den Auftrag für die Grünabfuhr zehn Jahre lang innehatte und nun verliert, nicht machen: «Der Auftrag wird nach dem Submissionsverfahren ausgeschrieben. Das günstigste Angebot gewinnt.» Zwar gebe es noch ein paar weiche Faktoren wie die Umweltverträglichkeit, allerdings würden diese eine kleine Rolle spielen. «Die Zaku hatte gar keine andere Möglichkeit, sie musste das günstigste Angebot nehmen. Und auch die Zusammenarbeit mit ihr war gut.» Trotzdem ist auch Ruedy Zgraggen enttäuscht: «Es ist ein herber Schlag für unser Unternehmen.» Bei der Grüngutsammlung handelt es sich laut seinen Angaben um einen Auftrag von 239 000 Franken pro Jahr. Alle 14 Tage werde das Grüngut gesammelt, drei bis vier Personen seien damit beschäftigt. «Wir können nicht mehr alle Personen beschäftigen», erklärt der Geschäftsführer des Attinghauser Unternehmens, das 1952 gegründet wurde und heute 22 Mitarbeiter zählt. Ob Kündigungen ausgesprochen werden müssen, sei noch unklar, erklärt Zgraggen.

Intensive Diskussion im Verwaltungsrat

Laut Edi Schilter, Geschäftsführer der Zaku, wurde bei den Zuschlagskriterien der Preis mit 70 Prozent gewichtet, die Ökologie mit 20 und Referenzen mit 10 Prozent. Bei der Ökologie sei im Wesentlichen der Abstand der Kippstelle Eielen bis zum Garagierstandort der Fahrzeuge der Anbieter bewertet worden. Alle unter 5 Kilometer, also alle Urner Anbieter, hätten die volle Punktezahl erhalten. Dies sei mit einer Ausnahme bei allen Anbietern der Fall gewesen, also auch bei der Recycling Center Wyrsch AG, die am Schluss gewonnen hat und ihre Fahrzeuge in Altdorf stationiert. Und auch die Referenzen bezüglich Erfahrung in der Abfallsammlung seien ausnahmslos vorhanden gewesen. Die Recycling Center Wyrsch AG habe diese mit ihrem Schwesterunternehmen aus Obwalden vorweisen können. «Am Schluss lief der Vergabeentscheid also gezwungenermassen auf den Preis hinaus», erklärt Schilter. Das Verfahren habe der Zaku als öffentlicher Organisation keinen Spielraum offe gelassen. Zwar habe der Verwaltungsrat intensiv diskutiert. Doch auch beim jetzigen Gewinner sei der Urner Bezug gegeben.

Bezüglich Kommunikation weist Schilter darauf hin, dass es das oberste Ziel gewesen sei, das Verfahren sauber durchzuführen. «Man setzt sich schnell Vorwürfen aus, wenn zuvor noch persönliche Gespräche mit einzelnen Anbietern durchgeführt werden.» Er weist aber darauf hin, dass der Vergabeentscheid – rund neun Monate vor dem Auslaufen der aktuellen Verträge – frühzeitig erfolgt sei und der Inhaber der Mattli AG im Oktober 2016 persönlich über das vom Verwaltungsrat beschlossene Vorgehen informiert worden sei.