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KANTON URI: «Wilde Bergführer» machen den Urnern Sorgen

Die vergangene Saison bescherte den Urner Bergführern wieder unvergessliche Momente mit ihren Gästen. Weniger Freude bereiten ihnen die Pläne für Wildruhezonen im Fellital sowie «wilde Bergführer».
Paul Gwerder
Eine Grafik zur Skiroute durch das Fellital.

Eine Grafik zur Skiroute durch das Fellital.

Paul Gwerder

redaktion@urnerzeitung.ch

28 Bergführer, darunter die einzige Urner Bergführerin, Andrea Lorenz, und einige Gäste trafen sich am Freitagabend zur GV des Urner Bergführervereins im Hotel Alpina in Unterschächen. Einleitend erwähnte Präsident Martin Planzer, dass bis ins vorige Jahrhundert das Schächental in Sachen Alpinismus regelrechtes «Niemandsland» war. «Das ist schon erstaunlich, denn hier befindet sich mit der Ruchennordwand die grösste zusammenhängende Kalkwand der Alpen, aber vielleicht war diese Wand für die Bergsteiger einfach zu schroff und abweisend», vermutete der Präsident.

Heute ist das anders. «Mit dem Aufkommen des Sport- und Steileiskletterns sind die Routen beginnend bei der Selezerfluh bis hin zum Glatten ein Begriff, und insbesondere die Eisfälle im Brunnital sind heute weit über die Landesgrenze bekannt», so Planzer. Besonders auffällig sei, dass bis heute erst rund ein halbes Dutzend Bergführer, davon das dienstälteste Aktivmitglied Karl Gisler, von den rund 60 Urner Bergführern aus dem Schächental kamen. In diesem Jahr hat kein Urner die Bergführerausbildung abgeschlossen, dafür dürften es im nächsten Jahr zwei jetzige Aspiranten sein.

«Das vergangene Jahr war für die Urner Bergführer nicht schlecht», hielt Planzer fest. «Obwohl wir zuerst lange auf den Schnee warten mussten, gab es schon Anfang Sommer die besten Verhältnisse für Hochgebirgstouren, und wir konnten unseren Gästen wieder unvergessliche Momente bescheren.»

Einen besonderen Dank sprach der Präsident seinen Kollegen aus, die in der alpinen Rettung an vorderster Front mithelfen. Aber auch bei gefährlichen Felssicherungsarbeiten sei die Hilfe der Bergspezialisten von grossem Wert.

Mit Bewilligungen gegen schwarze Schafe

Etwas mehr Sorgen bereiten dem Verein die «wilden Bergführer», die ohne die entsprechende Ausbildung und zu Dumpingangeboten Leute in die Berge führen. «Ein gutes Mittel dagegen ist die Bewilligung im Rahmen des Risikosportartengesetzes, die jeder aktive Bergführer braucht und von der Urner Sicherheitsdirektion ausgestellt wird», sagte Planzer. «Grundsätzlich gehört das Bergsteigen nicht zu den Risikosportarten, aber mit der Bewilligung für Bergführer können wir unseren Beruf gegen die ‹Schwarzführerei› besser schützen», glaubt der Vorsitzende. «Anfänglich gab es zwar ein paar Unstimmigkeiten, da einige Fachkurse irrtümlich nicht eingetragen wurden und deshalb die Bergführer erst nach einer Intervention zu ihrem Recht kamen», erklärte Planzer.

Die Bergführer, auch jene aus anderen Ländern, brauchen diese Bewilligung, damit sie gewerbsmässig ihrem Beruf nachgehen können. Diese muss dann alle vier Jahre wieder erneuert werden.

Eine der bekanntesten Skitouren im Kanton Uri, die Abfahrt von der Fellilücke nach Gurtnellen, ist in Gefahr. So sehen es jedenfalls die Bergführer. Es gibt Pläne, wonach in diesem Gebiet eine neue Wildruhezone geplant werden soll. Grund dafür sind Kompensationen gegenüber den neuen Skipisten im Skigebiet Andermatt-Sedrun. Klar ist nur, dass mit der Skigebietserweiterung hinauf zum Schneehüenderstock die Skiabfahrt mit mehr als 1000 Metern Höhendifferenz von der Fellilücke künftig nun besser erreicht werden kann.

Ebenfalls zur Diskussion steht, ob im benachbarten Riental auch eine Wildruhezone ausgeschieden wird. Auch der SAC zeigt sich wenig begeistert über diese Pläne, denn im Fellital sind bereits heute nur ganz wenige Routen für Skitourenfahrer erlaubt und eine weitere Einschränkung für viele nicht mehr tolerierbar. Für die Bergführer wäre dies jedenfalls eine Katastrophe, wenn die Skitour über die Felli­lücke nicht mehr angeboten werden könnte.

Botschafter für Uri und die ganze Schweiz

«Heute habe ich einen wunderbaren Einblick in die Tätigkeit des Bergführerberufs erhalten und kann damit sagen, dass Sie die besten Botschafter für Uri und die ganze Schweiz sind», sagte Alexandra Kälin, Generalsekretärin der Urner Sicherheitsdirektion und zuständig für das Bewilligungsverfahren.

Ein anderer wichtiger Botschafter, Bergführer Daniel Arnold, war ebenfalls an der Versammlung dabei. «Ich komme immer sehr gerne hierher, denn da sind meine Wurzeln. Neben meinen Expeditionen ist es mir selber ein grosses Bedürfnis, meinen Gästen wie in diesem Jahr an rund 80 Tagen die Schönheit der Berge beim Klettern zeigen zu können», sagte Arnold.

Seine persönlichen Ziele seien dieses Jahr nicht alle gelungen, sagte Arnold weiter. So habe er die Besteigung des Ogre 1 über den Ostpfeiler in Pakistan wegen schlechter Bedingungen abbrechen müssen. «Klar bin ich heute enttäuscht, aber ich bin überzeugt, dass ein zu oft eingegangenes, objektives Risiko einmal nicht mehr gut ausgehen könnte», so der Bergführer. «Und persönlich finde ich es wichtig, dass man auch einmal Nein sagen kann.»

Umso glücklicher zeigte sich Arnold über die Erstbegehung einer spektakulären Route Mitte März in der Matterhorn-Nordwand zusammen mit Alexander Huber. Die Route mit dem Namen Schweizernase zieht sich wie ein überdimensionaler Riss durch eine langgezogene überhängende Wandzone.

«Persönlich finde ich es wichtig, dass man auch einmal Nein sagen kann.» Daniel Arnold, Bergführer (Bild: Paul Gwerder)

«Persönlich finde ich es wichtig, dass man auch einmal Nein sagen kann.» Daniel Arnold, Bergführer (Bild: Paul Gwerder)

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