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KANTON URI: Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart vermisst den Urner Föhn

Hanspeter Müller-Drossaart spielt nicht nur vor der Kamera und auf der Bühne. Mit einem zweiten Lyrik-Band stellt der 62-jährige Schauspieler mit Urner Wurzeln nun auch sein Talent als Mundart-Schriftsteller unter Beweis.
Markus Zwyssig
Hanspeter Müller-Drossaart ist auch als Autor ein guter Beobachter. (Bild: Mario Heller (24. August 2016))

Hanspeter Müller-Drossaart ist auch als Autor ein guter Beobachter. (Bild: Mario Heller (24. August 2016))

Interview: Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Hanspeter Müller-Drossaart wurde als Mario Corti in «Grounding», als kiffender Bundesrat in «Cannabis» und als «Dällebach Kari» im Film von Xavier Koller bekannt. Zurzeit spielt er in Zürich Robert Seethalers Roman «Der Trafikant» in einer rund 90-minütigen monologischen Fassung. Zu sehen ist das Stück im Sogar Theater in Zürich.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Müller-Drossaart in den Kantonen Uri und Obwalden. Nach «zittrige fäkke» mit Bezug zu Obwalden widmet sich sein zweiter Lyrik-Band nun der Urner Mentalität.

Hanspeter Müller-Drossaart, Ihr neuer Gedichtsband heisst «gredi üüfe». Machen Ihnen die Berge Angst?

Ich bin in Erstfeld aufgewachsen. Da ist das Tal einen Kilometer breit, auf beiden Seiten geht es steil nach oben. Im Winter hat man lange Zeit gar keine Sonne, das prägte einen in der Jugend. Anders wird es, wenn man in die Höhe steigt, da kann man in die Ferne sehen. Klar, mit ihrer wahnsinnigen Gewalt machen die Berge auch Angst. Den Namen «gredi üüfe» wählte ich als Titel für meinen Lyrik-Band, weil es zwei Worte sind, die Uri mit der Enge und der besonderen Topografie treffend beschreiben. Und genau diese Naturgewalten vermisse ich nun in der Stadt.

Was fehlt Ihnen vor allem?

Den Föhn vermisse ich sehr in Zürich. Den kennen die Städter nicht. Die jammern schon, wenn ein bisschen die Bise geht. Am schlimmsten war es für mich in Wien. Da hat es weit und breit keine Berge.

2015 erschien der Gedichtband «zittrige fäkke» im Obwaldner Dialekt. Jetzt folgt ein Lyrik-Band in Urner Mundart. Wo zieht es Sie mehr hin, nach Uri oder Obwalden?

In Obwalden bin ich geboren. Das sind meine ältesten Kindheitserinnerungen. Dann mussten wir zügeln, weil der Vater keine Arbeit hatte. Ich habe die Primarschule in Erstfeld absolviert. Mit 13 Jahren war ich im Internat im Kollegi Sarnen. Die Eltern wohnten noch lange in Erstfeld. Auch mich zog es immer wieder nach Uri. Während des Gymnasiums habe ich in einem Hotel in Wassen gearbeitet. Zudem war ich im Militär im Ürner Bataillon Geb Inf Bat 87.

Wo liegen die sprachlichen Unterschiede zwischen Uri und Obwalden?

Der Urner spricht viel gutturaler, bildet die Vokale stärker im Hals. In Obwalden perlt das mehr so hinaus. Da sind die Berge weniger hoch, darum reden die so viel.

Wie erleben Sie den Urner?

Der Urner ist alles andere als «geschwätzig», aber «gottlos ä Gmegigä». Er strahlt eine Ruhe aus. Es dauert, bis er fuchsteufelswild wird. Der Urner spricht nicht einfach darauflos wie ein Zürcher.

Ist der Gedichtband eine Liebeserklärung an den Kanton Uri?

Ja, sicher. Es sind viele heitere Texte drin, aber auch nachdenkliche. Es ist eine Liebeserklärung an die Sprache, die Menschen, die Landschaft und das Zusammenleben im Kanton Uri. Entstanden sind die Gedichte in einem halben Jahr. Dabei war ich sehr froh um den Computer. Man sieht sofort, wie das Sprachbild aussieht von dem, was man geschrieben hat.

Wie kamen Sie als Schauspieler zum Schreiben?

Ich habe immer wieder geschrieben. Es ist doch toll, wenn man als Schauspieler auch noch bestimmen kann, was man auf der Bühne erzählt. Ich habe viele Reden geschrieben und mehrere Kabarettstücke. Mir liegt es aber mehr, Gedichte zu schreiben statt ellenlange Texte. Beim Urner Lyrik-Band war ich froh um die Hilfe von Kollegen und Fachpersonen. Und natürlich habe ich bezüglich Schreibweise das Papstlexikon konsultiert.

Sie meinen wohl das Mundartwörterbuch von Felix Aschwanden. Ist das Pflicht, wenn man Gedichte im «Ürnertytsch» schreibt?

Das habe ich natürlich oft und gerne zur Hand genommen. Allerdings verwende ich in meinem Buch ein wenig eine andere Schreibweise als Felix Aschwanden. Ich brauche am Schluss des Wortes ein offenes e statt einem ä. Auch Germanist und Schriftsteller Peter von Matt hat mir empfohlen, so zu schreiben. Das hilft bei der Lesbarkeit der Gedichte. Und schliesslich bin ich dem Urner Schauspieler Walter Sigi Arnold dankbar, dass er meine Texte kritisch angeschaut hat.

Wo nehmen Sie Ihre Inspirationen für die Bücher her?

Vieles stammt aus der Erinnerung. Wenn ich an früher denke, kommen mir Momente mit Vater in den Sinn. Er war als Plattenleger viel unterwegs. Ab und zu durfte ich mich hinten auf seine Vespa setzen. Ich erinnere mich noch gut, wie wir gemeinsam nach Bristen fuhren. In Meiental holten wir roten Holunder. Mutter machte Gelee. Mein Gedichtsband ist aber nicht einfach ein Erinnerungsbuch. Das Buch lässt auch Themen anklingen, welche die Region beschäftigen. So habe ich die Geschichte eines Gemeindepräsidenten, der im Schächental einen Bagger vergraben hat, in eine moderne Sage verwandelt. Ich habe 140 Gedichte geschrieben, 90 haben es ins Buch geschafft. Es ist auch wie ein Volksbuch. Jedermann kann darin etwas finden.

Bei so viel Tatendrang folgt wohl bald ein weiterer Urner Gedichtband?

Als Nächstes habe ich andere Pläne. Vorgesehen ist es, einen Teil der Gedichte ins Hochdeutsche zu übertragen. Ich gebe viele Lesungen – im Herbst sind auch mehrere in verschiedenen Urner Gemeinden geplant. Es ist wichtig, dass man zu den Leuten geht. Mein Gedichtband in Obwaldner Dialekt ist inzwischen fast ausverkauft. Sowohl dem Obwaldner wie auch nun dem Urner Gedichtband liegt eine Hör-CD bei. Die kann man immer wieder hervornehmen, wie das Buch natürlich auch.

Hinweis
Die Vernissage des Gedichtbands «gredi üüfe» von Hanspeter Müller-Drossaart findet am Freitag, 18. Mai, 18 Uhr, im Haus für Kunst Uri in Altdorf statt. Das Buch ist unterwww.bildfluss.cherhältlich.

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