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KANTON URI: «Wir müssen pionierhaft sein»

Der Urner Regierungsrat Urs Janett ist 100 Tage im Amt und hat sich trotz strengem Start gut eingelebt. Auf den Kanton sieht er grosse Herausforderungen zukommen. Er hofft, dass man in Uri bereit ist, Neues zu wagen.
Markus Zwyssig
Finanzdirektor Urs Janett hat sich viel Zeit für Gespräche mit Mitarbeitern genommen. (Bild Urs Hanhart)

Finanzdirektor Urs Janett hat sich viel Zeit für Gespräche mit Mitarbeitern genommen. (Bild Urs Hanhart)

Markus Zwyssig

Noch sind verschiedene Wände in seinem Büro weiss. Mitgebracht hat der neue Finanzdirektor Urs Janett eine Tafel des Bundesverwaltungsgerichts und ein Bild seiner militärischen Einheit. Zudem hat er einen Le-Corbusier-Stuhl in sein Büro gestellt. Bilder aus dem Fundus des Kantons hat er hingegen noch keine ausgesucht. Das hat seinen Grund. Regierungsrat Urs Janett fehlte bisher schlicht die Zeit dazu. Vielmehr hat er sich Zeit für Gespräche mit seinen neuen Mitarbeitenden genommen. Zudem hatte er bis Ende Juli eine berufliche Doppelbelastung. Neben seiner Tätigkeit als Regierungsrat war er noch vollauf mit seiner früheren Tätigkeit am Bundesverwaltungsgericht in St Gallen beschäftigt.

Urs Janett, wie haben Sie die Übergangsphase mit der beruflichen Doppelbelastung erlebt?

Urs Janett: Es war streng, aber auch befriedigend. Ich wollte mich möglichst schnell einarbeiten ins neue Amt. Ich war aber auch bestrebt, am alten Ort, am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen, günstige Voraussetzungen zu schaffen, damit dort meine Nachfolgerin, welche diese Woche gewählt wurde, ihr Amt gut beginnen kann.

Wie verträgt sich die Tatsache, dass Sie in der Regierung sind und Ihre Frau bei der Staatsanwaltschaft?

Das ist grundsätzlich kein Problem. Ich habe mich als Regierungsrat in den Ausstand zu begeben, wenn es um Fragen geht, welche die Staatsanwaltschaft betreffen. Den Ausstand nehme ich ernst. Das heisst für mich auch, dass ich dann an der Diskussion und am Beschluss nicht mitwirke. Wenn die Staatsanwaltschaft im Regierungsrat ein Thema wird, verlasse ich den Saal.

Vor Ihrem Amtsantritt haben Sie gesagt, die Arbeit als Finanzdirektor wäre die Spannendste, die sie sich vorstellen könnten. Wie beurteilen sie nach 100 Tagen im Amt diese Aussage?

Es ist eine herausfordernde Materie, weil es praktisch in jedem Thema Schnittstellen zu den Finanzen gibt. Ich bin ein Zahlenmensch und es fällt mir leicht, zu sehen, was es im Ganzen auslöst, wenn man im System eine Zahl verändert. Ich war aber schon in Altdorf im Gemeinderat sechs Jahre lang Verwalter. Dort habe ich viel gelernt. Ich habe mich zudem auch am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen viel mit Zahlen beschäftigt und gesehen, wie das Rechnungswesen auf Bundesebene funktioniert. Dabei habe ich erneut meinen Horizont erweitern können. Es ist ja nicht schlecht, fremdes Brot zu essen und über den Tellerrand hinauszuschauen. Es braucht aber auch viel Einfühlungsvermögen, da es bei unseren Geschäften auch immer um Personen geht. Und das macht mir am meisten Spass.

Und, haben Sie nun Ihre Lieblingsdirektion erhalten?

Ja, ich fühle mich wohl in der Urner Finanzdirektion und habe ein gutes Team rund um mich. Dieses hat mir den Einstieg sehr erleichtert. Meine Leute sind sehr motiviert und engagiert an der Arbeit. Ich war schnell in den Geschäften drin. Ich sehe auch rasch die Zusammenhänge zwischen einzelnen Geschäften, und das hilft mir in meiner täglichen Arbeit.

Was ist beim Kanton anders als früher bei der Gemeinde Altdorf?

Alles ist eine Schuhnummer grösser als auf der Gemeindeebene, aber immerhin ist das Rechnungsmodell dasselbe. (lacht) Es stehen aber andere Aufgaben dahinter. Zudem ist die Führungsverantwortung eine grössere als auf Gemeindeebene.

Wie hat sich die Sichtweise geändert?

Schon als Gemeinderat habe ich gesehen, wo die Stärken und Schwächen von Gemeinde und Kanton liegen. Ich hatte damals jedoch das Wohl meiner Gemeinde im Fokus. Nun ist es die Brille des Kantons. Uns geht es finanziell im Moment gut. Es ist aber auch einiges im Fluss, und gewisse Entwicklungen bereiten mir auch Sorgenfalten. Ich spüre, dass wir in der Lage sein müssen, unsere Anliegen auch auf Bundesstufe einzubringen. Dafür braucht es viel Überzeugungskraft und den Goodwill von vielen Playern.

Wo drückt der Schuh?

Uri wird ressourcenstärker, was mich sehr freut. Das hat aber auch zur Folge, dass wir mit stark abnehmenden Beiträgen aus dem Nationalen Finanzausgleich NFA rechnen müssen. Weiter diskutieren momentan die Kantone über die Höhe der Umverteilung von Geldern von finanzstarken an finanzschwache Kantone. Da herrscht grundsätzlich die Meinung, dass die Geberkantone zukünftig weniger zahlen sollen. Auch steht auf Bundesstufe die Reduktion der Wasserzinsen ab dem Jahr 2019 zur Diskussion. All das wird grosse Auswirkungen auf unseren Finanzhaushalt haben und wir müssen unsere Hausaufgaben jetzt machen.

Bisher waren die Rechnungsabschlüsse des Kantons sehr gut. Ist das nicht ein Jammern auf hohem Niveau?

Glücklicherweise hatten wir in den vergangenen Jahren sehr gute Abschlüsse. Damit verschaffen wir uns Luft und Spielraum für die kommenden grossen Investitionen. Klar, die Investitionen beim Spital werden auf längere Sicht zurückbezahlt, aber wir müssen beim Bau viel Geld aufwenden. Zudem steht die neue West-Ost-Verbindung an oder die Aufwendungen für den Entwicklungsschwerpunkt Urner Talboden. Wir werden auch in Zukunft alles versuchen, um ein ausgeglichenes Budget zu präsentieren. Was wir ausgeben, das muss einen Mehrwert für Gemeinden und Kanton generieren. Es gibt also viele Herausforderungen.

Wie wollen Sie diese meistern?

Wir müssen Ideen haben, die den Kanton vorwärtsbringen. Neben den Risiken darf man aber auch die Chancen nicht vergessen. Ich denke da an den neuen Gotthard-Basistunnel oder an das Ferienresort in Andermatt. Wir dürfen nicht nur auf dem Alten sitzen bleiben, sondern müssen auch Neues, ab und zu auch Experimente wagen. Wir sollten versuchen, wieder pionierhaftere Wege zu beschreiten. Jetzt muss wieder ein Ruck durch den Kanton Uri gehen. Wir müssen die Chance nutzen im Entwicklungsschwerpunkt Urner Talboden. Das geht aber nur, wenn alle am selben Strick ziehen. Wenn eine Gemeinde profitiert, dann wird das auch auf die anderen abfärben. Neid und Missgunst sind da fehl am Platz.

Wenn es weniger Einnahmen gibt, muss irgendwo auch gespart werden. Wo wollen Sie den Hebel ansetzen?

Der Regierungsrat hat sich hierüber bereits konkret Gedanken gemacht und hat diese in die Budgetierung einfliessen lassen. Zudem werden wir im Rahmen des Wirkungsberichts zum urnerischen NFA dazu Vorschläge bringen. Wir haben nun insgesamt acht Jahre Erfahrung damit und sehen gewisse Korrekturmassnahmen als notwendig.

Der Altdorfer Urs Janett hat als Regierungsrat grosse Pläne. Bei seiner Arbeit auf der Finanzdirektion hat er sich schon gut eingelebt. Weil der Jurist früher bereits beim Kanton gearbeitet habe, sei ihm vieles schon vertraut gewesen. Und irgendwann wird Urs Janett auch noch Zeit finden, Bilder aus dem Fundus des Kantons auszuwählen. Damit an den heute noch weissen Wänden in seinem Büro auch noch ein paar farbige Bilder hängen.

HINWEIS
Unsere Zeitung blickt in einer Serie mit Urs Janett, Roger Nager und Dimitri Moretti auf die ersten 100 Tage in ihrer Tätigkeit als Regierungsräte zurück.

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