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Kinder haben es nicht immer kinderleicht

Eine psychische Erkrankung von Mutter oder Vater kann für die ganze Familie und insbesondere für die Kinder belastend sein. Im Kanton Uri wird demnächst ein Angebot erprobt, um Kinder in solchen Situationen zu unterstützen und zu begleiten.
Bruno Scheiber*
Für Kinder gibt es keine wichtigeren Bezugspersonen als die eigenen Eltern. (Bild: Gesundheitsförderung Schweiz)

Für Kinder gibt es keine wichtigeren Bezugspersonen als die eigenen Eltern. (Bild: Gesundheitsförderung Schweiz)

Die Gesundheitsförderung Uri, die Stiftung Papilio und das Amt für Gesundheit Uri starten nach den Herbstferien in Zusammenarbeit mit den Kunsttherapeutinnen Sonja Baumann-Dräyer und Constanze Pertoll das Pilotprojekt «Chinderliecht» (Informationen dazu gibt es unter www.gesundheitsfoerderung-uri.ch). Das kindergerechte, präventive kunsttherapeutische Angebot will Kindern und Jugendlichen von psychisch belasteten Eltern unterstützen und begleiten. Kinder und Jugendliche können durch das Malen und Gestalten schwierige Situationen unmittelbar verarbeiten. Im geschützten Rahmen lernen sie ihre starken und verletzlichen Seiten kennen, können ihre schönen aber auch traurigen, schwierigen Erlebnisse und Gefühle ausdrücken und dürfen auf Unterstützung und Mitgefühl zählen. Durch regelmässiges Malen und Gestalten in ihrem eigenen Rhythmus und auf ihre eigene Art erhalten sie die Chance, ihr inneres Gleichgewicht (wieder) zu finden.

Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen fünf und sechzehn Jahren und findet in einer kleinen, überschaubaren Gruppe statt. Gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen im Atelier etwas zu tun, vermittelt einerseits Geborgenheit und schafft andererseits das Gefühl, mit dem Thema nicht allein zu sein. Mit dieser Frühintervention wird das Risiko reduziert, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen später selber psychisch erkranken.

Die Kinder sind oftmals überfordert

Es ist schwierig zu beurteilen, ob und ab wann eine Person psychisch krank ist. Die meisten Menschen fühlen sich ab und zu traurig, unkonzentriert oder ängstlich. Doch negative Gefühle allein sind noch kein Zeichen für eine Krankheit. Sehr oft gelingt es nämlich, Krisen, Trauer oder Stress zu bewältigen, ohne krank zu werden. Erst wenn jemand dies nicht mehr kann und die Bewältigung über längere Zeit nicht gelingt, kann es zu einer Erkrankung kommen. Psychische Erkrankungen gehören neben Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen im Erwachsenenalter. Jeder Zweite bis Dritte ist im Verlauf seines Lebens einmal psychisch krank. Viele Betroffene sind dabei Eltern von minderjährigen Kindern oder Jugendlichen. Sie suchen keine Hilfe, häufig aufgrund des gesellschaftlichen Drucks, «perfekte Eltern» sein zu müssen oder aus Angst, als Mutter oder Vater in Frage gestellt zu werden oder gar das Sorgerecht zu verlieren.

«Darf ich fröhlich sein oder muss ich auch traurig sein?»

Für Kinder und Jugendliche ist es besonders schwierig, wenn ein Elternteil psychisch erkrankt. Kinder merken, wenn die Eltern Probleme haben, und sie reagieren ganz unterschiedlich auf diese Situation. Einige Kinder möchten wissen, was los ist. Vielleicht fragen sie den Vater, die Mutter oder eine Vertrauensperson. Viele Kinder können oder wollen aber mit niemandem über ihre Situation reden. Sie sind mit ihren Gedanken allein und stellen Fragen wie zum Beispiel: «Warum erzählt mein Dädi so komische Sachen?», «Darf ich fröhlich sein oder muss ich auch traurig sein?», «Werde ich auch so, wenn ich gross bin?», «Wird es noch schlimmer, und was mache ich dann?», «Ich habe mich schlecht benommen: Ist deswegen meine Mami so traurig?», «Darf ich es jemandem erzählen?».

Kinder machen sich grosse Sorgen, fühlen sich oft hilflos, allein gelassen oder schuldig. Sie fantasieren, dass sie an der Krankheit schuld sein könnten, machen sich Vorwürfe. Kinder brauchen Aufmerksamkeit. Einige provozieren sie, indem sie sich schwierig verhalten oder nicht mehr gehorchen. Es kann sein, dass sie körperliche Symptome zeigen oder zu stottern beginnen. Andere Kinder sind weiterhin angepasst, unauffällig, ändern ihr Verhalten kaum und zeigen sich hilfsbereit. Sie möchten alles tun, damit es den Eltern wieder gut geht. Dies überfordert sie jedoch. Kinder von psychisch erkrankten Eltern haben im späteren Lebensverlauf ein erhöhtes Risiko, selber psychisch zu erkranken.

Grossteil der psychischen Erkrankungen ist behandelbar

Wenn jemand in der Familie psychische Probleme hat, ist es sehr wichtig, dass alle Familienmitglieder miteinander in Kontakt bleiben und reden – auch über die Erkrankung. Kinder machen sich viele Sorgen und Gedanken, sie möchten wissen, was los ist. Sonst fühlen sie sich für die Situation verantwortlich und schuldig. Es ist normal, dass Kinder manchmal traurig, allein, ängstlich oder wütend sind. Wenn sich jemand dennoch unsicher fühlt, sollte die Situation von einer externen Fachperson beurteilt oder die Ängste mit jemandem besprochen werden, der vertraut ist. Ein Grossteil der psychischen Erkrankungen ist behandelbar – je früher, desto besser. Deshalb ist es wichtig, sich möglichst früh Hilfe und Unterstützung zu holen. Dabei hilft es, sich Gedanken zu machen, welche Hilfe benötigt wird. Jeder Mensch ist anders und braucht auch etwas anderes. Diese Hilfe oder Unterstützung kann unterschiedliche Formen haben. So kann es beispielsweise helfen, mit Menschen zu sprechen, die ähnliche Belastungen haben;das Gespräch in der Familie oder im Bekanntenkreis zu suchen, um sich Hilfe und Rat zu verschaffen; Entlastung im Haushalt und für die Kinderbetreuung zu organisieren oder professionelle Hilfe und Unterstützung durch Ärzte oder Psychiater zu holen.

Die wichtigsten Telefonnumern

Wer Hilfe sucht, dem werden folgende Kontaktstellen empfohlen:

- im Notfall Telefon 144: Notruf für alle medizinischen Notfälle); Telefon 041 870 03 03: ärztlicher Notfalldienst Uri; Telefon 0848 35 45 55: Elternnotruf für Eltern, Familien, Bezugspersonen.

- Wenn es um Rat und Hilfe für Kinder oder Jugendliche geht, werden folgende Telefonnummern empfohlen: Telefon 147: Beratung und Hilfe von Pro Juventute Schweiz: Telefon 041 874 11 80: Kontakt Uri, Jugendberatung; Telefon 041 875 20 92: Schulpsychologischer Dienst des Kantons Uri; Telefon 041 859 17 77: Kinder- und Jugendpsychiatrie Uri, Triaplus AG.

- Suchen Eltern, Familie, Freunde oder das Umfeld Rat und Hilfe, können sie sich an folgende Nummern wenden: Telefon 143: die dargebotene Hand; Telefon 041 874 11 80: Kontakt Uri, Elternberatung; Telefon 058 261 61 61: Pro Juventute (Elternberatung); Telefon 041 875 20 92: Schulpsychologischer Dienst des Kantons Uri; Telefon 041 874 00 20: ambulante Psychiatrie und Psychotherapie Uri, Triaplus AG; Telefon 041 859 17 77: Kinder- und Jugendpsychiatrie Uri, Triaplus AG.

- Zusätzliche Informationen erhält man auch im Internet, und zwar unter den folgenden Adressen respektive Links: www.wie-gehts-dir.ch (Kampagne «Wie geht’s dir?»); www.iks-ies.ch (Institut Kinderseele Schweiz; www.kinderschutz.ch (Kinderschutz Schweiz), www.gesundheitsfoerderung-uri.ch / Gesundheitsförderung Kanton Uri, psychische Gesundheit. (pd/bar)

Auf jeden Fall ist es wichtig, zu sich selber zu schauen und sich regelmässig ein wenig Ruhe, Entspannung und Bewegung zu suchen. Vielleicht hat man sich auch schon gefragt: Was ist mit dieser Familie los? Man ist der Nachbarin fast nie mehr begegnet, und deren Kinder erledigen die Einkäufe. Der Arbeitskollege kommt immer wieder sichtlich gehetzt zur Arbeit und erzählt, dass er noch die Kinder habe betreuen müssen. In den letzten Monaten ist der Schwager zunehmend still geworden, wirkt bedrückt und reagiert kaum mehr auf seine Kinder: All diese und ähnliche Beobachtungen können Hinweise darauf sein, dass in einer Familie ein Elternteil psychisch belastet ist.

Wichtig ist, das Thema anzusprechen – wenn irgend möglich mit der erkrankten Person selber, um gemeinsam mit ihr und allenfalls auch einer Fachperson einen Weg zu finden, wie mit der Erkrankung und den Kindern umgegangen werden kann. Eventuell kann man in irgendeiner Form selber zur Unterstützung und Entlastung der Familie beitragen. Man kann auch die Kinder oder Jugendlichen direkt auf die Situation ansprechen, seine Beobachtungen mitteilen und Hilfe anbieten.

*Bruno Scheiber ist Programmleiter «Psychische Gesundheit» und kantonaler Beauftragter für Suchtfragen bei der Gesundheitsförderung Uri, der kantonalen Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung. Sein Beitrag enthält – mit freundlicher Genehmigung – Textstellen des Instituts für Kinderseele und der Kampagne «Wie geht’s dir?».

Folgende Tipps könnten helfen

Es ist schwierig, wenn die eigene Mutter oder der eigene Vater psychische Probleme hat. Fachleute geben Kindern und Jugendlichen folgende Tipps: Sprich über deine Situation. Nimm dir Zeit für dich. Mach zu Hause deutlich, dass du auch da bist. Hol dir Hilfe. Es ist sehr wichtig, dass alle Familienmitglieder beteiligt werden. So kann jeder etwas tun, um das Familienleben zu erleichtern wie auch den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Folgende Tipps richten sich an betroffene Eltern: Es ist wichtig, dass Sie Ihre Krankheit und die Symptome verstehen und sich Hilfe holen. Sprechen Sie miteinander und bleiben Sie in Kontakt, auch mit den Kindern. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Erkrankung. Informieren Sie bei Bedarf die Lehrerperson oder den Lehrmeister Ihres Kindes. Holen Sie sich Hilfe und Unterstützung im Familien-, Verwandten- und Bekanntenkreis. Planen Sie auch Notfälle und Krisen mit ein.

Begleiten und auch für Abwechslung sorgen

Um Kindern zu helfen, werden Familie, Freunde und Umfeld folgende Tipps gegeben: Bieten Sie dem Kind das Gespräch an. Sprechen Sie es auf die beobachteten Verhaltensweisen an. Fragen Sie nach seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Um Eltern zu helfen, wird empfohlen: Suchen Sie das Gespräch, sprechen Sie über Ihre Beobachtungen. Zeigen Sie, dass Sie sich Sorgen machen. Bieten Sie Ihre Hilfe an (Haushalt, Kinderbetreuung et cetera). Sie können auch vorschlagen, für die Kinder eine «Anlaufstelle» zu sein. Bieten Sie an, gemeinsam mit der betroffenen Person eine Fachperson zu finden oder sie dorthin zu begleiten. Oder: Sorgen Sie einfach für Ablenkung. (pd/bar)

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