KANTON: Urner Primarschüler lernen wieder vermehrt Italienisch

Innert zehn Jahren ist die Schülerzahl in Uri um über 13 Prozent gesunken. Die Klassen sind im Schweizer Vergleich eher klein.

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Im Schuljahr 2014/2015 zählte der Kanton Uri 3856 Schüler. (Archivbild Urs Hanhart)

Im Schuljahr 2014/2015 zählte der Kanton Uri 3856 Schüler. (Archivbild Urs Hanhart)

Die Schülerzahlen im Kanton Uri sind weiterhin rückläufig. Dies geht aus dem Bericht zur Volksschule über das Schuljahr 2014/2015 hervor. Besuchten 2003 noch 4467 Schüler die Urner Volksschule, so waren es im vergangenen Schuljahr nur noch 3856. Dies entspricht einer Abnahme von 13,6 Prozent. Doch nun scheint sich der Rückgang zu verlangsamen. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Schülerzahlen nur noch um 0,03 Prozent. Dies hat einerseits mit der Einführung des Zweijahreskindergartens zu tun. Andererseits bestätigt diese Entwicklung aber auch die Annahmen des Bundesamts für Statistik, das ab 2019 eine leichte Bevölkerungszunahme bei den unter 20-Jährigen im Kanton Uri prognostiziert.

Flexible Lösungen gefragt

Die Zahl der Schulabteilungen sank innert zehn Jahren von 261 auf 224. Seit 2007 ist sie stabil. Dies lässt sich mit der Einführung des Zweijahreskindergartens und mit der Senkung der maximalen Schülerzahlen pro Klasse erklären. So dürfen seit 2011 nur noch 24 statt 26 Kinder in einer Klasse unterrichtet werden, in zweiklassigen Abteilungen nur noch 22 Kinder.

Die durchschnittliche Abteilungsgrösse ist mit 16,7 Schülern pro Klasse im schweizweiten Vergleich eher klein. «Aus pädagogischer Sicht ist dies kein Problem, sondern kann sogar ein Standortvorteil sein», schreibt das Amt für Volksschulen in seinem Bericht. Doch vom finanziellen Standpunkt her bringe dies vor allem für kleinere Gemeinden mit Kleinstklassen immer mehr Schwierigkeiten. Deshalb würden nun in mehreren Gemeinden flexible Lösungen angestrebt, mit denen Jahrgangsschwankungen besser aufgefangen werden sollen. So hat beispielsweise Isenthal bereits 2014 die Basisstufe eingeführt, die den Kindergarten sowie die beiden ersten Primarklassen umfasst. In Zukunft dürfte es im Kanton Uri an noch mehr Orten Basisstufen geben.

Französisch: 18 Schüler dispensiert

46 Kinder mit einer Behinderung (Vorjahr 51) besuchten Regelklassen. Insgesamt wurden 15 Kinder (15) in ausserkantonalen Einheiten unterrichtet. Zudem besuchten 31 Schüler (33) die Sonderschule Uri. Beim Wechsel in die Oberstufe stellten sich die erwarteten Werte ein. 62 Schüler (61) wechselten ans Gymnasium. Nach mehreren Jahren mit sinkenden Übertritten ins Gymnasium steigen die Zahlen seit zwei Jahren wieder ganz leicht an.

Da es nur noch in Bürglen eine Werkschule gibt, wechselten nur noch 5 Schüler (6) in die Werkschule. Hingegen haben 26 Jugendliche auf der Ober­stufe im Niveau B angepasste Lernziele. Zudem wurden im Rahmen des Übertrittverfahrens auf das Schuljahr 2015/2016 insgesamt 18 Schüler vom Französischunterricht dispensiert.

In der 5. und 6. Klasse müssen die Schüler ein Wahlpflichtfach belegen. Die Kinder respektive Eltern haben die Wahl zwischen zwei zusätzlichen Lektionen Deutsch/Mathematik oder zwei Lektionen Italienisch. Das Wahlpflichtfach Italienisch wird an 11 von 16 Schulen angeboten. Die Zahl der Primarschüler, die Italienisch lernen, ist im vergangenen Jahr von 152 auf 176 Schüler angestiegen. Zudem besuchten 13 Urner Oberstufenschüler das kantonal angebotene Wahlfach Italienisch.

Angestiegen ist auch die Anzahl der Schüler, die das Angebot Deutsch als Zweitsprache besuchten (von 245 auf 261). Prozentual am meisten Schüler besuchten dieses Angebot in Erstfeld (16 Prozent der Schüler), Flüelen (15 Prozent) sowie in Altdorf und Andermatt (je 10 Prozent).

Lehrern fehlen Diplome

Insgesamt unterrichteten 46 Lehrer, die für ihre Stufe nicht das nötige Diplom hatten. Im Kindergarten betraf dies zwei, auf der Primarstufe 7, auf der Oberstufe 15 und im Bereich der Heilpädagogik 22 Personen (davon 6 in Ausbildung). Dazu kamen 26 Lehrer, die zwar den stufenspezifischen Abschluss besassen, aber einzelne Fächer unterrichteten, für die sie nicht ausgebildet sind. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass angehende Lehrer nicht mehr an allen Hochschulen als Generalisten ausgebildet werden. Zudem haben einige Lehrer kein Englischdiplom. «Die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung im Bereich der Schulischen Heilpädagogik sind zu relativieren», sagt Beat Spitzer, Vorsteher Amt für Volksschulen, auf Anfrage. «Jene Lehrer, die sich nicht in Ausbildung befinden, unterrichten meist Klein- und Kleinstpensen. Von diesen unterrichten gerade einmal drei Personen mehr als vier Lektionen.»

Zwischen 2010 und 2014 wurden alle Urner Schulen auf ihre Qualität geprüft. Die Urner Volksschulen erhalten durchwegs positive Rückmeldungen – sowohl von Lehrern als auch von Schülern. In diesem und im nächsten Schuljahr führt der Kanton an den Urner Schulen keine Evaluationen durch. Man will sich auf die Anpassungen im Qualitätsmanagement und die Einführung des Lehrplans 21 konzentrieren.

Elias Bricker