Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KANTON URI: Theater geht auf Hüttentour

Ein Stück über zwei ehemalige Extremkletterer soll für einen speziellen Theaterabend in den Bergen sorgen. Gezeigt wird das Theaterstück auch in drei Urner Berghütten.
Die beiden Schauspieler haben bei der Ringelspitzhütte (Graubünden) viele Zuhörer gefunden. (Bild: Howard Brundrett (Tamins, 14. August 2016))

Die beiden Schauspieler haben bei der Ringelspitzhütte (Graubünden) viele Zuhörer gefunden. (Bild: Howard Brundrett (Tamins, 14. August 2016))

Das Bergtheater «Einsame Spitze» hat seine Uraufführung am 4. Februar 2016 im Sogar Theater Zürich erlebt. Nach zwanzig Aufführungen im Unterland steigt das Bergtheater Rupf, Schnoz & Amrein in die Höhe. Vom Samstag, 22. Juli, bis Sonntag, 31. Juli, spielen die Akteure «Einsame Spitze» in sieben SAC-Hütten sowie im neu eröffneten «Medelina» in Curaglia und bei der Mittelstation Caischavedra der Bergbahnen Disentis. Erwartet werden zu den Aufführungen über 500 Personen.

Das Bergtheater-Publikum besteht aus allen sozialen Schichten aus dem deutschsprachigen Raum im Alter zwischen 25 und 75 Jahren.

Bestandesaufnahme des Lebens

Das Stück handelt von den beiden Männern Duri und Hitsch, Kletterfreunde in Jugendtagen, die sich nach einem langen Unterbruch und unausgesprochen gebliebenen gegenseitigen Verletzungen erstmals wieder treffen. Jeder war in der Zwischenzeit seine eigenen Wege gegangen, der eine als Single und Naturbüroleiter, der andere als Family-Man mit Mountaintrek-Firma. Als ehemalige Extremkletterer wollen sie es nun nach langer Funkstille kurz vor ihrem Fünfzigsten noch einmal wissen und wieder gemeinsam eine «richtige» Tour machen. Sie begeben sich dafür zu zweit in eine einsame Hütte, von der aus die finale Attacke gestartet werden soll. Ausgerechnet die heftige ­Alpinroute Paradise now soll es sein.

Die beiden Männer begehen dabei nicht bloss eine gefährlich fordernde Tour, sondern überhaupt den schmalen, sich dauernd neu bildenden Grat zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie hocken alleine in der SAC-Hütte, es ist der Abend vor der Tour. Sie reden (und trinken), was das Zeug hält, und auch schmerzhaft mehr als bloss das. Es läuft auf eine schonungslose Bestandesaufnahme ihres Lebens hinaus – die Bergtour wird zum Point of no Return. Im Stück geht es um Gipfel, Gefahr, Liebe, Zerwürfnisse, um das Leben überhaupt, um den Tod. Spät, vielleicht zu spät, merken sie, dass Gefahr nicht nur vom Berg droht, sondern vom Leben selber. Und sie merken immer mehr (wenn auch reichlich spät), was für ein gefährlich exponierter Grat das ist, auf dem dauernd der finale Absturz droht. Gespielt wird ein abschüssiges Stück oberhalb der Waldgrenze von Autor Roland Heer in Zusammenarbeit mit Gian Rupf und René Schnoz und in Co-Produktion mit dem Sogar Theater und dem Theater Chur.

Ein zeitgenössisches Theaterprogramm einer Stadt muss auch mit eigenen neuen zeitgenössischen Texten aufwarten können. «Einsame Spitze» von Roland Heer ist ein bombastischer Text voll mit Konflikten, Versöhnungen, Visionen und Katastrophen. Er reicht in die Zukunft und stellt die Frage nach dem individuellen Lebensentwurf des Menschen in der heutigen Zeit. Dabei spielen Fragen wie Familie, Tod, eigene Visionen, Liebe und Freundschaft eine wichtige Rolle. Kann die Freundschaft dieser beiden Männer am Berg schliesslich die Zeit und den Tod überdauern?

Es gibt wenige philosophische Theatertexte, die auf diese direkte Art und Weise in der Wunde der heutigen Wohlstandsgesellschaft herumwühlen und wehtun.

Mit den beiden Schauspielern Gian Rupf und René Schnoz sind zwei Darsteller auf der Bühne, die das urbane Leben genauso leben wie die Theaterarbeit in den Bergen. Das Stück vermag auch hier weiterzugehen und schliesslich die prozessorientierte Arbeit auf die Berge hinauf zu öffnen und auszuweiten.

Ein zeitgenössischer Theaterabend

Das Sogar Theater schafft dabei einen guten Raum, um das Publikum direkt und nah in die Szenen einzuführen und zu fesseln. «Warum steigt ihr auf Berge?», fragt Ludwig Hohl in seiner «Bergfahrt». «Um dem Gefängnis zu entrinnen», ist seine Antwort. Dieses Gefangensein im eigenen Kosmos wird hier durchleuchtet. Somit ist die Verbindung zwischen Theater, Text und Produktion eine glückliche Voraussetzung für einen grossartigen neuen und zeitgenössischen Theaterabend.

Gian Rupf und René Schnoz spielen die beiden ehemaligen Extrembergsteiger. Regie führt Achim Lenz. Die Ausstattung stammt von Nina Sophie Wechsler. Julian Sartorius sorgt für die passenden Sounds. Produktionsleiter ist Roland Amrein. (red)

Hinweis

Das Theaterstück «Einsame Spitze» ist am Mittwoch, 26. Juli, um 16 Uhr in der Sewenhütte, am Donnerstag, 27. Juli, in der Windgällenhütte und am 28. Juli in der Etzlihütte zu sehen. Die Spielzeiten in der Sewenhütte und der Windgällenhütte werden noch bekanntgegeben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.