Kanton Uri
Wenn die Praxis fehlt: So manches stellt Lehrabgänger derzeit vor Herausforderungen

Es ist wieder so weit: Die Lehrabschlussprüfung für viele Lernende in Uri steht an. Einige von ihnen plagt jedoch Unbehagen, denn ihnen fehlt zurzeit vor allem eines: die Möglichkeit, praktisch zu üben.

Kristina Gysi
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Für die Menschen in der Gastronomie war es ein ernüchternder Entscheid, den der Bundesrat am 24. Februar der Öffentlichkeit verkündete: Ihre Betriebe bleiben bis auf weiteres geschlossen. Und so stehen einige der Lehrlinge, die bald ihre Lehrabschlussprüfung (LAP) absolvieren möchten, vor einem Lernvakuum, das eine zentrale Frage aufwirft: Wie übe ich für die praktische Prüfung?

Zurzeit unmöglich: Lady Dnkha (stehend) bei der Arbeit im «Fomaz».

Zurzeit unmöglich: Lady Dnkha (stehend) bei der Arbeit im «Fomaz».

Bild: PD

Auch Lady Dnkha stellt sich diese Frage derzeit. Die 30-Jährige absolviert gerade ihr drittes Lehrjahr als Restaurantangestellte im Restaurant Fomaz in Altdorf – im Juni wird sie ihre Lehrabschlussprüfung antreten. Nur leider kann sie nicht gut für den praktischen Teil dieser Prüfung lernen. «Etwa viermal die Woche tun wir so, als ob wir bedienen würden und spielen alles durch», erklärt sie. Jedoch sei das etwas ganz anderes, als wenn man Tag für Tag etliche Male dieselben Vorgänge üben könne – mit Gästen, Personal, richtigen Abläufen und richtigen «Pannen», die Improvisation erfordern. «Sonst machen wir hundertmal am Tag das gleiche, dann bleibt das im Kopf», sagt die Lernende. Ob diese Einschränkungen bei der praktischen Prüfung berücksichtigt werden – etwa durch eine weniger strenge Bewertung – kann sie nicht sagen. Und das löst Druck aus: «Ich bin verunsichert und gestresst, weil ich nicht weiss, was auf mich zukommt», so Dnkha.

Und der Entscheid des Bundesrats? Die Lernende ist zwar froh, dass das Restaurant Fomaz als Integrationsprojekt des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK finanziell gut abgesichert ist und sie keine Lohneinbussen hat. Trotzdem macht ihr die Situation zu schaffen: «Es ist sehr schwierig. Wir dachten wirklich, dass wir am 1. März wieder aufmachen können», sagt sie. «Wenn wir arbeiten, dann lernen wir auch.»

Schlechtere Noten durch Homeschooling

Ebenfalls betroffen – wenn auch im kleineren Ausmass – sind die Auszubildenden im Detailhandel. Auch sie hatten während des letzten Jahres mit geschlossenen Lehrgeschäften zu kämpfen, konnten weniger Praxiserfahrung sammeln als üblich. Felicia Gaggiotti, Lernende der Imholz Sport AG in Bürglen, sagt: «Eine gewisse Unsicherheit ist schon da.» Jedoch habe sie durch die zwei vorigen Jahre schon genügend praktisches Geschick erlangen können, um einigermassen locker an diesen Teil der Prüfung gehen zu können. Trotzdem hoffe sie, dass die Einschränkungen bei der LAP berücksichtigt würden – im praktischen, und vor allem im theoretischen Teil. «Das Ganze hat ja noch im zweiten Lehrjahr angefangen», so Gaggiotti. «Und das zweite und dritte Lehrjahr sind besonders wichtig, da dort die Schulnoten zur Abschlussprüfung zählen.» Durch das Homeschooling habe man wohl teilweise nicht dieselben Leistungen erbringen können, wie man sie normalerweise geliefert hätte. Deshalb: «Lieber mit Maske in die Schule als ohne Maske im Homeschooling.» Passend zu diesen Worten hallt die Klingel des Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri durch die Gänge.

Von links: Jasmin Gisler, Felicia Gaggiotti, Sabine Fedier und Anita Tetaj am Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri.

Von links: Jasmin Gisler, Felicia Gaggiotti, Sabine Fedier und Anita Tetaj am Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri.

Bild: Kristina Gysi (Altdorf, 25. Februar 2021)

Auch Anita Tetaj hatte mehr mit dem Homeschooling zu kämpfen, als dass sie zu wenig Praxiserfahrung hätte sammeln können. Die Detailhandelslehre bei Herzog Mode in Altdorf ist ihre zweite Ausbildung, davor hat sie bereits eine Lehre zur Detailhandelsassistentin abgeschlossen. «Durch meine Erstausbildung habe ich bereits eine gute Routine und viel Übung, deshalb macht mir die praktische Prüfung wenig Sorgen», sagt sie. Wirklich Angst habe sie aber vor dem theoretischen Teil. «Für mich war das Homeschooling sehr schlimm, weil ich in der Schule viel besser lerne», sagt sie. Zudem sei alles umständlicher gewesen, da Fragen nicht direkt, sondern via E-Mail oder Teams gestellt wurden, und so alles komplizierter war als üblich. «Lehrlinge, die letztes Jahr ihre Abschlussprüfungen absolvierten, hatten wirklich Luxus», so Tetaj. «Es wäre schön gewesen, wenn man es dieses Jahr noch einmal gleich gemacht hätte.»

Sabine Fedier und Jasmin Gisler sind in der gleichen Klasse wie Gaggiotti und Tetaj. Bei ihnen hört es sich ähnlich an: «In der Schule ist man halt mehr dabei im Unterricht, deshalb war das Homeschooling nicht so vorteilhaft», so Fedier. Und Gisler ergänzt: «Wir müssen jetzt wohl einfach ein bisschen mehr lernen, um durchzukommen.»