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KANTON URI: Urner Schafzüchter widersprechen Regierung

Die Schaf­züchter teilen die Meinung der Urner Regierung zum Wolf nicht. Die angestrebte Schutzquote lasse sich nicht erreichen.
Martin Uebelhart
Kleinviehzüchter setzen Fragezeichen hinter die Schutzmöglichkeiten für Schafe auf Alpen. (Archivbild Nadia Schärli)

Kleinviehzüchter setzen Fragezeichen hinter die Schutzmöglichkeiten für Schafe auf Alpen. (Archivbild Nadia Schärli)

Martin Uebelhart

«Wir befürworten, dass die SVP sich des Themas weiter annehmen will», sagt Matthias Stadler, Sekretär des Urner Kleinviehzuchtverbands zur Frage des Wolfes im Kanton Uri. Der Verband hat eine andere Meinung, als die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation vertritt (siehe Ausgabe vom 16. Juni). Natürlich könne man viele Alpen schützen, räumt Stadler im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Doch müsse man sich fragen, ob sich dies wegen des zusätzlichen Aufwandes etwa für das Einzäunen überhaupt noch lohne. Zudem könnten die Schafe dann nicht mehr ganz frei herumlaufen. «Am schönsten ist es für die Schafe und im Übrigen auch für Kühe oder Geissen, wenn sie sich in einem grossen Gebiet frei bewegen können. Dann drehen sie am Tag ein, zwei Runden und lassen sich dort nieder, wo es ihnen gefällt.»

Probleme auch mit Hunden

Zu hören sei mitunter auch die Behauptung, die Bauern seien zu faul, um sich mit Herdenschutzhunden zu befassen. Dagegen wehrt sich Stadler. Und weist darauf hin, dass es noch zu wenige entsprechend ausgebildete Hunde gebe. Zudem könnten mit den Tieren zusätzliche Probleme zu Tage treten: «Die Leute, Wanderer zum Beispiel, müssen wissen, wie man sich gegenüber den Hunden richtig verhält, wenn sie bellend ihrer Aufgabe nachgehen, die Schafe zu schützen.» Sonst sei man eventuell dazu gezwungen, die Wanderung abzubrechen oder woanders durchzumarschieren.

Bund und Kanton würden gescheiter etwas gegen den Wolf unternehmen, bevor die Gelder in anderen Bereichen der Landwirtschaft fehlten, in denen Spardruck herrsche. Die durch den Wolf verursachten Kosten könnten enorme Höhen erreichen.

Theo Zurfluh, Schafzüchter aus Isen­thal, hat dazu genaue Vorstellungen: «Die Wolfsbefürworter sollen pro Riss 2000 bis 3000 Franken bezahlen.» Wenn der Staat die Wölfe wolle, soll er sich auch um sie kümmern. Das Raubtier brauche sein Futter. Wenn es ihm an einem Ort nicht gelinge, seine Beute zu reissen, versuche er es eben anderswo.

Grosser Aufwand für Hobbyzüchter

Matthias Stadler hält fest, dass es im Kanton Uri viele Hobby-Schäfer gebe. «Sie haben 20, 30 oder vielleicht 40 Schafe.» Werde der Aufwand für den Schutz zu gross, müssten sie ihr Hobby überdenken. Zurfluh weiss von einem Schafzüchter im Bekanntenkreis, der deswegen bereits aufgegeben hat, ein anderer wolle das tun, sollte der Wolf nochmals zuschlagen.

Ins Reich der Märchen verbannt Zurfluh die Aussage der Regierung, für 95 Prozent der gesömmerten Schafe sei ein Herdenschutz möglich. «Das stimmt hinten und vorne nicht.» Im vergangenen Jahr sei bei genau einer Alp – der Unteralp im Urserntal – der Herdenschutz nach allen Regeln der Kunst gemacht worden. «Doch funktioniert hat es nicht», hält Zurfluh fest.

Stress für die Schafe

Der Schutz mit Hunden sei auch nicht so einfach, wie es sich zuweilen anhöre, betont er. Derzeit versuche man im Isenthal zwei Hunde an einem Hang für den Herdenschutz einzusetzen. «Doch einer der Hunde bleibt nicht oben», weiss Theo Zurfluh. Auch er selber überlegt sich, wie es mit seinen Schafen weitergehen soll. «Wenn ich jeden Tag die Schafe anderthalb Kilometer zum Einstallen hinuntertreiben muss und anderntags wieder hinauf, ist das ein enormer Zeitaufwand», gibt er zu bedenken. Und: «Die Schafe sind dann Langstreckenläufer anstatt Schwinger.» Will heissen, sie brauchen länger für die Mast. Wenn man sie immer herumjagen müsse, setzten sie weniger an. «Das ist für die Tiere ein Stress», sagt Zurfluh. Auch der zeitliche Aufwand, den er hatte, nachdem Ende Mai ein Wolf sieben seiner Schafe getötet oder so schwer verletzt hat, dass sie erlöst werden mussten, werde ihm nicht bezahlt. Lediglich der Wert der Tiere werde ersetzt. Nach dem Vorstoss werde vom Regierungsrat in Aussicht gestellt, sich für die Abgeltung des Zeitaufwandes einzusetzen.

Theo Zurfluh ist überzeugt, dass in den Bergen wegen der Topografie ein wirksamer Herdenschutz gar nicht möglich ist. Als Beispiele nennt er die Surenenalp, wo man «gespannt» sei. Der Wolf könne in einer Nacht von Obwalden her dorthin gelangen. Viele Schafe würden derzeit auch bei der Lidernenhütte gesömmert. Unten sei alles gut eingezäunt. «Doch von oben hat der Wolf gleich aus mehreren Richtungen freie Bahn.» Ihm habe noch niemand erklären können, was der Wolf nütze, meint Theo Zurfluh.

Realistische Einschätzung

Naturgemäss anders klingt es bei der Gruppe Wolf Schweiz, die sich für die Grossraubtiere einsetzt. «Die Urner Regierung hat eine sehr realistische Einschätzung der Wolfssituation abgegeben», sagt Präsident David Gerke auf Anfrage. Insbesondere hebt er den Aspekt hervor, dass wolffreie Zonen nicht praktikabel seien. Im Kanton Uri gebe es Alpen, die sich gut schützen liessen. Insbesondere bei kleineren Alpen müsse man sich jedoch die Frage stellen, ob sie weiterhin bestossen werden können.

Zu den Vorschlägen der Urner Regierung zur Anpassung des Wolfskonzepts hält Gerke fest, dass die Abgeltungen für den Herdenschutz angemessen seien und auch immer wieder angepasst worden seien. Schlecht oder gar nicht sei hingegen bis jetzt der Mehraufwand bei der Arbeit für den Herdenschutz honoriert worden. «Da muss man schauen, ob es Modelle gibt, mit denen man dies besser lösen kann», so Gerke.

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