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KINDERBAND: Benno Muheim: «Wir wollen die Kinder verführen»

Der Urner Benno Muheim veröffentlicht mit seiner Band Silberbüx neue Songs. Er sagt, wie man die Kinder begeistern kann.
Interview Markus Zwyssig
Die Kinderband Silberbüx mit Benno Muheim (Zweiter von rechts). (Bild: pd)

Die Kinderband Silberbüx mit Benno Muheim (Zweiter von rechts). (Bild: pd)

Benno Muheim, Sie sind 34 Jahre alt. Werden Sie nicht langsam zu alt für Kinderlieder?

Benno Muheim:(lacht) Solange ich mich in die Welt der Kinder einfühlen und darüber Lieder schreiben kann, bin ich nicht zu alt. Klar, es gibt auch eine Horrorvorstellung: Als 70-Jähriger noch Kindergeburtstage zu beschallen, ist definitiv nicht meine Absicht. So weit ist es aber zum Glück noch lange nicht. Zudem glaube ich, dass wir mit Silberbüx mit den Jahren besser geworden sind.

Wie meinen Sie das?

Muheim: Ich denke da vor allem an den Live-Moment. An einem Kinderkonzert geht es primär darum, über die Interaktion einen Zauber zu schaffen, bei dem unser junges Publikum im Mittelpunkt steht. Die Mädchen und Buben sollen in den 60 Minuten, die wir auf der Bühne stehen, mitmachen, mitfiebern und zuhören. Und das gelingt uns als Band immer besser. Da hilft uns die Erfahrung, die wir in unseren 400 Konzerten gesammelt haben.

Wie schafft man es, die Kinder in den Bann zu ziehen?

Muheim: Kinder sind begeistert, wenn in ihrer vertrauten Welt plötzlich mehr möglich wird, als sie gedacht haben: ein Velo mit Schleudersitz, die Rutschbahn vom Schlafzimmer direkt in die Schule. Der Bus fährt plötzlich nach Australien oder sogar bis zum Mond. Das regt die Fantasie der Kinder an.

Auch auf dem neuen Album stammen viele Lieder von Ihnen. Woher nehmen Sie die Ideen?

Muheim:Beim neuen Album haben wir ganz bewusst die Qualitäten aller Silberbüx-Musiker miteinbezogen. Wir sind vier ganz unterschiedliche Liedermacher. Irgendwie ergibt sich aber immer wieder, dass ich der Hauptlieferant bin. Die Erinnerungen an die eigene Kindheit sind sicher der Ausgangspunkt. Mittlerweile haben wir aber ein Silberbüx-Universum aufgebaut. Diesmal gehts auf Räuberjagd, und dies erstmals in der Stadt. Hierfür mussten wir recherchieren und Stadtkinder befragen. Denn ich bin durch und durch ein Landkind.

Wollen sie den Kindern mit Ihren Liedern eine Botschaft mitgeben?

Muheim: Nein. Botschaften zu vermitteln oder Lieder mit manipulativen Absichten zu schreiben, finde ich heikel. Wenn schon, dann ist es eher eine Haltung, die wir weitergeben möchten. Die besten Momente auf der Bühne sind, wenn unsere Lieder die Kinder verführen. Sie sollen unsere Geschichten weiterspinnen. Wir wollen Mut machen zum Selberdichten.

An Ihren Konzerten lernen Sie viele Mädchen und Buben kennen. Was fehlt den Kindern heute im Vergleich zu früher?

Muheim:Wir spielen sehr viele Konzerte in Schulen. Da trifft man immer wieder Kinder, die sonst kaum Konzerte oder kulturelle Veranstaltungen besuchen. Wenn wir in der Stadt unterwegs sind, stellen wir fest, dass es zuweilen an Vorstellungskraft und Fantasie mangelt. Die Stadt ist verbaut und bietet zu wenig Freiräume. Das Programm wird dichter, in der Schule als auch bei den Hobbys. Eine gewisse Konsumhaltung verdrängt das selbstständige Spielen.

Kinderlieder sind heute auch ein gutes Geschäft geworden. Macht man damit das grosse Geld?

Muheim: Wir haben das Glück, dass wir noch CD verkaufen können. Mit dem grossen Geld ist es aber eine Illusion. Daneben haben wir alle unsere eigenen Projekte, und das ist gut so. Die Mischung macht es aus. Alles in allem ist es möglich, von der künstlerischen Arbeit zu leben. Man wird nicht reich, aber glücklich.

Die Kinderliederszene ist in der Schweiz sehr gross geworden. Besteht da nicht die Gefahr, dass man sich verkauft?

Muheim: Versicherungen, Grossverteiler und Banken organisieren Kinderkonzerte. Das ermöglicht den Familien relativ günstige Live-Erlebnisse. Wenn wir für die Migros auf «Lilibiggs»-Tournee sind, haben wir eine professionelle Betreuung und spielen auf einer ausgezeichneten Musikanlage. Wir wissen aber sehr genau, dass wir mit unseren Konzerten auch Werbung machen für bestimmte Produkte. Da gehen wir einen Kompromiss ein. Bei uns in der Band ist das immer wieder ein Thema, das für Diskussionen sorgt.

Sie sind viel unterwegs und treffen auf die unterschiedlichsten Kindermusiker. Wie schätzen Sie die Szene in der Schweiz ein?

Muheim: Die meisten nehmen das Musikmachen für die Kleinen sehr ernst. In der Schweiz haben wir die beste Kindermusikszene Europas. Das hängt neben den Grosskonzerten auch mit der lebhaften Kleintheaterszene zusammen. Auch die Schulen ermöglichen während der Unterrichtszeit regelmässig Kulturanlässe. Dadurch gibt es sehr viele Auftrittsmöglichkeiten, und die Qualität ist entsprechend hoch. Ein Glück für alle.

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