KANTON URI: SVP wehrt sich gegen Nazi-Vergleich

Die SVP greife mit ihrem Fackelzug zu einem Mittel der Nazis, lautet der Vorwurf. Das lässt die Junge SVP Uri nicht gelten – und hält den Linken den Spiegel vor.

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Die Junge SVP Uri wehrt sich: Auch Treffen von Studenten- verbindungen –wie hier 2011 in Sursee – würden mit Fackelzügen inszeniert. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Junge SVP Uri wehrt sich: Auch Treffen von Studenten- verbindungen –wie hier 2011 in Sursee – würden mit Fackelzügen inszeniert. (Bild Corinne Glanzmann)

Am 19. Februar organisiert die Junge SVP (JSVP) Uri auf dem Unterlehn in Altdorf den Anlass «SVP bi dä Lyyt». Zum Auftakt ist ein Einmarsch der SVP-Bundeshausfraktion mit «Tryychlern» und Fackeln vorgesehen. Dieser Fackelzug hat am Wochenende im Kanton Uri für eine gehörige Portion Gesprächsstoff gesorgt. Einerseits äusserte sich SP-Landratskandidat Viktor Nager am Wahlpodium der «Neuen Urner Zeitung» im Altdorfer «Schlüssel»-Saal zur Aktion der JSVP Uri: «Mir macht es Sorgen, dass wir immer mehr nationalistische Tendenzen haben – in der Politik und in der Schweiz», sagte das Schattdorfer SP-Urgestein. Und: «Mir macht es aber auch Sorgen, wenn am kommenden Wochenende ein politischer Fackelzug durch Altdorf läuft, das finde ich eine furchtbare Vorstellung.»

Ins «braune Lager» geschoben

Tags zuvor war der geplante Fackelzug bereits von Karl Russi, Altdorf, in einem Leserbrief im UW (Titel «Das geht gar nicht!») thematisiert worden. «Jeder, der sich nur ein wenig mit der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts befasst hat, weiss, dass Fackelumzüge und Grossaufmärsche das Mittel der Nazis waren, um die breiten Volksmassen in ihren Bann zu ziehen», so Russi. «Ich bin mir sicher, dass das auch bis zur SVP durchgedrungen ist. Wenn nun die selbst ernannte Partei des Volkes bewusst auf dieses Mittel zurückgreift, muss sie sich nicht wundern, wenn sie ins ‹braune Lager› geschoben wird», schreibt Russi in seinem Leserbrief.

In einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung wehrt sich die Junge SVP Uri als Organisatorin des Fackelzugs gegen die Vorwürfe von Russi und Nager. Es sei verwunderlich, dass die JSVP und die SVP in Leserbriefen und bei einem Statement am Wahlpodium negativ erwähnt würden und dass Fackelzüge «in direkter Verbindung mit der ‹braunen Vergangenheit› in Deutschland» zu sehen seien. Auch Alpenschutzorganisationen hätten schon Fackelzüge veranstaltet. «Übrigens gab es beispielsweise auch zum Welt-Aids-Tag in Zürich oder von der Freiwilligen Feuerwehr Zug solche Umzüge», heisst es in der von JSVP-Uri-Präsident Fabio Affentranger, Altdorf, unterzeichneten Medienmitteilung. «Auch Treffen von Studentenverbindungen werden mit Fackelzügen inszeniert», hält Affentranger fest. Selbst die SP Wil habe im Jahr 2009 schon Fackelumzüge organisiert, und die SP im Kanton Genf habe am Solidaritätsmarsch mit Fackeln der Opfer von «Charlie Hebdo» gedacht.

Mit gleichen Ellen messen

«Es scheint, als gelten bezüglich der Organisation von Fackelzügen nicht für alle die gleichen Regeln», schreibt Affentranger. Der Wahlkampf im Kanton Uri sei in vollem Gange, der Ton werde rauer und der Wahlkampf emotionaler. «Mag sein, dass der Puls der Genossen in diesen Tagen im Wahlkampffieber etwas höher schlägt, aber versuchen wir doch trotzdem, überall mit den gleichen Ellen zu messen», so der JSVP-Uri-Chef.

Die SVP Uri und deren Jungpartei seien stets bemüht, einen fairen Umgang mit den politischen Gegnern zu führen. «Wir laden alle Urnerinnen und Urner herzlich zu unserem ‹SVP bi dä Lyyt› ein und freuen uns auf spannende Gespräche und Diskussionen zur aktuellen Politik», gibt sich Affentranger abschliessend gesprächsbereit.

Bruno Arnold