KANTON: Urner Polizei geht gegen Dealer vor

Jüngst gab es in Altdorf zwei Drogenrazzien. In einem Fall hob die Polizei eine Hanfplantage aus, im andern stellte sie Waffen und Betäubungsmittel sicher.

Anian Heierli
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Im Stall dieses Altdorfer Wohnhauses stellte die Polizei 1800 Hanfpflanzen sicher. (Bild Anian Heierli)

Im Stall dieses Altdorfer Wohnhauses stellte die Polizei 1800 Hanfpflanzen sicher. (Bild Anian Heierli)

Anian Heierli

Kiffen ist in der Schweiz illegal, und dennoch hat ein Suchtmonitoring im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ergeben, dass 30 Prozent der Schweizer ab 15 Jahren schon einmal Marihuana geraucht haben. Vom heutigen Verbot und den zahlreichen Kiffern profitieren vor allem auch die Dealer: Für Cannabis mit hohem THC-Gehalt, das in einer Indoor-Hanfplantage gezüchtet wurde, zahlen Konsumenten auf dem Schwarzmarkt 10 Franken und mehr pro Gramm. Eine Indoor-Anlage mit 1800 Hanfpflanzen, wie sie die Urner Polizei vor rund zwei Wochen in einem allein stehenden Altdorfer Wohnhaus mit angebautem Stall ausgehoben hat, ist demnach äusserst lukrativ. Die Polizisten verhafteten dabei einen 51-Jährigen Schweizer als mutmasslichen Betreiber der Anlage (siehe unsere Zeitung vom Samstag, 5. März). Auf Anfrage bestätigt Gustav Planzer, Sprecher der Kantonspolizei: «Der Mann befindet sich noch immer in Untersuchungshaft.» Und falls der mutmassliche Marihuanabauer verurteilt wird, drohen ihm unter Umständen sogar mehrere Jahre Gefängnis. «Der Strafrahmen für den Anbau von Marihuana, welches nicht für den Eigenkonsum bestimmt ist, umfasst eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe», erklärt Planzer. Zudem sei es Gegenstand der aktuellen Ermittlungen, ob noch weitere Personen ins Recht gefasst werden müssten.

Illegal Strom abgezwackt

Mit der Razzia gegen die Indoor-Hanfplantage im Altdorfer Wohnhaus ist der Polizei ein gewichtiger Schlag gegen den Urner Drogenhandel gelungen. Die Anlage war äusserst professionell angelegt. Die Polizisten stellten diverses Zubehör für die Pflanzenaufzucht wie Chemikalien und Wärmelampen sicher. Zudem geht die Kripo zurzeit davon aus, dass für den Betrieb der Plantage illegal Strom von einer Leitung des Elektrizitätswerks Altdorf abgezwackt wurde.

Fakt ist auch: Am 18. November 2009 hatte die Urner Polizei im selben Wohnhaus schon einmal eine Indoor-Hanfplantage ausgehoben. Doch damit nicht genug. Der aktuell verhaftete 51-jährige Schweizer hatte bereits die erste Anlage von 2009 betrieben. Damals nutzte er zur Stromerzeugung einen Dieselgenerator. Die beiden Fragen, wie man auf die Anlage gestossen ist und wer derartige Mengen Marihuana kauft, will die Polizei derzeit nicht beantworten. «Das ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen», erklärt Planzer.

Doch weshalb hat es im Wohnhaus nicht schon früher eine Razzia gegeben? Unserer Zeitung wurde zugetragen, dass die Polizei schon mehrmals von Zeugen über verdächtige Aktivitäten in Kenntnis gesetzt worden ist. «Damit eine solche Aktion durchgeführt werden kann, müssen zahlreiche Parameter übereinstimmen», erklärt Planzer. «Eine gute Vorbereitung ist das A und O.» Das würde den Einsatzkräften die notwendige Sicherheit geben. Der Schlag gegen die Altdorfer Hanfplantage war nicht die einzige erfolgreiche Razzia in den vergangenen Wochen.

«Tellspoint»-Razzia läuft ins Leere

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft wurde Mitte Februar 2016 an der Flüelerstrasse in Altdorf im Club Tellspoint und in einem Wohngebäude eine Hausdurchsuchung durchgeführt. «Dabei konnten in einer Wohnung Betäubungsmittel und Waffen sichergestellt werden», bestätigt Planzer. «In den Verkaufsräumen des ‹Tellspoint› wurden keine Betäubungsmittel sichergestellt.» Aktuell geht die Polizei nicht davon aus, dass zwischen der Hanfplantage und der Wohnung an der Flüelerstrasse ein Zusammenhang besteht.