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KANTON URI: Sicherung wird wohl 5 Millionen kosten

Willy Reck vom Bundesamt für Strassen (Astra) erklärt, wo in der Schöllenen die Prioritäten gesetzt werden. Und welchen positiven Aspekt er dem Felssturz abgewinnt.
Interview Florian Arnold
Die Galerie Tanzenbein mit den heruntergefallenen Steinbrocken. (Bild Astra)

Die Galerie Tanzenbein mit den heruntergefallenen Steinbrocken. (Bild Astra)

Die Strasse zwischen Göschenen und Andermatt ist wohl bis Mitte Juli aus Sicherheitsgründen für sämtlichen Verkehr gesperrt. Der Grund: 900 Kubikmeter Fels haben sich am 20. Mai oberhalb der Schöllenenstrasse gelöst und die Lawinengalerie Tanzenbein beschädigt. Die Situation bleibt gefährlich. Denn am Hang lauern weitere 200 Kubikmeter Fels. Eine Sprengung kommt nicht in Frage. Gemäss Experten könnte dadurch eine unvorhersehbar grosse Menge Fels mitgerissen werden. Die Felsbrocken werden deshalb verankert. Projektleiter Willy Reck* äussert sich zu den Arbeiten.

Willy Reck, man hat sich für Sichern statt Sprengen entschieden. Wie gehen diese Arbeiten genau vor sich?

Willy Reck: In einem ersten Schritt wird der Kopfbereich des Felsgefüges freigelegt, um anschliessend die Erstsicherungsmassnahmen vorzunehmen. Dabei werden Anker eingesetzt. Der Baulogistik kommt eine grosse Bedeutung zu. Die Material- und Wasserversorgung erfolgt mit dem Heli. Die Arbeiter werden ebenfalls per Heli auf den Bauplatz geflogen.

Wer führt diese Arbeiten aus?

Reck: Es sind verschiedene auf Felsräumungen und -sicherungen spezialisierte Firmen vor Ort. Zurzeit werden täglich acht bis zehn Arbeiter eingesetzt.

Wie hoch schätzen Sie die Kosten der Sicherungsarbeiten?

Reck: Erste Schätzungen gehen von rund 5 Millionen Franken aus.

Wie sind die ersten Bohrungen am instabilen Felsen verlaufen?

Reck: Es funktioniert eigentlich sehr gut. Wir haben begonnen, 8 Meter lange Stangen im instabilen Felsen zu verankern.

Wie gross ist das Risiko für die Arbeiter bei den Sondierbohrungen respektive bei der Verankerung?

Reck: Grundsätzlich sind die Arbeiter auch an exponierter Lage den Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Für die Bohrung und die Verankerung werden aber spezielle Gerätschaften eingesetzt. Die Arbeiter befinden sich ausserhalb des eigentlichen Gefahrengebiets, denn die Sicherheit aller Beteiligten hat für uns oberste Priorität. Wir wollen möglichst keine Risiken eingehen. Die Arbeiten laufen im Zweischichtbetrieb und sind sehr anspruchsvoll. Deshalb werden nur erfah­rene Felsspezia­lis­ten eingesetzt.

Ist die Schöllenen für geologische Gut­achten besonders anspruchsvoll?

Reck: Geologische Gut­achten in den Alpen sind grundsätzlich anspruchsvoll. Die Schöllenen ist aber sicher eine sehr schwierig zu beurteilende Gegend respektive Strecke.

Auch die Linie der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) befindet sich im Schuttkegel, ist also ebenfalls einem gewissen Risiko ausgesetzt. Trifft man Vorkehrungen, um die prekären Stellen sicherer zu machen?

Reck: Die seit dem 21. Mai laufenden Sicherungsarbeiten dienen auch der MGB. Der MGB-Tunnel respektive die Galerie im Gefahrenbereich wurden nach dem Ereignis vom 20. Mai genau inspiziert.

Die Galerie trägt gegenwärtig eine grosse Überlast. Bereits ein relativ kleiner Felsbrocken kann sie zum Einsturz bringen. Ist es überhaupt möglich, eine Lawinengalerie in eine steinschlagsichere Galerie umzubauen?

Reck: Die Galerie Tanzenbein wurde nach dem Felssturz mit Rundholz gesichert. Es ist nicht geplant, sie zu einem späteren Zeitpunkt als Steinschlaggalerie auszubauen. Das wäre zwar technisch machbar, aber auch mit enormem finanziellem Aufwand verbunden. Es gilt auch bei solchen unvorhergesehenen und von der Natur diktierten Arbeiten eine Kosten-Nutzen-Abwägung vorzunehmen.

An einer Infoveranstaltung hat ein Einheimischer vorgeschlagen, die Galerie mit Stahlträgern zu verstärken. Haben Sie diese Variante geprüft?

Reck: Wir prüfen alle möglichen Varianten. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass der Sturzperimeter sehr gross ist.

Die Sanierung der Tanzenbein-Galerie ist ein Teilprojekt des laufenden Schöllenen-Projekts. Ändert sich jetzt etwas am Zeitplan des Gesamtprojekts?

Reck: Die Strecke zwischen Göschenen und Andermatt wird bis 2019 für rund 105 Millionen Franken in Stand gestellt. Wir überprüfen nach dem Ereignis vom 20. Mai die geplanten Massnahmen in der Schöllenen. Unser Ziel ist es aber nach wie vor, die Schöllenen keine Minute länger zu sperren als nötig. Die aktuelle Sperrung des Abschnitts Göschenen–Andermatt erlaubt uns, das Sanierungsprojekt schneller voranzutreiben. Wir haben die personellen Ressourcen aufgestockt, um einen Vorsprung auf den Terminplan herauszuholen. Die Sanierung der Tanzenbein-Galerie Süd ist 2015 geplant, diejenige der Galerie Nord im Jahr 2018. Der älteste Teil der Tanzenbein-Galerie beim Jostbach wird abgebrochen und durch einen normgerechten Ersatzneubau ersetzt.

Hinweis

Willy Reck (58) aus Altdorf ist Leiter des Astra-Projekts «Sanierung der Schöllenen».

Der Felssturz auf die Galerie Tanzbein zwischen Göschenen und Andermatt. (Bild Florian Arnold)

Der Felssturz auf die Galerie Tanzbein zwischen Göschenen und Andermatt. (Bild Florian Arnold)

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