Kanton Uri

Verkauf von Ruag Environment: Regierungsrat kann nur beschränkt Einfluss nehmen

Die Regierung hat sich bemüht, Lösungen für eine Weiterführung des Geschäfts der Ruag Environment AG im Kanton Uri zu finden – jedoch ohne Erfolg.

Markus Zwyssig
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Das Ruag-Areal im Schattdorfer Rynächt.

Das Ruag-Areal im Schattdorfer Rynächt.

Bild: Urs Hanhart (Schattdorf, 2. November 2020)

Die Regierung wusste von den Schwierigkeiten der Ruag Environment AG und habe sich aktiv um Lösungen bemüht. Dies hält sie in ihrer Antwort auf eine Interpellation von Viktor Nager (SP, Schattdorf) fest. Vor rund drei Jahren hatte das Unternehmen demnach schon einmal Versuche unternommen, Käufer für die Ruag Environment AG zu finden. «Solche wären vorhanden gewesen», schreibt die Regierung. «Die Vertragsverhandlungen waren aber nicht erfolgreich.»

Bei einem Treffen mit der Ruag MRO Holding AG im Juni hatte die Volkswirtschaftsdirektion Kenntnis davon erhalten, dass das Produkt- und Dienstleistungsportfolio der Ruag Environment AG nicht zum Leistungsauftrag der Armee und damit auch nicht mehr zum Kerngeschäft der Ruag MRO Holding AG gehöre. Deshalb soll die Ruag Environment AG im Rahmen eines Entflechtungsprozesses verkauft werden. Zum Zeitpunkt des Treffens bestand bereits Kontakt zu einem Kaufinteressenten.

Frühere Kaufinteressenten zeigten kein Interesse mehr

Die Volkswirtschaftsdirektion versuchte, mit den früheren Kaufinteressenten Kontakt aufzunehmen und Lösungen für eine Weiterführung des Geschäfts der Ruag Environment AG im Kanton Uri zu finden. «Leider bestand kein Interesse mehr, sodass die Bemühungen erfolglos blieben», so die Regierung. Die Volkswirtschaftsdirektion stand seither in engem Kontakt mit der Ruag und hat mehrere Gespräche geführt. Dabei habe man stets mit Nachdruck auf sozialverträgliche Lösungen hingewirkt. «Der Kanton kann als öffentliche Hand jedoch einen Verkauf eines Unternehmens zwischen privaten Parteien nicht verhindern.»

Ruag Environment ist schliesslich an die Thommen Group verkauft worden. Sie wird in die lmmark AG eingegliedert. Die Regierung hatte Kontakt mit der neuen Besitzerin. Anfang Oktober fand ein Treffen von Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind und Amtsvorsteher Christian Raab mit dem CEO der Ruag MRO Holding AG, Andreas Berger, und dem CEO der Thommen Group, Tobias Thommen, statt. Die Volkswirtschaftsdirektion werde den Kontakt weiterhin pflegen und nach bestmöglichen Lösungen für den Standort und die Mitarbeiter suchen, wird in der Antwort versichert. Doch die Regierung relativiert: «Die Möglichkeiten für die Einflussnahme auf die mittelfristige Planung der Immark AG Schattdorf sind beschränkt.»

Langfristiger Erhalt der Arbeitsplätze scheint fraglich

Mit der Übernahme der Ruag Environment AG durch die Thommen Group AG kann der Betrieb vorerst aufrechterhalten werden. Es sei jedoch fraglich, ob es sich um einen langfristigen Erhalt der Ausbildungs- und Arbeitsplätze handle. Sollte die Immark AG Schattdorf die unbefristete Weiterführung garantieren können, sei ein Einsatz von finanziellen Mitteln aus dem Wirtschaftsförderungsfonds prüfbar. «Andernfalls muss ein Engagement seitens der öffentlichen Hand zurückhaltend und kritisch beurteilt werden», so die Regierung. Sie versichert: «Die Volkswirtschaftsdirektion wird weiterhin den aktiven Kontakt pflegen und auf eine längerfristige Weiterführung des Betriebs in Uri hinwirken.» Der Entscheid über die Fortführung liege letztlich jedoch bei den Eigentümern.

Die rund 40 Arbeitsplätze der Ruag im Bereich Munitionsentsorgung und Armeeausrüstung sind hingegen derzeit gesichert. Das bestätigt das Unternehmen auf Nachfrage der Volkswirtschaftsdirektion. Die Ruag beabsichtige nicht, sie an andere Standorte zu verlagern.

Industriezone Schächenwald: Preise sorgen für Kritik

Die Ruag gibt in Uri aber auch noch aus anderem Grund zu reden. Denn die Preispolitik der Ruag Real Estate AG für die Industriezone Schächenwald gibt immer wieder Anlass für Reklamationen. Das bestätigt die Regierung in ihrer Antwort. Bestehende Mieter, aber auch interessierte Unternehmen für Land im Baurecht hätten sich verschiedentlich bei der Volkswirtschaftsdirektion über zu hohe Mietkosten oder Baurechtszinsen beschwert. Die Volkswirtschaftsdirektion hat denn auch das Thema mehrmals mit der Ruag Real Estate AG angesprochen. Die Ergebnisse waren aber offensichtlich eher ernüchtern: «Die Gespräche haben kaum zu Änderungen bei der Preispolitik geführt.»