Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KANTON URI: Vom «Gurtenlift» zur Gondelbahn

Damit der Skisport die Massen anziehen konnte, waren Aufstiegshilfen notwendig. 1937 nahm am Nätschen der erste Skilift in Uri den Betrieb auf. Skigebiete hatten grosse Mühe, um die Kosten für Anlagen, Pistenfahrzeuge und Wartung zu decken.
Rolf Gisler-Jauch
Seit 1937 konnte man sich mit dem Skilift auf den Gütsch hochziehen lassen. Die Skifahrer hatten einen Sitzgurt anzuziehen. An diesen hängte der Angestellte ein Seil und klinkte dieses am Zugseil ein. (Bild: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

Seit 1937 konnte man sich mit dem Skilift auf den Gütsch hochziehen lassen. Die Skifahrer hatten einen Sitzgurt anzuziehen. An diesen hängte der Angestellte ein Seil und klinkte dieses am Zugseil ein. (Bild: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

Rolf Gisler-Jauch

redaktion@urnerzeitung.ch

Das Skivergnügen bestand immer mehr in den Abfahrten. Andermatt lag an der im Juli 1926 durchgehend eröffneten Furka-Oberalp-Bahn (FO). Während der Wintersaison bis Mitte Februar setzte die FO Sportzüge vom Bahnhof auf den Nätschen ein. An die Bahnfahrt schloss sich die Abfahrt mit den Skiern nach Andermatt hinunter an. Die Entwicklung des Skifahrens hin zum Breitensport und zum Massentourismus begann jedoch erst mit dem Bau von technischen Aufstiegshilfen mit hohen Frequenzen.

Der erste Skilift der Schweiz wurde 1934 in Davos erstellt. Drei Jahre später fand sich in Andermatt ein Initiativkomitee zusammen mit dem Ziel, als Erweiterung des Skigebietes am Nätschen einen Skilift zu erstellen. Drei Andermattner Hoteliers und zwei Sporthausbesitzer sowie zwei Engländer des bekannten «White Hare Ski Club» aus London gründeten die Skilift Nätschen-Gütsch AG mit einem Aktienkapital von 67000 Franken. Der Skilift mit dem kleinen Restaurant bei der Talstation konnte im Herbst 1937 erstellt und am 26. Dezember in Betrieb genommen werden. Es war erst der dritte Skilift in der Schweiz. Andermatt, eine Hochburg des nordischen und militärischen Skisports, war damit auch für den alpinen Wintersport bereit. Doch es gab zuerst zwei Rückschläge zu verkraften. Das Restaurant fiel im ersten Betriebsjahr einem Brand zum Opfer und 1939 trat Europa in den Zweiten Weltkrieg.

Einer der stärksten Skilifte der Welt war am Winterhorn

Der Wintersport erlebte in den späten 1950er-Jahren einen starken Aufschwung. Nebst dem Tagestourismus erfreuten sich Wintersportaktivitäten als Ferienbeschäftigung steigender Beliebtheit. Im Winter wurde überall Gelegenheit geboten, unter Anleitung patentierter Skilehrer und in Skischulen das Skifahren zu erlernen. Skitage und Skilagerwochen für Schulkinder bürgerten sich ein. Waren vor dem Krieg tüchtige Skifahrer an den Fingern abzuzählen, wimmelte es nun auf der Skipiste von Skikanonen, Pistenhirschen und Skihäschen. Dieser Trend hinterliess auch im Urserntal seine Spuren. In den drei Gemeinden entstanden eigene Skigebiete.

Andermatt hat mit dem bis 2963 Meter über Meer reichenden Gemsstock noch einen zweiten Hausberg, der bisher als Skitourenberg bekannt war. 1960 erfolgte die Gründungsversammlung der Luftseilbahn Andermatt-Gemsstock AG (LAG). Die erste Sektion zum Gurschen und der Skilift Gurschenalp konnten bereits im Februar 1962 dem Betrieb übergeben werden. Im Juni 1963 fuhren die roten Kabinen erstmals bis zum Gipfel hinauf. Auch der Hospentaler Hausberg, das Winterhorn (2661 Meter über Meer), sollte in ein Skigebiet umgewandelt werden. Der 1960/61 in Betrieb genommene Skilift der Sportbahnen Winterhorn AG war auf einer Trassenlänge von 1320 Metern einer der längsten und zugleich der stärksten Skilifte der Alpen – ein Rekord, mit dem man gerne Werbung machte. Im Urserntal entstanden zudem Skiliftanlagen in Realp und auf der Oberalp.

Rückgang der Skitouristen führte in einen Teufelskreis

Nach der durchgehenden Eröffnung der Gotthard-Autobahn im Jahre 1980 war Andermatt für die Wintersportler viel besser und schneller erreichbar. Die Bedeutung des Wintersports als touristische Freizeitgestaltung begann sich jedoch langsam zu wandeln. Es erfolgte ein allgemeiner Rückgang an Touristen. Bei den Verbleibenden stiegen die Ansprüche an das Skifahren. Man suchte mehr Abwechslung und wollte aus einer Vielzahl von Liftanlagen und Abfahrten auswählen können. Luft- und Gondelbahnen mit geschlossenen Kabinen sowie Sessellifte erschlossen in der Schweiz und im nahen Ausland immer höhere und entlegenere Skigebiete.

Das Konkurrenzverhältnis verschärfte die Situation vor allem für Kleinskigebiete. Man sah sich auf einmal mit der sinkenden Rentabilität der Anlagen bei steigenden Betriebskosten konfrontiert. Man versuchte durch eine Modernisierung der Anlagen die Konkurrenzfähigkeit im Kampf um Skifahrer zu erhalten und so mögliche wirtschaftliche Einbussen zu minimieren. Man begab sich in einen Teufelskreis: Fahrpreiserhöhungen sollten die Einnahmerückgänge kompensieren und die Kostendeckung erreichen. Höhere Preise bei gleichem Angebot führten jedoch zu einem weiteren Rückgang der Fahrgastzahlen. Ohne die notwendigen Einnahmen fehlten den Betreibern die Mittel für umfangreichere Investitionen in die Anlagen.

Am Winterhorn pfiff ein kalter Wind. Der Betrieb wurde defizitär. Die Sportbahnen Winterhorn AG sah sich trotz Erneuerung und Ausweitung der Anlagen sowie Umstrukturierungsmassnahmen gezwungen, 1995 Konkurs anzumelden. Drei aufeinanderfolgende Initiativen zur Rettung und Weiterführung der Anlagen hatten keinen Erfolg.

Zum Auf- oder Absteigen wurde der Skilift abgestellt

Anfang der 1980er-Jahre erstellte eine zweite neu gegründete Gesellschaft am Nätschen einen Sessellift, der vom Dorfrand von Andermatt direkt ins Skigebiet führte. Dort sollte gleichzeitig mit zwei Doppelbügel-Liften die Attraktivität des Skigebiets gesteigert werden. Die Investitionen standen jedoch in keinem guten Verhältnis zu den Betriebseinnahmen. 1990 musste die Skilift Nätschen-Gütsch AG eine gewaltige Überschuldung ausweisen. Im Zuge der Sanierung schlossen sich die beiden Gesellschaften, die am gleichen Berg Sessel- und Liftanlagen betrieben, zur Sportbahnen Andermatt Nätschen-Gütsch AG (SANG) zusammen. Es erfolgten weitere Fusionen bis hin zum neuen Skigebiet «Skiarena Andermatt-Sedrun».

In den 1950er-Jahren wurden auf den Eggbergen (1955) oberhalb von Altdorf sowie an den Hängen des sonnenseitigen Schächentals (Biel 1951) neue Seilbahnanlagen erstellt. Die bereits 1932 entstandene Seilbahnanlage auf das Ratzi wurde ausgebaut. Weiter entstanden Luftseilbahnen aufs Haldi (1934/59), aufs Brüsti (1948) und auf Gitschenen (1957). Diese Anlagen hatten in erster Linie den Zweck, die dauernd besiedelten Heimet sowie Alpgebiete zu erschliessen. Wirte sowie die Seilbahngenossenschaften strebten für den Winter steigende Frequenzen an. Auf ihre Initiative hin entstanden bei der Bergstation Skiliftanlagen. Es handelte sich dabei vorerst um kleinere Lifte. Sie wurden von einem Benzinmotor angetrieben, hatten Holzmasten und zum Teil nur zwei Bügel – einer ging hinauf, der andere herunter. Zum Auf- oder Absteigen wurde der Lift jeweils abgestellt. Einmal angelassen, fuhr dieser dann sehr schnell. Sogar gute Skifahrer brauchten das nötige Geschick, um auch oben anzugelangen. In den 1960er-Jahren wurden diese Lifte durch grosse Anlagen mit elektrischem Antrieb, Metallmasten und Zweierbügeln ersetzt. Die Steigerung der Kapazitäten war nicht einfach. Beim Ausbau der Seilbahn auf das Biel im Jahre 1975 war eine Kapazität von 35 und 15 Personen vorgesehen. Finanzielle Gründe liessen jedoch nur eine Erweiterung auf Achterkabinen zu. 2007 erfolgte der Spatenstich für die neue Sesselbahn im Skigebiet. Nach mehreren schwierigen Jahren wurde die finanzielle Lage der Biel-Kinzig AG Sportbahnen jedoch prekär. Sanierungsmassnahmen waren nötig. Der Betrieb soll durch eine Auffanggesellschaft weitergeführt werden.

Im sonnigen Urigen, im hintersten bewohnten Gebiet des Schächentals, wurden ebenfalls Versuche unternommen, ein Skigebiet zu errichten. Hier war keine Seilbahn nötig, sondern die Talstationen waren auf der Klausenstrasse zu erreichen. Vier Männer aus Unterschächen übernahmen die Initiative und das Risiko, im Gebiet Mysburg hinter Urigen einen Skilift zu erstellen. Im Winter 1967/68 konnte der Betrieb zwar aufgenommen werden, wegen des sehr schlechten Wetters und eines verheerenden Lawinenniedergangs mit vier Todesopfern war die Strasse nach Urigen über drei Wochen gesperrt. So hatte der Skilift schon im ersten Betriebsjahr eine sehr schlechte Ertragslage zu verkraften. Ein zweiter Lift wurde beim Posthotel Urigen errichtet. Beide Anlagen mussten den Betrieb im Laufe der Zeit jedoch einstellen. Die Skigebiete waren zu klein, um die Kosten für Anlagen, Pistenfahrzeug, Personal und Wartung zu decken.

Pistenfahrzeuge und Kunstschnee

In den ersten Jahren des Skibetriebs wurden die Pisten mit Hilfe von Skiern durch Feststampfen des Schnees präpariert. Je häufiger gefahren wurde, desto breiter wurden die Pisten. Wirt und Skiliftbetreiber Hans Bissig studierte auf den Eggbergen an einer Konstruktion eines Pistenfahrzeuges herum. Zusammen mit einem Holländer wurde ein Hürlimann-Traktor zu einem Pistenfahrzeug umgebaut. Als Erster im Kanton Uri schaffte er dann eine Pistenmaschine (Ratac S) an. In den 1960er-Jahren tätigten auch weitere Skigebiete diese notwendig gewordene Investition. Mit dem Skisport zog auch die Sorge um den Schnee ins Land. Im November 1978 wurde in Savognin die erste grosse Beschneiungsanlage der Schweiz in Betrieb genommen. Schneekanonen sorgten allmählich auch in Uri für Kunstschnee – als Ergänzung zu Frau Holles weisser Pracht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.