Kanton uri
Starker Umsatzrückgang: Manche Gastronomen rechnen mit weiteren Entlassungen

Die Restaurantbetreiber in Uri werden von der aktuellen Lage teils schwer getroffen. Sechs Gastronomen wollen weitere Kündigungen aussprechen.

Lucien Rahm
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Ein ungewohntes Bild: Leere Plätze im Restaurant des Hotels Höfli in Altdorf.

Ein ungewohntes Bild: Leere Plätze im Restaurant des Hotels Höfli in Altdorf.

Bild: Florian Arnold (30. Dezember 2020)

Müssen die Urner Gastronomiebetriebe bald weitere Mitarbeiter entlassen? Zumindest einige von ihnen schätzen diesen Schritt angesichts der aktuellen Situation als unumgänglich ein. Zu diesem Schluss gelangt eine Online-Umfrage des Branchenverbandes Gastro Suisse von Anfang Monat, an der auch 43 der 130 Urner Verbandsmitglieder teilgenommen haben. Demnach gaben sechs Gastronomen an, in den kommenden zwei Monaten mit hundertprozentiger Sicherheit Kündigungen aussprechen zu müssen. Für drei Weitere liegt die Wahrscheinlichkeit für Entlassungen bei 50 bis 80 Prozent. Allerdings ist die Umfrage noch erfolgt, bevor der Bundesrat vergangene Woche bekanntgab, die Hilfe für hart getroffene Unternehmen auszuweiten.

Bereits im Verlaufe des vergangenen Jahres kam es zu Kündigungen bei den Urner Restaurants und Beizen. Ein Fünftel der Befragten gibt an, 2020 aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage Personal entlassen zu haben. Fünf Betriebe mussten diesen Schritt im November oder Dezember vollziehen. Schweizweit waren gemäss den Umfragedaten 35 Prozent der Branchenmitglieder zu Kündigungen gezwungen (von rund 3800 Umfrageteilnehmern). 57 Prozent davon sprachen solche in den vergangenen zwei Monaten aus.

Bisher keine Konkurse in Uri

Dass ganze Betriebe wegen der aktuellen Lage dicht gemacht werden mussten, kam im Kanton Uri laut der Umfrage bislang nicht vor. 5 von 38 Betrieben geben jedoch an, dass sie ihren Betrieb unbefristet eingestellt haben. Manche jener Gastronomen, die derzeit noch immer aktiv sind, sagen zudem aus, dass ohne finanzielle Unterstützung auch sie bald – zumindest vorübergehend – von der Bildfläche verschwinden würden. Zu dieser Aussage gelangen zwei Urner Betriebe, die in diesem Fall mit einer Schliessung im Februar rechnen würden. Bei sieben wäre dies offenbar im März der Fall. Die Betriebe können aktuell aber auf finanzielle Hilfe durch die Behörden hoffen (wir berichteten).

Ein anderer Teil der Umfrage befasst sich mit Problemen bei der Liquidität der Urner Gastrobetriebe. Hierbei gaben knapp 60 Prozent der 37 Betriebe, die diese Frage beantworteten, an, dass es um ihre flüssigen Mittel aktuell «schlecht bis sehr schlecht» stehe. In einem Monat werde dies gar bei fast 80 Prozent der Befragten der Fall sein. Was genau unter einer schlechten oder sehr schlechten Liquidität zu verstehen ist, schlüsselt die Umfrage nicht auf. Gastro Suisse wollte dies auf Anfrage nicht konkretisieren. Vor der Pandemie haben rund 90 Prozent der Befragten ihre Situation diesbezüglich noch als «gut bis sehr gut» eingestuft.

Starker Umsatzrückgang zum Jahresende

Eingebrochen ist erwartungsgemäss auch der Umsatz der Urner Restaurants und Beizen. Im Vergleich zum Jahr 2019 habe dieser im vergangenen Jahr noch 70 bis 79 Prozent betragen, geben 20 Prozent der Antwortenden an. Neun Betriebe sagen, der Umsatz 2020 habe 60 bis 69 Prozent von jenem des Vorjahres betragen. Und Bei 14 Betrieben (37 Prozent) lag er gar bei unter 50 Prozent des Umsatzes von 2019.

Im November und Dezember mussten die Gastronomen zudem noch grössere Einbussen hinnehmen, vergleicht man den jeweiligen Monatsumsatz mit der gleichen Periode im Jahr 2019. Knapp 65 Prozent der 37 darauf antwortenden Betriebe geben an, im November 2020 weniger als die Hälfte des Umsatzes gemacht zu haben, der noch im November 2019 möglich war. 16 Prozent geben an, im November gar keinen Umsatz gemacht zu haben.

87 Prozent der Befragten machten halb so viel Umsatz wie im Vorjahr

Noch drastischer hat sich die Situation im Dezember präsentiert, als der Bund die Öffnungszeiten zunächst einschränkte, bevor die Urner Restaurants dann – bis auf Take-away – gänzlich schliessen mussten. Von den 39 antwortenden Urner Betrieben sagen 41 Prozent aus, im Dezember nur 20 bis 39 Prozent des Umsatzes vom Vorjahresmonat erzielt zu haben. Bei zehn Prozent der Antwortenden resultierte gar kein Umsatz. Bei 87 Prozent der Betriebe betrug der Umsatz zudem weniger als die Hälfte von jenem des Dezembers 2019. Die Hoffnung, dass bald wieder eine Lockerung der Massnahmen möglich ist, dürfte bei den Gastronomen somit hoch sein.