Kantonspolizei Uri

Polizei sorgt für doppeltes Weihnachtsgeschenk

Ein Schattdorfer hat am Strassenrand eine verlorene Wärmebildkamera und ein Nachtsichtgerät der Kantonspolizei Uri gefunden. Der Finderlohn geht nun an einen guten Zweck.

Florian Arnold
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Reto Pfister, Kommandant der Kantonspolizei Uri, überbringt Patrick Walker von der Garage Walker den Finderlohn.

Reto Pfister, Kommandant der Kantonspolizei Uri, überbringt Patrick Walker von der Garage Walker den Finderlohn.

Bild: Florian Arnold (Schattdorf, 24. Dezember 2020)

Es ist eine etwas ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte. Denn sie handelt statt von Maria, Josef, dem Jesuskind, Engel und einer Krippe von Polizisten, einem Unternehmer, einem Nachtsichtgerät, einer Wärmebildkamera und einer gemeinnützigen Organisation. Das Happy End zuerst: Die Sterbebegleitgruppe Uri kann sich in diesen Tagen über eine grosszügige Spende freuen. Die Freiwilligenorganisation unterstützt und entlastet Angehörige mit unentgeltlichen Nachtwachen in Betagtenheimen, im Kantonsspital und zu Hause bei Menschen, die im Sterben liegen.

Es ist Mitte Dezember, als bei Reto Pfister, dem Kommandanten der Kantonspolizei Uri, eine Whatsapp-Nachricht eingeht: «Vermissen Ihre Mitarbeiter einen Gegenstand?» Die Nachricht stammt von Patrick Walker, der in Schattdorf eine Autogarage betreibt. Die Neugier beim Kommandanten ist geweckt. Im Chat folgt ein Bild, auf dem Walkers Töchter eine Wärmebildkamera in den Händen halten – auf der Seite ein grosser gelber Kleber mit dem Aufdruck «Kantonspolizei Uri».

Geräte am Strassenrand entdeckt

Die herrenlose Spezialkamera hatte der Schattdorfer am Strassenrand entdeckt. Vermutlich war die Tasche bei einem Einsatz aufs Autodach des Polizeifahrzeugs gelegt und beim Wegfahren vergessen worden, vermutete der Finder. Für ihn sei klar gewesen: «Ich wollte meinen Töchtern etwas mit auf den Lebensweg geben: Wenn man etwas findet, gibt man es dem Besitzer zurück.» Der Schattdorfer bat jedoch den Kommandanten, doch jene Polizisten zum Abholen vorbeizuschicken, welche die teure Kamera verloren hatten. Diesem Wunsch wollte der Kommandant stattgeben.

Unterdessen fiel dem Finder auf, dass sich in der Tasche noch ein weitaus teureres Gerät befand: ein Nachtsichtgerät. Die gesamte Tasche dürfte damit bei der Neuanschaffung rund 10'000 Franken gekostet haben, wie eine Internetrecherche ergab. Patrick Walker ging deshalb davon aus, dass er mit einem ansehnlichen Finderlohn rechnen dürfte. Doch es kam anders: Als am nächsten Morgen die beiden Polizisten in seiner Garage auftauchten, tauschten diese das Nachtsichtgerät und die Wärmebildkamera gegen zwei Teddybären in Polizeiuniform, flankiert von einem Taschenmesser.

Nicht ganz das, was sich der Schattdorfer vorstellte. Denn unterdessen hatte der Familienvater bereits eine Spende von 500 Franken an die Sterbebegleitgruppe Uri getätigt. «Ich war enttäuscht, wie die Polizisten mit den Gegenständen umgingen, die den Steuerzahler 10'000 Franken kosten. Auch hätte ich mir etwas mehr Dankbarkeit erhofft», so der Schattdorfer.

Walker will Finderlohn der Polizei nicht behalten

Als bei der Sterbebegleitgruppe Uri der Geldbetrag auf dem Konto eintraf, bedankte sich die Leiterin nicht nur bei Walker mit einem Brief, sondern auch bei der Kantonspolizei für den weitergereichten Finderlohn. Nun wurde auch dem Kommandanten der Kantonspolizei klar, womit der Finder gerechnet hatte. «Uns war diese Finderlohnforderung bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt», sagt Kommandant Reto Pfister. Auch er sei nicht glücklich, wie seine Mitarbeiter mit den teuren Gegenständen umgingen, betont er. Während seiner Zeit als Kommandant sei es noch nie dazu gekommen, dass man einen Finderlohn habe zahlen müssen. Man sei aber bereit, die Auslagen der Schattdorfer Finders zu begleichen.

Und darüber darf sich erneut die Sterbebegleitgruppe Uri freuen. Denn Walker will den ausbezahlten Finderlohn der Polizei nicht behalten, sondern weitergeben. «Schliesslich ist Weihnachten.»

Finderlohn ist im Gesetz zu finden

Im Schweizer Zivilgesetzbuch heisst es, dass der Finder einer Sache, die er dem rechtmässigen Besitzer zurückgibt, Anspruch auf «Ersatz aller Auslagen sowie auf einen angemessenen Finderlohn» hat. Die Höhe des Finderlohns ist nicht vorgegeben. Einem ZGB-Kommentar zu Folge ist die Höhe Ermessenssache, sie betrage rund 10 Prozent des Wertes der verlorenen Sache. Hätte es sich bei dem Fundgegenstand um einen Schatz von naturhistorischer Bedeutung gehandelt, stünde dem Finder sogar bis zur Hälfte dessen zu.