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KANTON URI: Vom «Fassdudäli» bis zum Snowboard

Zum Skilaufen und vor allem anfänglich zum Skifahren behalf man sich mit Fassdudäli. In Uri wurden anfänglich auch Holzskier hergestellt. Der Inglin-Belag wurde schweizweit bekannt. Die Skimode kleidete die Frau erstmals mit der Hose.
Rolf Gisler-Jauch
Skifahrergruppe im Gebiet Nätschen-Gütsch. Die Alltagskleidung hatte anfänglich auch fürs Skifahren zu dienen. Die sportliche Betätigung brachte den Frauen dann bald die Hose, die sich im Alltag jedoch erst in den 1960er-Jahren durchzusetzen begann. (Bild: Jean Haemisgger (Staatsarchiv Uri, Bilddokumente 128.13-BI-34379).)

Skifahrergruppe im Gebiet Nätschen-Gütsch. Die Alltagskleidung hatte anfänglich auch fürs Skifahren zu dienen. Die sportliche Betätigung brachte den Frauen dann bald die Hose, die sich im Alltag jedoch erst in den 1960er-Jahren durchzusetzen begann. (Bild: Jean Haemisgger (Staatsarchiv Uri, Bilddokumente 128.13-BI-34379).)

Rolf Gisler-Jauch

redaktion@urnerzeitung.ch

Wer den Skisport pflegen wollte, musste anfänglich zur Selbsthilfe greifen, denn viele, vor allem die Jugend, konnten sich die teuren Norweger-Skier nicht leisten. Fassbesitzer mussten zur Kenntnis nehmen, dass noch recht gute Fässer einen völlig neuen Verwendungszweck fanden. Unternehmungslustige Buben liessen solche Fässer verschwinden und ver-wendeten die weggetrennten Fassriemen zur Herstellung von Fassdudäli. Die Wölbung von der Fassform war schon gegeben. Die Fassriemen wurden mit Äxten, Stechbeuteln und Messern sorgfältig zugespitzt. Als Bindung diente ein Lederriemen, der aufgenagelt wurde und der Schuhspitze gerade Platz bieten sollte. Es wurden jedoch auch alte Schuhe direkt auf das Holz genagelt. Mit den Fassdudäli machten noch lange Kinder die ersten Fahrversuche auf Schnee.

Doch nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch die Erwachsenen waren am Experimentieren und versuchten aus selbstgezimmerten Brettern das neue Sportgerät herzustellen. Prädestiniert für die Holzskifabrikation in kleiner Auflage waren Schreiner und Wagner. Das Holz der Esche galt als für die Skifabrikation am besten geeignet. Es ist schwer und hart mit guten Festigkeitseigenschaften. In Silenen versuchte sich Schreiner Michael Wipfli als Ski­fabrikant. In seiner Werkstatt fertigte er Eschenski mit unförmig grossen Spitzen und dem flach aufliegenden Mittelstück.

Die gebogenen Ski des Wagners Emil Hegi

Wagner Emil Hegi in Andermatt befasste sich im Jahr 1900 damit, auch im Urserental Ski herzustellen. Zusammen mit Fuhrhalter Edwin Meyer begann er mit der Skifabrikation. In einer Waschküche wurden 2,20 Meter lange, 8,5 Zentimeter breite und 3,5 Zentimeter dicke Eschenholzbretter in einem Waschhafen so lange gekocht, bis sich vorn die Spitzen aufbiegen liessen. Dann wurden diese Bretter seitlich von Hand ausgesägt und wieder in heissem Wasser gekocht, um die Biegung in der Skimitte zu erreichen. Damit diese mühsam hergestellten Biegungen erhalten blieben und um die Poren des Eschenholzes zu schliessen, wurden die Bretter mit heissem Leinöl eingestrichen. Dann wurden sie gehobelt: eine Führungsrille in der Lauffläche sowie zwei Filet-Striche als Verzierung auf der Oberfläche. Für den Anstrich wurde Malermeister Karl Beer aus Hospental zugezogen. Die Filet-Striche wurden mit Grafit schwarz angefärbt und dann folgte noch einmal eine Behandlung mit heissem Leinöl. Zuletzt wurden die Skier mit Bootslack lackiert. Die Poren des Eschenholzes wurden ganz geschlossen, sodass kaum mehr Schneewasser eindringen konnte. Nach Emil Hegis Tod (1934) wurden dessen Skier in den 1930er-Jahren noch an den Militär-Patrouillenläufen gefahren.

Armee als grosse Ski-Abnehmerin

1934 wagte der Altdorfer Josef Inglin mit seiner Frau Maria und seinem Schwager Karl Knüsel die Gründung der Firma lnglin & Knüsel (Urlit AG). In einem gemieteten Lagerschuppen der SBB beim Bahnhof Altdorf begann die Fabrikation von Kunststoffteilen auf einer Spritzgussmaschine. Die Palette der von vier bis sechs Arbeitern produzierten Artikel reichte von Spulen für die Drahtindustrie, Velogriffen, Lederersatz für Schuhabsätze, Fussballstollen, Isolatoren für elektrische Viehzäune bis hin zum Dauerbelag für Skis. Die Räumlichkeiten im Lagerschuppen wurden jedoch schon bald zu eng, und die Firmengründer entschlossen sich zu einem Fabrikneubau in der Nähe des Bahnhofs Altdorf (ehemalige Bandweberei Streiff). Inzwischen stieg die Belegschaft auf bis zu 30 Personen an. In die Zeit des Umzugs fiel auch der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Die Armee wurde nun zu einem grossen Abnehmer der Inglin-Skis. Trotz des in Europa tobenden Kriegs konnte man sich in diesen allgemeinen Rezessionsjahren nicht über Arbeit beklagen. Das Fabrikgebäude wurde erneut zu klein, und da während des Krieges kein Zement erhältlich und somit an eine Vergrösserung des Fabrikgebäudes nicht zu denken war, verlegte man 1945 die Fabrikation nach Flüelen in das leer stehende Fabrikgebäude der Zwirnerei Iten.

Der Inglin-Belag als revolutionäre Erfindung

Jetzt wurde das Skigeschäft für die Firma sehr wichtig. Der Inglin-Belag stellte auf diesem Sektor eine revolutionäre Erfindung dar: Er erübrigte grundsätzlich das Wachsen. Die rohen Holzski wurden der Firma Inglin & Knüsel geliefert. In der Fabrik in Flüelen wurde diesen der Belag aufgepresst sowie die Ski mit Kanten und Bindungen versehen. Die Inglin-Ski waren sodann in drei verschiedenen Ausführungen, «Elast», «First» und «Tempo», hell gebeizt, hellbraun und rot erhältlich. Die Verkaufspreise der Ski lagen Anfang der 1950er-Jahre zwischen 160 und 203 Franken. Schon während der Kriegsjahre wurde der Inglin-Ski von Offizieren, Skilehrern und vor allem von der erfolgreichen Skirennfahrerin Antoinette Meyer aus Hospental aufs Härteste erprobt. Diesbezügliche Erfahrungen und Lob teilte man dem Hersteller mit. Es konnte festgestellt werden, dass der Ski in allen Schneearten mit gleicher Geschwindigkeit zu fahren war und gegen Steine sehr widerstandsfähig sei; nur im nassen Neuschnee brauche es etwas Paraffin. Ein begeisterter Skifahrer schrieb nach Flüelen: «Im Sulzschnee fahren sie mit einem ab, dass man sie fast nicht halten kann!» Die Werbetrommel wurde mit Sprüchen gerührt: «Mit Inglin-Ski bergab und -auf, gewannst du Slalom-, Sprung- und Streckenlauf!»

Metallski aus Amerika halten Einzug

In den Nachkriegsjahren erschien dann mit dem Metallski eine neue, revolutionäre Erfindung aus Amerika auf dem Skimarkt. Josef Inglin erkannte schnell, dass diese Erfindung das Ende seiner Produktion bedeuten musste, denn Versuche zeigten, dass sich der Inglin-Belag nicht auf dem Metallski befestigen liess. Das Skigeschäft wurde aufgegeben. Dem Skibelag ist es jedoch zu verdanken, dass der Name Inglin schweizweit bekannt geworden ist. Er blieb auch ein Begriff, nachdem die Skifabrikation eingestellt worden war. Aus der anfänglich grossen Zahl von skiproduzierenden Schreinereien entstanden schweizweit auch einige grössere Skiproduzenten wie Authier, Schwendener, Attenhofer oder Stöckli. Nur Stöckli konnte jedoch im internationalen Wettbewerb bestehen.

Von der Meerrohr- zur Sicherheitsbindung

In den Anfängen des Skisports kannte man nichts anderes als die Meerrohrbindung. Vorne hielten Backen die Schuhe fest, hinten sorgten Meerrohre für mehr oder weniger guten Halt. Die Vorrichtung gestattete, bergauf die Absätze neben den Ski im Schnee einzuhaken. Die Spezialisierung der Skidisziplinen wurde von der Anpassung der Skibindung begleitet, die sich vor allem durch unterschiedliche Befestigungsarten des Schuhs am Ski auszeichneten. Bei den nordischen Skisportarten sowie beim Telemark wurde der Schuh nur mit der Schuhspitze am Ski befestigt, während die Ferse frei blieb. Bei alpinen Skisportarten wurden dagegen sowohl Schuhspitze als auch Ferse mit dem Ski verbunden. Für Tourenski entstand eine spezielle Kombination aus Sicherheits- und nordischer Bindung, die Tourenbindung. Die Skibindung wurde immer wichtiger für die Sicherheit des Sportlers, weshalb die Alpinskibindung heute als Sicherheitsbindung bezeichnet wird. Das Wachsen bereitete in den Anfängen des Skisports kein grosses Kopfzerbrechen. Wer etwas zu verstehen glaubte, behandelte die Gleitflächen mit Leinöl, das mit Petrol gemischt wurde, sowie mit Bienenwachs. Dem Skistock war vor allem beim «Stockreiten» grosse Bedeutung zugekommen. Er war zwei- bis zweieinhalb Meter lang, bestand aus Bambus, und wies unten eine Stahlscheibe auf. Indem man ihn bei der Abfahrt zwischen die Beine klemmte, konnte man das Tempo regulieren. Mit den eleganten Schwüngen Telemark und Christiania wurden die Skistöcke zum Paar, bestanden aus einem Haselstock mit Schneeteller aus Meerrohr und Leder.

Snowboarder bringen frischen Wind in Mode und auf Piste

Das Ski-Outfit (siehe auch Box «Emanzipationsgeschichte»), das man morgens anzog, trug man bis zum Dinner, so auch die Krawatte. Erst ab Mitte der 1930er-Jahre entwickelte sich spezifische Skibekleidung. Mit schmaler geschnittenen Hosen (Keilhosen) und Strickwaren – noch aus herber Wolle – begann die Skimode, dem Bedürfnis nach Bewegungsfreiheit zu entsprechen. Funktion und Eleganz sollten verbunden werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Skimode richtig Fahrt auf. Die Schnitte wurden sportlicher, die Farben knalliger. Mitte der 1950er-Jahre wurden die ersten synthetischen Fasern verwendet. Die Ski­bekleidung wurde funktional. Dazu kamen die nötigen Accessoires wie Brillen, Mützen und Handschuhe.

Die Skikleider hatten jedoch immer noch einen Nachteil: Man schwitzte darin oder fror erbärmlich. Man konnte sich nur mit verschiedenen Kleiderschichten behelfen. Mitte der 1970er-Jahre gelang diesbezüglich ein wichtiger Durchbruch: wasserabweisende und winddichte Materialien mit gleichzeitig optimierter Atmungsaktivität kamen auf den Markt und revolutionierten die Wintersportmode. Es konnte nun auf der Skipiste und beim Après-Ski modisch nicht verrückt genug zu- und hergehen. Der Einteiler wurde erneut populär. Ende der 1980er-Jahre erschienen die ersten Snowboarder mit ihren Brettern. Sie brachten nicht nur die Mode durcheinander. Die Wintersportgebiete passten sich langsam der neuen Sportart an und akzeptierten die neue Nutzung der Pisten. Seit 1998 ist das Snowboarden in mehreren Disziplinen olympisch.

Mitte der 1990er-Jahre wurde auch das Laufen und Wandern mit Schneeschuhen wieder eine Trendsportart. Nach 100 Jahren kehrte dieses Sportgerät in den Wintersport zurück. Im Gegensatz zu früher ist das Schneeschuhlaufen mit stark verbessertem Gerät kein Muss, sondern ein Vergnügen. Tourismusorte und Gastgewerbe haben sich auf diesen Sport entsprechend eingerichtet.

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