Kantonsbahnhof
Flüeler Landräte ärgern sich wegen schlechterer Verbindung nach Luzern

Der Kanton Uri hat grosse Erwartungen an den neuen Kantonsbahnhof in Altdorf. Flüelerinnen und Flüeler und Bewohnende der Flüelerstrasse in Altdorf ärgern sich dagegen über deutlich längere Fahrzeiten. Nun fordern drei Landräte Antworten.

Anian Heierli
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SBB-Chef Vincent Ducrot und BAV-Direktor Peter Füglistaler reisten am Samstag höchstpersönlich nach Altdorf, um zusammen mit Landammann Urban Camenzind den neuen Kantonsbahnhof zu eröffnen (wir berichteten). Der hohe Besuch war ein starkes Symbol für den Kanton Uri, der vom Bahnhof profitiert. Denn nun halten die schnellen Intercity-Züge in Altdorf und verbinden den Kantonshauptort besser mit dem Rest der Schweiz. Reisende sind in 34 Minuten in Bellinzona und in 50 Minuten in Lugano. Werktags halten die Züge ganze 90 Mal in Altdorf.

Pascal Arnold (SVP, Flüelen) sagt, dass der neue Fahrplan Nachteile für Flüelerinnen und Flüeler bringt.

Pascal Arnold (SVP, Flüelen) sagt, dass der neue Fahrplan Nachteile für Flüelerinnen und Flüeler bringt.

Bild: Anian Heierli (Altdorf, 15. Dezember 2021)

Dennoch gibt es auch Verlierer. Pendlerinnen und Pendler aus Flüelen und im Einzugsgebiet der Altdorfer Flüelerstrasse bei der Station Eggberge haben neu Zeitverluste, wenn sie etwa nach Luzern oder Stans fahren. Das kritisieren die drei Landräte Pascal Arnold (SVP, Flüelen), Ruedi Wyrsch (CVP, Flüelen) und Matthias Steinegger (FDP, Flüelen) in einem Vorstoss. Medial sei der Fahrplanwechsel als Quantensprung bezeichnet worden, so Erstunterzeichner Pascal Arnold. Doch in Flüelen würden heute keine IC-Züge mehr halten. Auch der Tellbus Altdorf-Luzern mache keinen Stopp mehr bei der Haltestelle Eggberge. Für den SVP-Politiker ist klar:

«Diese attraktive Verbindung für die Flüeler Bevölkerung sowie jener aus dem Raum Flüelerstrasse Altdorf entfällt damit.»

Arnold betonte, dass er nicht erneut eine Diskussion zur Standortwahl aufrollen wolle. Seinen Mitunterzeichnern und ihm ginge es aber darum, dass die Pendlerinnen und Pendler mit dem Tellbus ab dem ehemaligen Einsteigeort Eggberge nach Luzern nicht abgehängt würden. «Davon gibt es einige», so Arnold. Denn Fakt ist: Ohne den Halt müssen vom Haltestellen-Wegfall betroffene ÖV-Nutzer aus Flüelen 15 Minuten mehr einrechnen, wenn sie mit dem Tellbus nach Luzern wollen, da sie zuerst mit dem Bus oder der S-Bahn nach Altdorf müssen. Pro Tag verlieren die Pendlerinnen und Pendler also 30 Minuten.

Sorge, dass die Bevölkerung dem ÖV den Rücken kehrt

Das bereitet Landrat Pascal Arnold offensichtlich Sorgen: «Diese Verschlechterungen lassen befürchten, dass Pendlerinnen und Pendler aus allgemeiner Richtung Flüelen wieder vermehrt dem öffentlichen Verkehr den Rücken kehren werden.» Leider stünde das im krassen Widerspruch zum Trend Mehr-und-besserer-ÖV. Der SVP-Parlamentarier hat bereits einen Verbesserungsvorschlag parat. Ihm schwebt vor, dass der Tellbus und Winkelriedbus zwar die neue Streckenführung ab dem Kantonsbahnhof Bushof West befahren, aber vor der Auffahrt auf die Autobahn A2 in Flüelen eine Schlaufe zum Bahnhof Flüelen (Seeseite) ziehen. Das wäre laut Arnold eine zusätzliche Zeit von lediglich 5 Minuten für die Gesamtstrecke nach Luzern oder Stans, parallel dazu wäre es aber auch eine starke Verbesserung für Pendlerinnen und Pendler ab Flüelen.

«Flüelen darf nicht noch mehr abgehängt werden»,

sagt er. Die Schnellbusverbindungen 493 (Tellbus) und 310 (Winkelriedbus) müssten zwingend über den Bahnhof Flüelen geführt werden. Mit seiner Interpellation verlangt er vom Regierungsrat deshalb, dass dieser unter anderem folgende Fragen beantwortet:

  • Was möchte der Regierungsrat unternehmen, damit Pendlerinnen und Pendler des Einzugsgebiets der Station Eggberge wegen der Verschlechterungen dem ÖV nicht den Rücken kehren?
  • Was spricht aus Sicht des Regierungsrates dagegen, die jetzige neue Streckenführung mit einer leicht angepassten Zusatzschlaufe über den Bahnhof Flüelen (seeseitig) zu führen?
  • Falls das Argument Zeitverlust hinter dem Entscheid der neuen Streckenführung steht, möchte Arnold wissen, inwiefern sich die gleichzeitige gesunkene Attraktivität für Flüelen rechtfertigen lässt.
  • Ist der Regierungsrat bereit, flankierende Massnahmen für Flüelen bezüglich Standort Kantonsbahnhof Uri in Altdorf und dem Verkehrsregime im Urner Unterland zu prüfen?
  • Wie sieht der Regierungsrat die zukünftige Entwicklung des lokalen ÖV für Flüelen und die weiteren See- und Peripheriegemeinden?
  • Wie gedenkt der Regierungsrat, die ÖV-Benutzung (Schiff, Postauto, Bahn, Bus) für Touristen ab Bahnhof Flüelen/SGV-Station attraktiv zu erhalten?

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