Kanton Uri

Türen geschlossen, Führungen abgesagt: «Es schmerzt sehr, wenn eine Ausstellung zugeht»

Der «Lockdown light» trifft die Urner Museen ins Herz. Einige Aktivitäten sind dennoch weiterhin möglich.

Anian Heierli und Matthias Piazza
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Für alle ist die Situation ärgerlich: Für die Museen, die Künstler und die Besucher. Denn wegen der Coronamassnahmen sind die Ausstellungsräume seit dem 12. Dezember landesweit zu. Und der Bundesrat könnte den «Lockdwon light» am Mittwoch nochmals bis in den Februar verlängern.

Auch das Haus für Kunst Uri in Altdorf ist zurzeit wegen der Coronamassnahmen für Besucher geschlossen. Was aber nicht heisst, dass hinter den Mauern kein Leben stattfindet. Kunstvermittlung wird weiter praktiziert. Für Schulklassen gibt es eine Bewilligung: Sie dürfen trotz «Lockdown light» weiter ins Museum.

So führt der Altdorfer Künstler Adrian Flückiger gerade Workshops für Schüler durch, das sogenannte «Projekt Digital». Die Kinder und Jugendlichen drehen in Kleingruppen selber Animationsfilme. «Klar bin ich froh, dass wir die Kurse durchführen können», so Flückiger. «Bei der momentanen Situation weiss man nie, was stattfindet. Und ob man nach einer Absage auch bezahlt wird.» Für Kuratorin Barbara Zürcher ist klar: «Wir machen weiter. Dazu gehören auch administrative Aufgaben wie das Zahlen der Löhne, Abrechnungen und das Planen des laufenden Jahres.» Dennoch sei die aktuelle Situation auch für Kuratorin Zürcher schwierig.

Künstler Adrian Flückiger kann weiterhin Workshops durchführen.

Künstler Adrian Flückiger kann weiterhin Workshops durchführen.

Bild: Anian Heierli (Altdorf, 11. Januar 2021)

Mitgefühl mit den Kunstschaffenden

Sie zeigt sich solidarisch mit dem Kulturbetrieb: «Es schmerzt sehr, wenn eine Ausstellung plötzlich zugeht oder gar nicht erst stattfindet.» Da fühle sie immer auch mit den Kunstschaffenden mit. Sie glaubt an das authentische Erlebnis im Museum. «Etwas filmen und online stellen ist nicht dasselbe, wie wenn man persönlich vor Ort ist.»

Die Löhne werden im Haus für Kunst weiterhin bezahlt. Selbst Personal, das normalerweise an Ausstellungen auf Stundenbasis arbeiten würde, bekommt derzeit 80 Prozent seines Lohnes. Laut Zürcher war es aber trotz temporärer Schliessungen für alle ein strenges Jahr. Die Ungewissheit, die rollende Planung und die ausbleibenden Besucher, das alles kam zusammen. Zürcher sieht den Lockdown für Museen auch mit kritischen Augen. «Wir haben Platz, können Schutzkonzepte einhalten und werden nicht überrannt wie manches Skigebiet.» Womit sie aber nicht sagen will, dass man die Skigebiete schliessen soll. Sie denkt: «Die Kultur hat wohl einfach eine schwächere Lobby als der Tourismus.»

Viel Arbeit in geschlossene Ausstellung gesteckt

Mitten in der Weihnachtsausstellung musste auch das Historische Museum Uri seine Türen schliessen. «Das war schade und frustrierend wegen der grossen Arbeit, die dahinter steckte», sagt Kurator Rolf Gisler-Jauch. Leid tue es ihm für das Ausstellungsteam rund um Walti Bär und auch für die Besucher, die man nicht empfangen konnte.

Arbeit gibt es dennoch genügend: Dank der Erweiterung des Staatsarchivs wurde ein neues Depot bezogen. Das Inventar steht nun an, die Beleuchtung wird erneuert und man bekommt Brandschutz-Vorhänge. Zudem plant Gisler bereits die nächste Ausstellung. Gezeigt werden soll darin unter anderem das Schaffen des verstorbenen Grafikers Karl Iten. Der Künstler verfasste etwa das Buch «Uri - Land am Gotthard», das von der Dätwyler AG in Auftrag gegeben wurde. Die Ausstellung ist für Anfang Mai geplant. «Ich hoffe, wir dürfen dann wieder öffnen», so Gisler. «Wir können die Abstandsregeln problemlos einhalten.»

Wieder mehr Leben im Museum wünschen sich auch Kobi und Marlys Arnold. Das Ehepaar ist für die Abwartsarbeiten im Historischen Museum zuständig. «Gerade während der Weihnachtsausstellung war es unschön, wenn wir Anfragen absagen mussten», so die beiden 70-Jährigen. Zwar geht ihnen die Arbeit nicht aus. Denn staubig werden die alten Schätze auch ohne Besucher. Dennoch hoffen sie auf bessere Zeiten: «Uns fehlt der Kontakt zu den Gästen.»

Das Abwartspaar Kobi und Marlys Arnold in den Räumen des Historischen Museums Uri.

Das Abwartspaar Kobi und Marlys Arnold in den Räumen des Historischen Museums Uri.

Bild: Anian Heierli (Altdorf, 11. Januar 2021)

Urner Künstlerin hätte noch länger ausgestellt

Unter den vom Mini-Lockdown betroffenen Kunstschaffenden ist auch die Urnerin Nathalie Bissig. Sie hätte ihre Werke bis zum 7. Februar im Stanser Winkelriedhaus ausstellen sollen. Doch einen Monat nach der Eröffnung machte ihr Corona einen Strich durch die Rechnung und die Besucher mussten wegen den Massnahmen draussen bleiben. Stefan Zollinger, Leiter des Nidwaldner Museums und des kantonalen Amts für Kultur, bedauert die Situation: «Das Winkelriedhaus wäre jetzt im Winter gut besucht gewesen. Auch wegen unserer Dauerausstellung.»

Ebenso wäre das Festungsmuseum Fürigen in Stansstad derzeit gut besucht. Zwar ist es für die Besucher nur jeweils an den Wochenenden zwischen April und Oktober offen. «Doch im Winterhalbjahr haben wir normalerweise viele Führungen, die jetzt auch nicht stattfinden können.» Im Salzmagazin in Stans musste die kleine Dauerausstellung im Parterre zur Nidwaldner Geschichte geschlossen werden. Sonst würden hier das ganze Jahr über Führungen stattfinden. «Die Gesundheit geht vor», hält Stefan Zollinger fest. «Die vom Bundesrat verordneten Massnahmen tragen wir selbstverständlich mit.» Trotzdem spricht er von einer undifferenzierten Schliessung aller Einrichtungen. «Auch wenn ich Verständnis für einheitliche Regeln habe, sind solche Pauschallösungen problematisch, die für alle Museen gleich gelten – egal, ob gross oder klein.»

Ansteckungsgefahr sei in Museen kleiner

So sei die Ansteckungsgefahr in einem mittelgrossen Museum in Nidwalden, wo man sich frei bewegen könne, viel kleiner als etwa an einem Konzert, wo alle zur selben Zeit kämen und gingen und nahe beieinander sässen. «Ein Museum besuchen die Leute zu unterschiedlichen Zeiten», so Zollinger. In den Räumen könnten sie sich frei bewegen und gut verteilen. Der Tenor unter den Museen scheint also klar: Die Massnahmen schmerzen alle Beteiligten.