Weil Nachwuchs fehlt: Flüeler Kegelklub Seerose löst sich nach 60 Jahren auf

Der Kegelklub Seerose beendet nach sechs Jahrzehnten sein Dasein. Zuletzt bestand er nur noch aus vier Aktivmitgliedern.

Georg Epp
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Ein Gruppenbild aus dem Jahr 2011 (von links): Kurt Gamma, Otto Althaus, Bruno Epp, Peter Epp, Damian Hauser und Bruno Triulzi.

Ein Gruppenbild aus dem Jahr 2011 (von links): Kurt Gamma, Otto Althaus, Bruno Epp, Peter Epp, Damian Hauser und Bruno Triulzi.

Bild: PD/Kurt Baumann

In den 1940er- und 1950er-Jahren boomte das Sportkegeln in der ganzen Schweiz – so auch im Kanton Uri. Im Gegensatz zur heutigen Zeit standen damals auch sehr viele Kegelbahnen zur Verfügung. Zwei auch in Flüelen: nämlich in der Schützenstube und im Hotel Sternen. Die Zahl der Sportkegler wuchs in kurzer Zeit an und 1945 wurde der Urner Sportkegler-Verband gegründet.

Junge Mitglieder des ehemaligen Kegelklubs Rudenz in Flüelen kamen dann 1960 auf die Idee, einen neuen Kegelklub zu gründen. Initianten waren die Gebrüder Gamma. Am 11. Oktober 1960 freute sich Tagespräsident Willy Gamma im Restaurant Schützenstube schliesslich, dass die Gründung des neuen Kegelklubs Seerose Flüelen zu Stande kam. Als erster Präsident wurde Fredi Gisler gewählt. Bei Klubkamerad und Schützenstubenwirt Otto Gamma wurde jeden Dienstag die Kegelbahn fürs Training eifrig genutzt.

In den ersten Jahren seines Bestehens versuchte der Klub, sich ein möglichst positives Image zu erschaffen. Mit Fleiss und Fairness traten die «Seerösler» auf der nationalen Keglerbühne auf und waren bald als faire Keglerkameraden beliebt und geschätzt. Bereits 1962 organisierte der Klub die erste Flüeler Meisterschaft, die sich sehr lange im Urner Sportkeglerkalender behauptete. 1963 beschaffte man sich einen grossen Kranzkasten und eine moderne Wettkampfkleidung. Um die sportlichen Erfolge noch zu steigern, engagierte man 1965 in der Person von Karl Gisler (auch genannt «Gigeli») erstmals einen Trainer.

Auch in anderen Sportarten erfolgreich

Zur Förderung der Kameradschaft startete man im Jahre 1967 die erste von insgesamt 26 Klubreisen. Der Klub betätigte sich aber auch polysportiv erfolgreich: Als «Babeli-Kicker» glänzte man am Fussball-Hafenturnier in Flüelen oder gewann gleich mehrmals den Vereinscup der SG Flüelen anlässlich des Feldschiessens. Ab 1985 feierte man auch Erfolge am Curling-Turnier in Engelberg, das vom Urner Sportkeglerverband organisiert wurde. Nach mehrjähriger Pause veranstaltete Klubkamerad Bruno Epp den beliebten Curling-Plausch, der alljährlich kurz nach Weihnachten stattfand, wieder neu.

Mit einem Festakt in der Kirche Bruder Klaus in Altdorf wurde das 25-jährige Bestehen im Jahr 1985 speziell gefeiert. Der Jodlerklub Seerose Flüelen umrahmte die Feier mit einer Jodlermesse von Jost Marty, Pater Werner Arnold («Fuxacher») hielt eine humorvolle Festpredigt. Anlässlich der Jubiläumsfeier ging zudem die Uraufführung des eigens für diesen Anlass von Marty komponierten Keglerliedes über die Bühne.

Bemühungen um Nachwuchs blieben erfolglos

Spätestens ab 1980 war der gross Sportkeglerboom vorbei, überall verschwanden die Kegelbahnen. Auch der Kegelklub Seerose musste sich mehrmals nach neuen Trainingsgelegenheiten umschauen. Ab 1983 trainierte man dann im Restaurant Walter Fürst, ab 2003 auf der «Belloni»-Anlage in Erstfeld und ab 2011 wechselte man ins Restaurant Kreuz in Altdorf zu Hildi und Beat Infanger.

Und nun, nach 60 Jahren, hat es sich also ausgekegelt: Ende Oktober hat sich der Kegelklub Seerose aufgelöst. Dieser Schritt sei schon länger geplant gewesen, wie Klubpräsident Bruno Triulzi sagt. Zuletzt zählte man noch sieben Mitglieder, nur vier davon seien noch aktiv gewesen. In den letzten Jahren scheiterten alle Bemühungen, Junge für den Kegelsport zu begeistern. Verständnis aber keine Freude hat dafür Rudolf Walker, Präsident des Kantonalverbandes. Der Verband selber hofft, noch mindestens zwei Jahre bestehen zu können. Walker lobt die grosse Hilfsbereitschaft der «Seeröseler», jeweils im Kantonalverband mitzuhelfen. «Wenn sich Kantonalverbände nun auflösen, wird vielleicht eine regionale Lösung angestrebt», zeigt sich Rudolf Walker für die Zukunft optimistisch.

15 Siege im kantonalen Einzelcup

Sportlich war der Kegelklub Seerose immer optimal unterwegs. Nicht weniger als 15-mal stellte man den Sieger im kantonalen Einzelcup. Bruno Epp alleine brillierte gleich sechsmal. Mit 27 Titeln ist Epp auch Rekordhalter der internen Jahresmeisterschaft, gefolgt von Adelbert Gamma (10) und Damian Hauser (6).

Im kleinen Klub waren nie mehr als zwölf Sportkegler integriert und jedes Mitglied war gefordert, irgendwann eine Vorstandstätigkeit zu übernehmen. In den 60 Jahren seines Bestehens präsidierten den Klub 14 verschiedene Personen, zuletzt war es Bruno Triulzi. Im Urner Sportkeglerverband stellte der Kegelklub Seerose mit Karl Bühler, Josef Niederöst und Hardy Gamma insgesamt zwölf Jahre lang auch den Kantonalpräsidenten.