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KANTON URI: Subventionen für Berggebiete sollen neu diskutiert werden

Wie soll mit Schweizer Berggebieten, die langsam aussterben, umgegangen werden? In einer neuen Studie fordert die Denkfabrik Avenir Suisse eine Diskussion ohne Scheuklappen.
Livio Brandenberg
Erschliessungen mit dem öffentlichen Verkehr – wie hier über den Klausenpass – sind für die Wohn- und Standortqualität der Bergregionen von grosser Bedeutung. (Bild: Florian Arnold (Klausenpass, 14. Juli 2015))

Erschliessungen mit dem öffentlichen Verkehr – wie hier über den Klausenpass – sind für die Wohn- und Standortqualität der Bergregionen von grosser Bedeutung. (Bild: Florian Arnold (Klausenpass, 14. Juli 2015))

Man kennt die Probleme auch im Kanton Uri: Abgelegene Berggemeinden – oft Randregionen genannt – kämpfen mit Überalterung, weil die Jungen in die Städte ziehen. Verbunden ist dies mit einer generellen Abwanderung, auch qualifizierter Arbeitskräfte, dem sogenannten «Brain drain», sowie mit hohen Infrastrukturkosten.

Die Situation verschärft hätten in den vergangenen Jahren «externe Schocks», etwa die Restriktionen der Zweitwohnungs­initiative, die der in den Berggebieten wichtigen Bauindustrie zu schaffen macht. Oder der starke Franken sowie die milden Winter, welche die Umsätze im Bergtourismus sinken lassen. Und zuletzt auch die Energiewende und niedrige Strompreise, welche die Profitabilität der Wasserkraft in Frage stellen. Analysiert hat diese «Schocks» die liberale Denkfabrik Avenir Suisse in der Studie «Strukturwandel im Schweizer Berggebiet», die Anfang Februar veröffentlicht wurde.

Sind in gewissen Fällen Subventionen wirkungslos?

Zur Abwanderung aus den Berggebieten fragen die Autoren bereits im Vorwort der Studie: «Ist diese seit längerem zu beobachtende Entwicklung ein natürlicher, nicht aufzuhaltender Prozess? Oder wäre der Versuch sinnvoll, das weitere Schrumpfen dünn besiedelter Bergregionen mit neuen Subventionen zu verhindern?» Die Antwort fällt klar und deutlich aus: Ein «blindes Ansubventionieren potenzial­armer Gebiete» löse keine Probleme. In einigen Regionen, in denen Abwanderung und wirtschaftliche Erosion stark ausgeprägt seien, etwa im Gotthardgebiet, seien reine Subventionen wirkungslos und zu teuer. Stattdessen fordert Avenir Suisse, man müsse auch über einen «geordneten Rückzug» aus gewissen Gebieten diskutieren können. Denn ein konstruktiver Umgang mit dem Thema werde bis heute durch eine jahrelange politische Tabuisierung erschwert.

Beim Service public gibt es Diskussionsbedarf

Bei der Urner Regierung hat man Kenntnis von der Studie, wie Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind (CVP) sagt. Er ist auch Mitglied der Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK), mit welcher der Regierungsrat in dieser Thematik schon lange zusammenarbeitet. Ihr gehören auch die Regierungen der Kantone Obwalden, Nidwalden, Glarus, Graubünden, Tessin und Wallis an.

Was sagt Camenzind zur Analyse, wonach für gewisse Gebiete über einen «geordneten Rückzug» diskutiert werden müsse, weil einfaches Subventionieren wirkungslos und zu teuer sei? «Wenn man die Aussage von Avenir Suisse auf diesen Satz verkürzt, wird man der Studie nicht ganz gerecht. Darin wird nämlich auch ausgeführt, dass es gleichzeitig darum geht, den Service public mit angepassten Angeboten sicherzustellen», so Camenzind. Hier bestehe aber sicher Diskussionsbedarf mit Avenir Suisse. Der entsprechende Austausch mit Avenir Suisse sei seitens der Gebirgskantone bereits aufgegleist worden.

Für die Aussage, die Probleme in den Berggebieten seien lange tabuisiert worden, hat Camenzind ein gewisses Verständnis: «Wir dürfen durchaus auch ein wenig selbstkritisch sein. Denn manchmal neigen auch wir dazu, reflexartig zu reagieren.» Wenn sich Unterstützungen in einem Gebiet nachweislich als wirkungslos erwiesen hätten, müsse man dieser Tatsache ins Auge schauen. «Ein Festhalten an bisherigen Unterstützungen bringt dann nichts.» Laut dem Volkswirtschaftsdirektor würde man bloss einen Bumerangeffekt provozieren, der einen später nur umso härter treffen würde. «Stellen wir uns der Diskussion, und suchen wir nach Alternativen», so Camenzind.

Gelder fliessen direkt in die Berggebiete

Als Beispiel, wie man die Täler im Stich lasse, wird im Kanton Uri hin und wieder die zwar 1987 beschlossene, aber nie gebaute Lawinen-Notfallstrasse im Meiental angeführt. Vor einer guten Woche erst beschrieb die «Wochenzeitung» in einem Artikel zum Thema, wie die Meientaler der Lawinengefahr bisweilen mit gefährlichen Automanövern trotzen. Urban Camenzind kontert: «Der Regierungsrat hat für den Ereignisfall im Meiental eine pragmatische Lösung mit einer Helikopterluftbrücke oder Hotelübernachtungen in Wassen festgelegt. Solche massgeschneiderten Lösungen erscheinen für uns ein guter Weg zu sein, um den schmalen Grat zwischen Kosten und Nutzen begehen zu können.»

Camenzind weist darauf hin, dass spezielle Anliegen und Bedürfnisse des Urner Berggebiets durchaus berücksichtigt, aufgegriffen und begleitet würden. So zahle der Bund und der Kanton Uri jährlich siebenstellige Beträge für Wohnhäuser, Ställe, Wege, Seilbahnen oder die Wasserversorgung aus, so Camenzind. Ein Grossteil dieser Gelder fliesse «direkt ins Berggebiet».

Öffentlicher Verkehr erhält «substanzielle Beträge»

Bund und Kanton würden Leistungen für die Erschliessung des Urner Berggebiets durch den öffentlichen Verkehr (Postauto, Auto AG Uri oder Matterhorn-Gotthard-Bahn) mit «substanziellen Beträgen» abgelten, so Camenzind. Dadurch werde die Wohn- und Standortqualität «massgeblich gefördert».

Auch beim Tourismus werde investiert, etwa in das Projekt San Gottardo, welches das touristische Potenzial im Gotthardraum entwickeln soll. «Die Berggebiete rund um den Gotthard und insbesondere auch in Uri profitieren von dieser Förderung, indem das touristische Angebot erweitert und optimiert und Wertschöpfung geschaffen wird», ist der Volkswirtschaftsdirektor überzeugt. Neben dem Entwicklungsschwerpunkt Andermatt/Gotthardraum würden gezielt touristische Projekte gefördert: «Die Entwicklung der Exportleistungen aus dem Tourismus ist ein Schwerpunkt der regionalpolitischen Strategie.» Als Beispiele nennt Camenzind die Beiträge an den Aufbau des Langlaufzentrums in Unterschächen oder die Sanierung des Naturcampings und der Badi-Anlage in Seelisberg. «Alle Urner Bergregionen können von Bundes- und Kantonsbeiträgen profitieren.»

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@luzernerzeitung.ch

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