KANTONSSPITAL URI: Der Tatendrang des Berufenen

Georg Mang ist seit Oktober Chefarzt Innere Medizin am Kantonsspital Uri. Er will den hohen Erwartungen gerecht werden – und neue Projekte vorantreiben.

Drucken
Teilen
«Ich habe eine neue Traumstelle gefunden», sagt Chefarzt Georg Mang. (Bild Corinne Glanzmann)

«Ich habe eine neue Traumstelle gefunden», sagt Chefarzt Georg Mang. (Bild Corinne Glanzmann)

Sven Aregger

Beim Fotoshooting im Endoskopie-Bereich des Kantonspitals Uri ist die Stimmung aufgeräumt. Hier, wo Ärzte und medizinisches Personal gewöhnlich hoch konzentriert Magen-Darm-Untersuchungen vornehmen, wird gelacht und geflachst. Georg Mang scherzt mit Mitarbeiterinnen, wer vor der Kamera posieren soll.

Später sitzt Mang (54), weisses Polo-Shirt und weisse Hose, in seinem Büro und schlägt ein Bein über das andere. Er ist ein angenehmer Gesprächspartner, freundlich, offen, zuvorkommend. Seit Oktober arbeitet er als neuer Chefarzt Innere Medizin am Kantonsspital Uri. Er sagt: «Ich fühle mich sehr wohl hier.» Dann erzählt er von einer Patientin, die an einem Montag mit einem schweren Infekt ins Spital kam. Trotz der ernsten Erkrankung hatte sie am Wochenende noch Schnee geschaufelt. «Das hat mich beeindruckt», sagt Mang. «Die Urner sind zähe und grundehrliche Leute. Auch meine Mitarbeiter sind toll. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, ein ‹Ellbögeln› wie im Raum Zürich stelle ich hier nicht fest.»

«Glücksfall» für Uri

Vor seinem Wechsel in den Kanton Uri arbeitete Mang seit 2008 als Chefarzt der Medizinischen Klinik am Spital in Bülach ZH. Dort war er auch Mitglied der Spital- und Geschäftsleitung. «Ein Traumjob», wie er betont. Das änderte sich, als aus dem Spital eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft wurde. Im Zuge dieser Entwicklung reorganisierte das Spital die Geschäftsleitung. Kernpunkt: Im siebenköpfigen Gremium sollten künftig nur noch ein Arzt und eine Pflegerin sitzen. Diese Strategie wollte Mang nicht mittragen. «Die Frontarbeiter waren nicht mehr genügend vertreten. Medizinisches Wissen, das für viele Entscheide wichtig ist, ging verloren», begründet er. Noch am gleichen Abend, als Mang sich gegen seine Zukunft in Bülach entschied, sah er das Stelleninserat des Kantonsspitals Uri, das einen Chefarzt Innere Medizin suchte. Postwendend rief er den abtretenden Chefarzt Urs Marbet an. So kam eines zum anderen.

Bei der Bekanntmachung von Mangs Wechsel sprach der Spitalrat von einem «Glücksfall» für Uri. Die Erwartungshaltung ist hoch. Mang weiss das, er sagt aber auch: «Es tut gut, wenn man positiv aufgenommen wird. Ich will den Erwartungen gerecht werden und etwas erreichen.»

Projekte in der Pipeline

Georg Mang sprüht vor Tatendrang. Im Hinblick auf den Um- und Neubau des Spitals, der in den kommenden Jahren für 100 Millionen Franken realisiert wird, sind neue Projekte aufgegleist, denen er Schwung verleihen will. «Derzeit diskutieren wir die Ideen und werden sehen, wie weit wir kommen.» Folgende Vorhaben sind angedacht:

  • Palliativmedizin: Patienten, die nicht geheilt werden können, sollen möglichst lange bei guter Lebensqualität in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können. Das heisst: Die Symptome der Patienten werden erfolgreich behandelt, ohne aber deren Ursache auszumerzen. «Eine gute Begleitung ist für unheilbare Patienten sehr wertvoll. Ihre Dankbarkeit ist gross», sagt Mang. Denkbar ist am Kantonsspital eine Abteilung mit Spezialisten für Palliativmedizin.
  • Akutgeriatrie:Ältere Patienten, die noch rüstig sind, sollen nach einem rund zwei- bis dreiwöchigen Spitalaufenthalt wieder nach Hause zurückkehren können – dank geeigneter Therapien und Rehabilitationsmassnahmen. Damit kann der Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim verzögert werden. «In grossen Akutgeriatrien zeigt sich, dass die Massnahmen in rund 60 Prozent der Fälle zum Erfolg führen», sagt Mang. Die herkömmliche Geriatrie am Kantonsspital wird geschlossen.
  • Notfallmedizin: Die Notfallmedizin stellt sowohl die Hausärzte wie auch das Spital vor Herausforderungen. Neue Modelle können zur Entlastung aller Akteure beitragen. Ein neues Modell in der Notfallmedizin läuft bereits erfolgreich am Spital Schwyz.
  • Studentenkurse: Als Dozent der Universität Zürich hat Mang am Spital in Bülach einen Kurs für Studenten in der medizinischen Grundausbildung geleitet. Der Kurs, der ein Semester lang dauert, ist bei den angehenden Ärzten beliebt. In der Zentralschweiz besteht ein solches Angebot bisher nur in Luzern. Mang will den Kurs künftig auch in Altdorf anbieten.

Angebot muss zweckmässig sein

Weiter versucht Mang, ein Spezialist in der Gastroenterologie, die führende Rolle des Kantonsspital Uri auf diesem Gebiet beizubehalten. Sein Vorgänger Urs Marbet ist eine Koryphäe mit internationalem Renommee in der Darmkrebs-Vorsorge. Dank seines Engagements hat Uri als erster Schweizer Kanton ein Darmscreening eingeführt. Mang weiss, dass er in grosse Fussstapfen tritt. «Urs Marbets wissenschaftliche Reputation ist äusserst beachtlich, er hat tolle Arbeit geleistet», lobt Mang seinen Kollegen. «Ich bin froh, dass er sein Programm gegen Darmkrebs trotz Pensionierung noch einen Tag pro Woche weiterführt. Sein Wissen ist für uns sehr wertvoll.»

In der zukünftigen Entwicklung des Kantonsspitals Uri geht es aber auch um wirtschaftliche Überlegungen. Mang spricht von einem «ökonomischen Bewusstsein». Aufgrund der nur moderat wachsenden Urner Bevölkerung könne das Spital nicht alle Leistungen anbieten. Das Angebot müsse wirtschaftlich tragbar und zweckmässig sein, ohne dass die Qualität drunter leide. «Das bedeutet auch: Vor jeder ärztlichen Untersuchung müssen wir klären, ob sie einen Mehrwert bringt oder nicht», so Mang.

Trotz der Sensibilität für Fragen rund um die Finanzierung bleibt Georg Mang aber vor allem ein Idealist. «Arzt sein ist eine Berufung. Ich lebe für diese Arbeit», betont er und bedient gleich auch die gängigen Vorstellungen vom altruistischen Mediziner: «Ich möchte den Menschen helfen.» Seine Dienste stellt er nun voller Elan dem Kanton Uri zur Verfügung. Er sagt: «Ich habe eine neue Traumstelle gefunden.»

Vielseitig ausgebildet

ars. Georg Mang hat eine umfassende ärztliche Ausbildung. Im Verlauf seiner Karriere spezialisierte er sich in den Bereichen Gastroenterologie, Intensivmedizin, Innere Medizin, Notfallmedizin und Management. Nach seinem Studium war er zuerst in der Pharmaziebranche tätig. Danach arbeitete er in verschiedenen ärztlichen Funktionen an Zürcher Spitälern: Horgen, Männedorf, Unispital, Triemlispital und Bülach.

Georg Mang ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Er lebt mit seiner Familie in Bauen.