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Ja zur Initiative: Kanton Uri will Raubtieren an den Kragen

Deutliche Zustimmung zur kantonalen Volksinitiative «Zur Regulierung von Grossraubtieren im Kanton Uri»: 70,2 Prozent spricht sich für die Anpassung der Kantonsverfassung aus. Damit sich aber in der Praxis etwas ändert, muss zuerst das eidgenössische Parlament an die Arbeit.
Florian Arnold
Die Regulierung von Grossraubtieren kommt nun in die Urner Kantonsverfassung. (Bild: PHOTOPRESS/WWF)

Die Regulierung von Grossraubtieren kommt nun in die Urner Kantonsverfassung. (Bild: PHOTOPRESS/WWF)

«Der Kanton erlässt Vorschriften zum Schutz vor Grossraubtieren und zur Beschränkung und Regulierung des Bestands. Die Förderung des Grossraubtierbestands ist verboten.» Diese beiden Sätze finden neu den Weg in die Urner Verfassung. Das hat das Volk überdeutlich bestimmt: mit 70,2 Prozent Zustimmung (6061 Ja- zu 2570 Nein-Stimmen) zur Volksinitiative «Zur Regulierung von Grossraubtieren im Kanton Uri». 33,6 Prozent der Stimmberechtigten gingen an die Urne.

Am deutlichsten Ja sagte Unterschächen (96,1 Prozent Ja-Stimmen), gefolgt von Isenthal (93,2) und Spiringen (88,8). In Altdorf war die Zustimmung mit 55,4 Prozent zwar am geringsten, trotzdem aber noch deutlich, gefolgt von Seelisberg (62,4) und Sisikon (64,5).

Für Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti entspricht das Resultat den Erwartungen. «Es war vor der Abstimmung schon klar, dass das Thema den Urnern Sorgen bereitet», so Moretti. Er betont aber: «Der Handlungsspielraum ist momentan sehr klein.» In den Abstimmungsunterlagen war zu lesen: «Die Forderungen der Initiative sind bereits durch die geltende Gesetzgebung grösstenteils erfüllt.» Und: «Die Bundesgesetzgebung lässt den Kantonen keinen Spielraum, um eine eigene Grossraubtierpolitik zu betreiben. Die Möglichkeit für eine kantonale Regelung ist äusserst klein.»

Nun heisst es abwarten

Wie Moretti sagt, gilt es nun, abzuwarten: «Wir werden die geforderte Verschärfung in den kantonalen Vorschriften anpassen, sobald die Jagdgesetzgebung auf eidgenössischer Ebene revidiert ist.» Diesbezüglich tut sich was auf nationaler Ebene: Im Ständerat ist eine Anpassung bereits diskutiert worden. Momentan liegt der Ball beim Nationalrat. Angedacht ist, dass Wolfs- und Luchsbestände künftig einfacher reguliert werden können. Die Regierung hätte es nicht zuletzt wegen der Diskussionen in den eidgenössischen Räten begrüsst, wenn der Landrat dem Volk statt der Initiative eine Standesinitiative unterbreitet hätte. Doch dieses Ansinnen war verworfen worden. Der Landrat entschied sich dafür, die gültigen Teile der Initiative dem Volk vorzulegen und im eigenen Kanton ein Zeichen zu setzen.

«Das Resultat stärkt uns den Rücken»

Christian Arnold (SVP, Seedorf) gehört zu den Mit-Initianten. «Die Deutlichkeit des Resultats freut uns», sagt er. «Positiv überrascht hat uns, dass sogar Altdorf und Erstfeld deutlich Ja gesagt haben.» Auch Arnold ist klar:

«Durch die Annahme der Initiative wird sich von heute auf morgen noch nichts ändern.»

Wir erwarten aber, dass sich die Regierung dem Resultat entsprechend verhält, wenn es etwa um Stellungnahmen in Richtung Bern geht.» Auch Arnold hofft nun, dass die eidgenössischen Räte den Kantonen mehr Kompetenzen im Umgang mit Raubtieren zusprechen werden. Sofern dies der Fall sein wird, sei mit dem deutlichen Abstimmungsresultat klar, in welche Richtung sich der Kanton Uri bewegen müsse. «Das Resultat stärkt uns den Rücken für weitere Diskussionen im Landrat», sagt Arnold.

«Wir glauben fest an ein Nebeneinander»

Keine Freude über das Resultat hat erwartungsgemäss die Gegnerseite. Der WWF Uri hatte vor der Abstimmung auf die «Unsinnigkeit der Initiative» aufmerksam gemacht. «Der Bund regelt den Umgang mit national und international geschützten Arten», erklärt Fabian Haas, wissenschaftlicher Mitarbeiter des WWF Uri.

«Der Kanton Uri schöpft bereits heute den Spielraum maximal aus. Darüber hinaus machen Einzellösungen keinen Sinn, weil sich der Wolf nicht an Landesgrenzen und schon gar nicht an Kantonsgrenzen hält.»

Haas betont: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Abschuss von Grossraubtieren.» Es müsse aber auch weiterhin die gesetzlich geltende «rote Linie» überschritten werden, bevor ein Abschuss verfügt werden dürfe. Der WWF setze sich auch weiterhin für «zukunftsgerichtete und nachhaltige Lösungen» ein. «Wir glauben fest an ein Nebeneinander von Landwirtschaft, Jagd, Tourismus und Raubtieren.» Beispiele liessen sich im Ausland finden, so etwa in Slowenien.

WWF wirft Initianten Stimmungsmache vor

Für den WWF sei klar, dass man auch künftig vor allem auf den Herdenschutz setzen müsse. Diese Initiative allerdings lenke von echten, langfristigen Lösungen ab, die dringend Unterstützung bräuchten, und habe der reinen «Stimmungsmache» gedient. Für Haas ist klar: «Durch die Initiative kann weder ein Schaf noch eine Ziege vor dem Wolf gerettet werden.»

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