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KANTON URI: Urner Taxis erhalten Konkurrenz

An der Fasnacht haben die Urner Taxifahrer viel zu tun. Mühe bereiten ihnen aber nicht die betrunkenen Gäste. Viel mehr ärgern sie sich, dass immer wieder ausserkantonale Taxis auftauchen.
Salome Infanger
Mit seinem Taxi Muh sieht sich Martin Muheim wachsender ausserkantonaler Konkurrenz gegenüber. (Bild: Salome Infanger (Altdorf, 22.AABB22Februar 2017))

Mit seinem Taxi Muh sieht sich Martin Muheim wachsender ausserkantonaler Konkurrenz gegenüber. (Bild: Salome Infanger (Altdorf, 22.AABB22Februar 2017))

Salome Infanger

salome.infanger@urnerzeitung.ch

Die Fasnachtszeit macht Martin Muheim keine Sorgen. «Wir werden hoffentlich viele Aufträge haben, und Betrunkene sind sowieso zu jeder Jahreszeit gute Kunden von uns», sagt er einen Tag vor der «Ytrummletä». Der 56-jährige Altdorfer ist seit vier Jahren selbstständiger Taxifahrer und bringt seine Kunden ans Ziel, wenn andere Verkehrsmittel keine Option mehr sind. Die einen haben getrunken und können nicht mehr selber Auto fahren, die anderen müssen in aller Früh zum Flughafen gelangen, wenn noch kein Zug fährt.

In Uri fahren viele Taxifahrer nur am Wochenende, wenn ihre Dienste gefragter sind als während der Woche. Streit über Standorte gebe es aber unter den Urner Taxifahrern auch am Wochenende nicht. «Wenn bereits drei Taxis beim Telldenkmal stehen, warte ich eben nicht auch noch dort», sagt Muheim. In Uri existieren keine offiziellen Taxiparkplätze, und somit haben die Taxis auch keinen festen Standort. Das Geschäft werde vor allem über den treuen Kundenstamm gemacht und nicht über den besten Standort. Die Auftragslage ist auch vom Wetter abgängig. Bei Regen entscheiden sich die Leute eher für ein Taxi.

Ausserkantonale Taxis sorgen für Unmut

Urner Taxis teilen sich die Gäste jedoch nicht nur untereinander. Vermehrt bieten auch ausser­kantonale Taxiunternehmen ihre Dienste in Uri an. Muheim sieht kein Problem darin, wenn Taxis von Nidwalden oder Schwyz aus Gäste im Kanton Uri abholen oder sie hierherbringen. Immer mehr befördern aber diese ausserkantonalen Unternehmen auch Personen innerhalb des Kantons. Uri kennt kein Gesetz, das diese Vorgehensweise verbieten würde. Dennoch sind die hiesigen Taxifahrer nicht erfreut darüber.

Nehat Rexhepi ist Geschäftsführer von Taxi Keti in Brunnen und sowohl im Kanton Schwyz als auch in Uri präsent. Da der Kanton Schwyz nach wie vor die Polizeistunde kenne, gebe es nach Mitternacht schnell weniger Taxigäste, sagt Rexhepi. «Uri ist für uns eine Möglichkeit, diese Lücke zu kompensieren und unsere acht Fahrzeuge kapazitätsmässig voll auszulasten.» Ausserdem hätten ihm viele junge Urner mitgeteilt, dass die Wartezeiten in ihrem Kanton an den Wochenenden zu lang seien. Das sei auch mit ein Grund gewesen, in den Nachbarkanton zu expandieren.

Zwei Fahrzeuge in Uri eingelöst

Weil bei Rexhepi und seinem Team viele Reklamationen von Urner Taxifahrern über die in Schwyz eingelösten Fahrzeuge eingegangen sind, hat er nun zwei seiner Taxis mit Urner Nummerschildern ausgestattet. Zudem ist er seit Anfang 2016 im Urner Handelsregister eingetragen. Die Urner Kunden gewinne er vor allem über sein bestehendes Netzwerk, das ihn weiterempfehle. «Es ist verständlich, dass die Urner Taxifahrer nicht damit einverstanden sind», sagt Rexhepi, «aber jeder kämpft halt auch für sein eigenes Geschäft.»

Muheim arbeitet mit Claudine zusammen. Sie übernimmt die Nachtschicht, er fährt vor allem tagsüber. Bei grossen Anlässen am Wochenende, wenn Muheim seine Schicht schon frühmorgens beginnt, sind sie gleichzeitig im Einsatz. Der Personentransport ist wie in allen Taxiunternehmen Muheims Hauptgeschäft. Mit seinem Anhänger bietet er aber auch Kurierfahrten bis über die Landesgrenzen hinaus an, oder er überbringt Laborwerte vom Kantonsspital Uri ins Spital nach Luzern. «Manchmal fühle ich mich aber auch wie ein Arzt oder Psychiater», sagt der ehemalige Gleisbauer. «Wohin wollen Sie?», sei zwar die einzige Frage, die er zu Beginn stelle. Trotzdem erzählten ihm die Kunden oft ihr halbes Leben.

Taxifahrer müssen gut zuhören können

Auf die Frage, wann er einen Gast ablehne, sagt Muheim: «Grundsätzlich lasse ich alle Kunden einsteigen.» Nur wenn er bedroht werde oder schon vor dem Einsteigen sehe, dass sich ein betrunkener Gast jeden Moment übergeben müsse, rät er ihm, zu einem späteren Zeitpunkt nochmals anzurufen. «Aber Plastiksäcke habe ich für Partywütige immer dabei», sagt er mit einem Schmunzeln.

Vollzeit-Taxifahrer haben es schwer

Die meisten Gäste seien anständig, und er schätze auch den Kontakt mit den Leuten ver­schiedenster Altersklassen, sagt Muheim. Es gebe aber auch unangenehme Gäste. «Einige von ihnen beleidigen mich am Telefon, wenn ich nicht sofort zur Stelle bin.» Oft höre er auch aggressive Vorwürfe, er verlange zu viel für seine Dienste. «Wenn ich für eine Fahrt von Altdorf nach Erstfeld 30AABB22Franken verlange, beschweren sich viele Kunden.» Den Leuten sei häufig nicht bewusst, dass Taxifahrer hohe Versicherungsbeiträge für die Fahrzeuge zahlen und vor allem auch vom Fahren leben müssten. Dazu komme, dass er an manchen Tagen nicht einen einzigen Auftrag ausführen könne. Als Vollzeit-Taxifahrer könne er von seinen Einkünften gerade so leben.

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