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KANTON: Urner Spitalstrategie auf dem Prüfstand

Das Kantonsspital Uri ist ausschliesslich auf die Grundversorgung ausgerichtet. Reicht das für die Zukunft? Willy Oggier, Gesundheitsökonom, weiss, was es zu beachten gilt.
Florian Arnold
Der Spitalrat hat vor, die Unternehmensstrategie im Jahr 2018 zu überarbeiten. (Bild Urs Hanhart)

Der Spitalrat hat vor, die Unternehmensstrategie im Jahr 2018 zu überarbeiten. (Bild Urs Hanhart)

Florian Arnold

Das Kantonsspital Uri ist heute ein Allroundbetrieb, der sich vor allem auf die Grundversorgung konzentriert. Doch wird diese Strategie auch für die Zukunft funktionieren? Fest steht: Längst nicht alle Urner lassen sich im eigenen Kantonsspital behandeln. Die Zahlen von Santésuisse respektive der Datenverwalterin Sasis zeichnen ein etwas düsteres Bild: 2014 haben Versicherte aus dem Kanton Uri 28,8 Millionen Franken für stationäre Behandlungen bezahlt. In Rechnung gestellt hat das Kantonsspital Uri aber nur 15,8 Millionen Franken, also 54,7 Prozent. Vor zehn Jahren waren es über 67 Prozent gewesen. Wenn auch die nackten Zahlen keine detaillierte Schlussfolgerung zulassen: Der Druck, der heute auf Spitälern lastet, ist gross. So mussten in den vergangenen Jahren auch Spitäler aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.

Experte kennt Gründe

Gesundheitsökonom Willy Oggier spricht von zwei Entwicklungen, die den Spitalmarkt zurzeit prägen. Einerseits bringe der medizinische Fortschritt Folgen für die Spitäler mit sich: «Viele Fälle, die früher zwingend im Spital behandelt werden mussten, können heute ambulant abgewickelt werden», sagt Oggier. «Dazu kann der Patient heute teilweise auch in ein Gesundheitszentrum gehen.» Sich als Spital generell auf ambulante Behandlungen zu spezialisieren, sei aber nicht sinnvoll. «Weil die Tarife nicht kosten­deckend sind, entstehen oft noch grössere Probleme.» Zweiter Problempunkt sei die Qualität, welche die Spitäler bieten müssten. Diese ist heute oft nur gewährleistet, wenn die Fallzahlen stimmen – und das macht es für kleinere Spitäler schwierig. «Qualität braucht laufend Investitionen. Und wenn die Fallzahlen zu niedrig sind, geht es zu lange, bis die Kosten amortisiert sind», so Oggier. Den Schluss «je kleiner, desto schwieriger» lässt er aber nicht gelten: «Kleine Privatspitäler, die sich auf wenige Segmente konzentrieren, zeigen das Gegenteil.» Nicht der Grosse fresse den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.

«Es macht Sinn, wenn ein kleines Spital neben der Grundversorgung versucht, eine Nische zu bedienen», sagt Oggier. Dabei gehe es nicht nur um die Wirtschaftlichkeit. «In Zukunft dürfte es in ländlichen Gebieten noch schwieriger werden, Ärzte zu finden», so die klare Prognose. «Man muss den Ärzten eine interessante Stelle bieten. Wenn sie in einem Spezialgebiet tätig sein können, haben sie die Möglichkeit, sich zu profilieren.» Dass das möglich sei, habe der ehemalige Chefarzt des Kantonsspitals Uri, Urs Marbet, als Darmspezialist bewiesen. Darüber hinaus sei es für junge Ärzte wichtig, wie es sich in der Umgebung leben lasse.

Geriatrie wird komplexer

Doch in welchem Gebiet könnte sich Uri positionieren? Einen hieb- und stichfesten Tipp kann der erfahrene Gesundheitsökonom nicht liefern. Gerade im Bereich der Geriatrie sieht er aber Chancen. «Bei der älter werdenden Bevölkerung wird die Geriatrie immer komplexer, aber auch spannender», weiss der Zürcher Gesundheitsökonom. «Die grösste Herausforderung dabei ist das Management von Mehrfacherkrankungen.» Dazu gehören auch Wechselwirkungen von Medikamenten.

Wichtig sei für das Spital, die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen zu stärken – so etwa mit Apothekern, Physiotherapeuten oder der Spitex. «In einer Zeit, in der Ärzte in einer ländlichen Gegend Mangelware werden, macht es Sinn, dass man sich zum Beispiel Gerätschaften teilt.»

Mit dem Neu- und Umbau des Kantonsspitals hat Uri nun die Chance, sich immerhin, was die Infrastruktur betrifft, optimal auf die Zukunft vorzubereiten. «Erfolgreiche Spitalbauten zeichnen sich durch zwei Merkmale aus», hält Oggier fest. «Einerseits muss man sich Optionen für die Zukunft offenhalten.» Dazu müsse man grosszügig Kapazitäten frei halten, wie etwa Parzellen, die man später für ein Provisorium nutzen könne.» Wie Medizin in 20 Jahren betrieben werde, wisse man heute nicht. Daher seien auch Modularität im Bau und Flexibilität gefragt und nicht Sonderwünsche oder Einzelinteressen. «Sonst wird es später aufwendig und teuer, wenn man umbauen muss.»

Spitalratspräsident Vollenweider nimmt Stellung

Unsere Zeitung hat Spitalratspräsident Peter Vollenweider mit den Aussagen von Experte Willy Oggier konfrontiert und nach der Strategie nach dem Um- und Neubau gefragt. Vollenweider hat schriftlich geantwortet. «Wichtig ist, dass zwischen der Spitalstrategie (Aufgabe des Kantons) und der Unternehmensstrategie (Aufgabe des Kantonsspitals) unterschieden wird.» Die Spitalstrategie sei im Gesetz umschrieben. Mit dem Kantonsspital Uri (KSU) besteht eine Leistungsvereinbarung.
Die Unternehmensstrategie des KSU könne mit den drei folgenden Grundsätzen auf den Punkt gebracht werden:

  • Die Qualität der erbrachten Leistungen hat oberste Priorität. Das KSU erbringt keine Leistungen, die nicht in der erforderlichen Qualität gewährleistet werden können.
  • Das KSU wird wirtschaftlich geführt. Das heisst: Alle Leistungsbereiche werden am Kostendeckungsgrad gemessen und erzielen im Durchschnitt einen operativen Gewinn von mindestens 10 Prozent des Umsatzes.
  • Das KSU erbringt seine Leistungen im Rahmen eines mehrstufigen Modells, das der Patientensicherheit, der Wirtschaftlichkeit und dem politisch erwünschten Eigenversorgungsgrad des Kantons am besten gerecht werden kann.

Spezialisten werden eingekauft

Konkret bedeutet das: Bestimmte Leistungen werden im Eigenbetrieb durch angestellte Ärzte oder einen Belegarzt erbracht. Leistungen, die nicht im Eigenbetrieb verfügbar sind, werden eingekauft – entweder indem ein Spezialist eines anderen Spitals im KSU operiert oder indem Patienten für komplexe Behandlungen mit teuren Apparaturen von einem Spezialisten in einem Zentrumsspital behandelt werden. «Ebenso ist die Zusammenarbeit mit den vorgelagerten Versorgern wie Spitex oder den Hausärzten optimal auszugestalten», hält Vollenweider fest. Dies alles werde bei der Planung des Neu- und Umbaus berücksichtigt.

Die Unternehmensstrategie wird jährlich überprüft und rund alle vier bis fünf Jahre überarbeitet. Die nächste Überarbeitung ist im Jahr 2018 vorgesehen. Im Rahmen dieser Überarbeitung werde auch überprüft, in welchen Spezialgebieten und Nischen sich das Spital ansiedeln könnte. «Wichtig ist hierbei auch, dass sich die Spezialgebiete oder Nischen am Bedürfnis der Urner Bevölkerung orientieren», so Vollenweider. Spezialgebiete, die das KSU bereits erfolgreich in Zusammenarbeit anbietet, sind zum Beispiel Handchirurgie, Radiologie, Angiologie oder Urologie. Aktuell steht mit der Akutgeriatrie ein weiterer Bereich an, der im KSU aufgebaut wird.

«Aus Sicht des KSU ist es wichtig, dass sich die Politik zu einem Spital im Kanton Uri bekennt und definiert, was dessen Auftrag ist», so der Spitalratspräsident. Das sei Gegenstand der Revision des Spitalgesetzes, die nun ansteht. «Im Rahmen der unternehmerischen Freiheit ist aber die Umsetzung Aufgabe des Spitals», so Vollenweiders klare Meinung. Man wolle aber auch künftig im ständigen Austausch mit der Gesundheitsdirektion bleiben.

Vorstoss geplant

Wie unserer Zeitung gegenüber auf Anfrage bestätigt wurde, wird die CVP-Fraktion in der heutigen Landratssession eine Motion einreichen. Diese verlangt von der Regierung, dass nun eine Revision des Spitalgesetzes ausgearbeitet wird. Die Regierung soll darin auch konkret aufzeigen, welche Strategie sie für das Spital nach 2019 einschlagen will. Patrizia Danioth (CVP, Altdorf) hatte sich bereits mit einer Interpellation über die Pläne für das Kantonsspital informieren lassen. Danioth war mit der Antwort der Regierung nur teilweise zufrieden.

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